Tilt Shift Panoptikum

Fiktion. Eine Vielzahl von Geschichten, die miteinander verknüpft sind. Alain Fux.

(330) Vor Gregor Hirsch stand eine Namenstafel und darauf stand ‚Gregor Hirsch, Musicmanager‘.

Vor Gregor Hirsch stand eine Namenstafel und darauf stand ‚Gregor Hirsch, Musicmanager‘. Das ‚C‘ war ihm wichtig gewesen, denn er wollte Spaß haben und Musik mit C klang spaßiger als mit K. Er war jetzt 41 Jahre alt und hatte die letzten 17 davon in der Marketingabteilung eines Unternehmens der Tiefkühlbranche gearbeitet. Dann starb ein Onkel, Gregor erbte und freute sich, dass das hinterlassene Vermögen so beachtlich war, dass er kündigen konnte. Endlich konnte er sich der Musik widmen, seiner wahren Bestimmung. Er wollte das geerbte Geld in Projekte investieren, die etwas mit Musik zu tun hatten. Er hatte eine Anzeige aufgegeben ‚Finanzinvestor sucht Musikprojekte‘ und hatte so viel Post erhalten, dass er eine Sonderzustellung mit Auto bekam. Zuerst hatte er alles sichten und dann auswählen wollen, was in Frage kam. Da die Flut von Zuschriften aber nicht abriss, änderte er sein Vorgehen und schaute sich Projekte nach und nach an, so wie er sie in den Zuschriften fand und für interessant befand. Einige Antragsteller lud er gleich zum Gespräch in sein neues Home Office ein. So auch Jonas Binder. Was Hirsch bei Binder gefallen hatte, war dass sie beide ungefähr gleichalt war und Binder ebenfalls schon jahrelang nach seiner Chance suchte. Jetzt saßen sie bei Hirsch zusammen und tranken Kaffee, den Hirsch den beiden aus dem neuen Kaffeeautomaten geholt hatte. Binder saß vor ihm in der neuen Ledercouch und Hirsch saß ihm gegenüber in einem tiefen, neuen Ledersessel. Hirsch fand es toll, dass er jetzt zu geschäftlichen Treffen in T-Shirt und Jeans erscheinen konnte und sich nicht einmal zu rasieren brauchte.

Jonas Binder hatte ein Musical geschrieben über das Leben von Kim Jong-il.

„Juri Irsenowitsch Kim, hauptsächlich bekannt unter dem Namen Kim Jong-il, hatte ein Leben, das mehrere Musicals füllen könnte. Wir können uns die besten Stories heraussuchen. Man braucht nichts zu erfinden, es ist alles da“, erklärte Binder. „Geben Sie mir Beispiele“, sagte Hirsch. „Ich weiß nicht, wo ich beginnen soll, aber hier sind ein paar Szenen, die mir spontan einfallen: Seine Geburt, die von einer Schwalbe und einem doppelten Regenbogen vorhergesagt wurde; sein Bruder, den Kim im Alter von 5 Jahren im Swimmingpool des Elternhauses ermordet haben soll; der lange, aber unaufhaltsame Aufstieg durch Partei- und Staatsämter; seine schwierige Beziehung zu Kim Il-sung, seinem Vater, den er in einem bombastischen Personenkult ehren ließ; die Legenden, die sich um ihn rankten: dass er mit seiner Laune das Wetter beeinflussen konnte, dass er durch Raum und Zeit reiste usw. Ich habe die Geschichte von seiner Geburt bis zum Staatsbegräbnis kadenziert und auch schon Liedtexte geschrieben. Sogar einen hervorragenden Sänger habe ich als Darsteller gefunden. Im Austausch mit einem langfristigen Vertrag ist er bereit, sich unters Messer zu legen und operativ an Kim angleichen zu lassen.“

„Gab es nicht schon einmal ein Musical über Kim Jong-il?“, fragte Hirsch am Ende von Binders Vortrag. „Nicht als solches“, antwortete Binder. „Es gab einen Hinweis darauf in einer Folge der Simpsons, aber ich habe mir dabei nur die Inspiration geholt. Die Geschichte stammt von mir.“

Gregor Hirsch hatte aber ein Problem damit, ein Musical zu finanzieren, das in irgendeiner Form schon da gewesen war. Am nächsten Tag schrieb er Binder einen Brief, in dem er ihm mitteilte, dass er an dem Projekt doch nicht interessiert sei.

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(329) Kim Jong-ils größte Entdeckung war es, dass er Sandra mit einem in ihre Ohren gehauchten Satz auf Koreanisch willenlos machen konnte.

Kim Jong-ils größte Entdeckung war es, dass er Sandra mit einem in ihre Ohren gehauchten Satz auf Koreanisch willenlos machen konnte. Sie seufzte dann nur leise und schmiegte sich an seine knisternde Vinalon-Kombi. Er probierte es mit vielen unterschiedlichen Sätzen, aber es gab nur einen, der bei ihr die Duldungsstarre auslöste. Der Satz lautete „Nae hoebuhkeurapeuteuneun changuhro kadeuk cha isseyo“. Sandra verstand kein Koreanisch und wusste nicht, was der Satz bedeutete („Mein Luftkissenfahrzeug ist voller Aale“). Es war nur die Sprachmelodie, die sie im Innersten traf.

Als Kim Jong-il dies entdeckte hatte, ging er während vieler Zyklen ganz einfach vor. Er besorgte sich um 6 Uhr den Generalschlüssel beim schlafenden Nachtportier und schlich sich um 6:10 Uhr in Sandras Zimmer. Zu dem Zeitpunkt hatte sie eine REM-Phase und lag völlig entspannt auf dem Rücken. Er flüsterte ihr den Satz ins rechte Ohr. Sie seufzte, schmiegte sich an ihn und wurde wach, blieb aber immer noch so entspannt wie in der REM-Phase. Das eröffnete dem Generalissimus alle Freiheit der Welt. Er besorgte sich um 5:30 Uhr in einer Buchhandlung im Frankfurter Hauptbahnhof ein Buch mit dem Titel „Die 101 schärfsten Stellungen“ und beschloss, das ganze Buch systematisch durchzuarbeiten. Praktischerweise gab es auf den Seiten 227-233 eine Checkliste, bei der er ankreuzen konnte, was er gerade erledigt hatte. Das Kreuz war natürlich am nächsten Tag wieder weg, aber er konnte sich visuell besser erinnern, wo er gerade war. Einige Stellungen gefielen ihm sehr gut, wie zum Beispiel Schwein in einer Decke oder Kauernder Tiger, verborgene Leidenschaft. Die stehenden Positionen, wie die Begegnung mit der Kuh oder Der aufrechte Staubsauger, mochte er nicht, weil sie sehr anstrengend waren und Sandra ungefähr so groß war wie er. Aber der Generalissimus hatte sich immer in seinem Leben durch seine Selbstdisziplin ausgezeichnet und daher führte er auch diese Positionen bis zum Orgasmus durch.

Als Kim Jong-il alle Positionen abgehakt hatte, ging er nicht mehr zu Sandra zurück. Er fühlte eine Leere in sich und fragte, wie es weitergehen würde. Dass es weiterging, daran bestand keine Frage mehr. Es würde bis in alle Ewigkeit einen Morgen geben, der immer wiederkehrte. Wenn er wenigstens wieder in Pjöngjang wäre, dann könnte er in seiner Biografie erwähnen lassen, dass es ihm als einzigem Mann gelungen war, alle denkbaren Sexualpositionen (oder zumindest die 101 schärfsten davon) an einem einzigen Tag auszuführen. Er erzählte es probeweise einigen Geschäftsleuten, die sich immer um 22:15 Uhr in Jimmy’s Bar im Hessischen Hof trafen. Aber sie wollten ihm nicht glauben und lachten ihn nur aus. Er probierte, die Geschichte in verschiedenen Varianten zu erzählen, manche durchaus auch selbstironisch, aber es half nichts. Es machte ihn so wütend, dass er an mehreren Abenden in die Bar zurückkehrte, um sie alle, inklusive des überheblichen Barkeepers, zu erschießen. Natürlich wusste er, dass das eine Übersprunghandlung war, aber der Generalissimus war auch nur ein Mensch.

(328) Mit der Zeit entdeckte Kim Jong-il einen weiteren Zeitvertreib, der ihm Vergnügen bereitete.

Mit der Zeit entdeckte Kim Jong-il einen weiteren Zeitvertreib, der ihm Vergnügen bereitete. Auf Zimmer 313 wohnte im Hotel Admiral eine junge Frau. Sie hieß Sandra Schiffner, wie er im Meldebuch nachlesen konnte, wenn der Nachtportier zwischen 4:30 Uhr und 6:30 Uhr auf dem Feldbett im Büro schlief. Der General sah Sandra öfters, weil sie an dem Tag immer um 9:17 Uhr in den Frühstücksraum kam und dort ganz traurig in eine Tasse Kaffee hineinstarrte. Er hatte versucht, mit ihr ins Gespräch zu kommen, aber was immer er ihr sagte, sie beachtete ihn nicht.

Aber Kim Jong-il nannte man nicht umsonst Generalissimus. Es war ihm ein leichtes, seine Strategie bei Bedarf zu verändern. Bevor die junge Frau ihr Zimmer verließ, entführte er sie und verbrachte den Tag mit ihr. Bei der Entführung selbst variierte er sein Vorgehen und hielt Buch über Erfolge und Misserfolge. Blumengeschenke halfen nicht. Ebenso wenig Geld, Bonbons und Champagner. Ein hervorgehaltener Revolver zeigte sich als das probateste Mittel, die Entführung umzusetzen. Der Nachteil war, dass es die Stimmung der jungen Frau für den Rest des Tages vermieste. Eine Maschinenpistole, die er testweise einsetzte, hatte den gleichen Effekt. Das irritierte Kim Jong-il. Dass es Einschränkungen gab wegen der Singularität im Raum-Zeit Kontinuum, damit musste er sich abfinden, das sah er ein. Dass aber seine Wünsche von anderen Menschen derart missachtet wurden, war ihm fremd. Während einiger Zyklen mied er Sandra und beschäftigte sich damit, seinen Golfschwung zu verbessern. Nachdem er den Resident Pro aufgrund von Respektlosigkeit mehrmals erschießen musste, wandte sich Kim Jong-il wieder dem Sandra-Problem zu. Und dann hatte er einen Plan.

Er beschaffte sich ein Pferd und ritt damit am frühen Morgen in ihr Zimmer. Sie war so verblüfft, dass sie bei ihm aufstieg und dann sprang er mit ihr aus dem Zimmer heraus wieder auf die Straße. Passieren konnte ja nichts, das hatte er in all den wiederholten Tagen gelernt. Schlimmstenfalls endete der Tag vorzeitig und er wachte einfach gleich am nächsten Tag wieder auf, um den Tag wieder neu anzugehen.

Mit der Zeit konnte er die junge Frau sogar zum Lachen bringen. Eigentlich wurden die Tage mit ihr immer besser. Aber er musste jedes Mal wieder von vorne beginnen und sie erinnerte sich nie daran, was sie am Vortag unternommen hatten. Sein Ziel war es, dass sie sich in ihn verliebte. Das war eine echte Herausforderung, denn obwohl sie aufgeschlossen war, hatte sie ein völlig falsches Bild von ihm. Die verdammte westliche Propaganda. Nicht umsonst hatte er immer davor gewarnt. Eine teuflische Machtmaschine, mit der man Unwahrheiten über ihn erzählte. Zum Beispiel sagte man von ihm, dass er nur 1,57 Meter maß und Spezialschuhe trug, um größer zu wirken. Dabei war er 1,63 Meter hoch und liebte es einfach, auf hohen Absätzen zu gehen. Besonders beim Reiten waren sie zudem sehr praktisch.

(327) Kim Jong-il war in einer Zeitschleife gefangen.

Kim Jong-il war in einer Zeitschleife gefangen. Jeden Tag wachte er im gleichen billigen Hotel im Frankfurter Bahnhofsviertel auf und es nahm kein Ende. Eigentlich war er davon ausgegangen, tot zu sein. Vielleicht war er es auch und das Jenseits war nur ein schlechter Scherz, in dem es nicht einmal vernünftigen Kimchi gab.

Am Anfang hatte er überlegt, nach Nordkorea zurückzukehren, um seinen Platz als Geliebter Führer wieder einzunehmen. Aber nicht einmal wenn er seine Flugangst überwinden könnte, würde er es schaffen, am gleichen Tag nach Pjöngjang zu gelangen. Immer wieder wachte er im Hotel auf. Immerhin hatte er es mit dem Zug bis nach Berlin geschafft, um in der nordkoreanischen Botschaft auf sein Recht auf Erlösung zu pochen. Allerdings befand sich genau an diesem sich ewig wiederholenden Tag der Botschafter auf Reisen und alle anderen Mitarbeiter waren bloße Marionetten. Anstatt ihm ihre Aufwartung zu machen, riefen sie die Polizei und mehrmals endete der General in einer Arrestzelle, aus der er sich befreien konnte, indem er am nächsten Morgen wieder im Hotel Admiral aufwachte.

Telefonanrufe an seinen Sohn kamen nie zustande, weil niemand ihm glaubte, wer er sei und es gab leider keine Direktwahl, die er anrufen konnte. Er fühlte sich einsam, aber nie verzweifelt, denn er war der Geliebte Führer, der Generalissimus, der zweifache Held der Demokratischen Volksrepublik Korea und dreifacher Träger des Kim Il-sung-Ordens.

Immerhin hatte er sich mit der Zeit Zerstreuung gesucht. Er hatte das Golfspiel erlernt und er schaffte es mittlerweile spielend, an einem Tag die Platzreife zu erreichen. Allerdings musste er enttäuscht feststellen, dass es ihm nicht gelang, ein Ass zu schlagen. Dann offenbarte es sich ihm, dass er endlich die Zeit hatte, Dinge zu tun, die in seiner Biografie standen, die er aber in Wirklichkeit nie getan hatte. Endlich hatte er Zeit und konnte alle Filme mit Elizabeth Taylor sehen. Er beschloss, eine Autobiografie zu schreiben, und hatte das Buch bereits nach drei Tagen beendet. Da er jeden Tag den Text frisch tippen musste, war das Buch nicht sehr lang. Er lehnte es ab, einen Verleger zu suchen, sondern erwartete, dass man ihm ein Angebot machte. Ein weiteres Buch über Innenarchitektur fing er nicht an, weil er die Demütigung der Verleger nicht ein zweites Mal ertragen konnte. Auch die Idee, eine Oper zu komponieren, legte er beiseite, denn man würde seine Kunst nicht zu schätzen wissen.

Kim Jong-il passte sich nach und nach in sein neues Leben ein. Er konnte akzeptieren, nicht zu wissen, ob er lebte oder tot war. Was er aber nicht ertragen konnte, war die unterschiedliche Größe von Reiskörnern, die ihm zum Essen vorgesetzt wurden. Bis er die größten Abweichungen isoliert hatte, war der essbare Teil des Reises bereits erkaltet.

(326) Sandra Schiffner hatte das Gefühl am Tiefpunkt ihres Lebens angelangt zu sein.

Sandra Schiffner hatte das Gefühl am Tiefpunkt ihres Lebens angelangt zu sein. Ihr Haus wurde zerstört. Ihre Eltern weigerten sich, sie aufzunehmen. Ihr Ehemann ließ sie im Stich. Sie musste in einem heruntergekommenen Hotel übernachten, in dem sie sogar noch von dem abgehalfterten Nachtportier angebaggert wurde. Es war alles, dass er nicht noch gefragt hatte, ob er ihr beim Ausziehen helfen konnte, dachte sie, als sie ihr Nachthemd anzog. Als sie im Bett lag, fiel ihr ein, dass sie kein Buch mitgenommen hatte. Sie war zu aufgewühlt, um gleich einzuschlafen, also schaltete sie den Fernseher ein. Schließlich blieb sie bei einer Dokumentation über nordkoreanische Propaganda hängen. An einer Stelle wurde ein Videoclip gezeigt, auf dem Kim Jong-il auf einem Pferd ritt. Dazu spielte ein koreanisches Lied, dessen Text als Übersetzung eingeblendet wurde. Im Wesentlichen sagte das Lied, dass große Stürme kamen, wenn General Kim Jong-il laut rief. Der Geliebte Führer saß auf einem Schimmel und trug eine dicke schwarze Sonnenbrille und weiße Handschuhe. Danach folgten Aufnahmen von Massenveranstaltungen in großen Stadien, bei denen das Publikum gemeinsam Bilder und Schriftzeichen durch hochgehaltene Farbpappen darstellte. Durch die hypnotische Wirkung der Bilder wurde Sandra müde. Sie machte den Fernseher und das Licht aus und legte ihren Kopf auf das fremde Kissen. Bald war sie eingeschlafen.

Herbert Martens schaute auf seinen Taschenfernseher, als die automatische Tür aufging. Erst als er die Huftritte hörte, schaute er auf und konnte seinen Augen nicht trauen. Ein Schimmel stand in der Lobby und darauf saß ein kleiner Mann in Uniform mit kurz geschnittenen Haaren und einer Sonnenbrille. Mit einem weißbehandschuhten Zeigefinger deutete er auf Martens. Der Nachtportier war aufgesprungen. Er konnte dem Blick von Kim Jong-il, denn er war es wirklich, nicht lange standhalten, dann brach er weinend zusammen und flehte um sein Leben. Durch einen weiteren Fingerzeig bedeutete der Generalissimus, dass Martens sich durch den Seitenausgang entfernen sollte. Als der Nachtportier weg war, stieg der General mit dem Pferd die Treppe hoch, bis in den dritten Stock. Er fand Zimmer 313 und dann stand er auch schon im Zimmer, hoch zu Ross. Er wies Sandra an, bei ihm aufzusteigen, und sie schmiegte sich an seine starken Schultern.

Der General streichelte kurz ihre Hand mit seinem Baumwollhandschuh und dann wurde es hell im Zimmer. Nicht nur das Fenster fiel aus der Wand, nein, die ganze Fassade des Hotels fiel herunter. Vor Sandras Augen erschien der Himmel, der gerade von der Morgensonne geküsst wurde. Das Pferd tat einen Satz und sprang aus dem Zimmer. Aber es fiel nicht hinunter, sondern glitt sanft durch die Luft. Ganz sachte setzte es auf dem Asphalt auf und galoppierte die Straße entlang in Richtung der aufgehenden Sonne.

(325) Haben Sie ein Zimmer für mich?

„Haben Sie ein Zimmer für mich?“ Herbert Martens blickte von dem Taschenfernseher auf und sah die junge Frau vor seinem Tresen stehen. Er zog den Stöpsel aus dem Ohr und stand auf. „Willkommen im Hotel Admiral. Sie haben keine Reservierung?“ Die Frau schüttelte den Kopf. Sie sah aus, als ob sie geweint hatte. „Geht es Ihnen nicht gut?“ Sie atmete tief ein und aus. „Es geht.“ Dabei sah sie aus, als ob sie gleich wieder losheulen würde.

Martens war seit dreizehn Jahren Nachtportier. Nicht immer im Admiral, es waren auch schon bessere Häuser dabei gewesen. Aber er hatte ein Gespür für Leute entwickelt. Sein Instinkt sagte ihm, dass die Frau sich gerade von einem Mann getrennt hatte und etwas haltlos in der Nacht unterwegs war. Dabei sah sie ganz normal aus, nicht so kaputt, wie andere Frauen in ähnlicher Situation. Er war überzeugt, dass sie hinreißend aussah, wenn sie nur etwas lächeln würde.

Martens tat so, als ob er im Hotelregister nachschaute, ob er noch freie Zimmer habe. „Was brauchen Sie denn? Einzel- oder Doppelzimmer.“ – „Einzelzimmer, bitte. Nur für eine Nacht.“ Das war die Hoffnung von verletzten Frauen, dachte Martens. Eine Nacht und dann wird sich alles wieder einrenken. Das tat es nie. Die Wunden waren dann vielleicht etwas verschorft. Bereit für den nächsten Hieb. Eine Nacht war nie genug. „Ja, das geht. Ich kann Ihnen ein schönes Zimmer geben. 53 Euro die Nacht, ohne Frühstück. Frühstück gibt es ab sieben Uhr, kostet elf Euro extra. Kann ich einen Ausweis sehen? Für die Registrierung.“ Sie kramte in ihrer Handtasche zwischen den zerknüllten Papiertaschentüchern, und reichte ihm ihren Ausweis. Sandra Schiffner geborene Weber, 23 Jahre, verheiratet. Ein Schwein, eine solche tolle Frau zu verstoßen. Martens notierte Namen und Ausweisnummer in das Register. Vom Schlüsselbrett hinter sich nahm er Nummer 313. „Ich zeige Ihnen das Zimmer.“ Martens verriegelte den Haupteingang und geleitete Sandra zum Aufzug. Als die schwere Metalltür zufiel, standen sie ziemlich nahe nebeneinander in dem engen Raum. Martens drückte auf die 3 und die Kabine ruckte los. Er konnte den Geruch von Sandra wahrnehmen. Nicht eine mit Parfüm verfälschte Version, sondern ihren wahren Duft. Er mochte es, wie sie roch. Dann blieb die Kabine stehen und Martens schwang die Tür auf. „Nach rechts“, sagte er und ließ ihr den Vortritt. Er wuchtete den schweren Koffer aus dem Aufzug und ging an ihr vorbei den Flur hinunter. Sie folgte ihm. Hoffentlich bemerkte sie nicht, dass er eine kahle Stelle am Hinterkopf hatte. Er probierte seit Kurzem ein Mittel dagegen aus, aber es schien nicht zu wirken. Aber wichtig waren ja nicht die Äußerlichkeiten. Mit dem Schlüssel öffnete er die Tür und machte das Licht an. Eine wenig helle Deckenlampe tauchte das Zimmer in ein Licht, das die Schäbigkeit von Einrichtung und Wänden kaschierte. Er hievte den Koffer auf die Ablage. Sie stellte ihre Handtasche auf das Bett und zog den Mantel aus. Martens hatte gleich einen Kleiderbügel bei Hand und nahm ihr den Mantel ab, hängte ihn auf. „Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“ Sie schüttelte den Kopf. „Nun, Sie wissen, wo Sie mich finden. Rufen Sie die 17 an und schon bin ich da. Auch wenn es nur zum Reden ist.“ Er platzierte den Schlüssel neben sie auf das Bett und ging hinaus.

(324) Achim Schilling wohnte in einem Kaninchenstall.

Achim Schilling wohnte in einem Kaninchenstall. In einer von unzählig vielen Wohneinheiten in einem riesigen Gebäude, das den Charme eines Parkhauses besaß. Der Aufzug war kaputt und so mussten René und Sandra ihre Koffer die Treppen hoch bis in den sechsten Stock schleppen. Am Ende des langen dunklen Flures sahen sie Licht aus einer offenen Wohnungstür. Als sie eintraten, kam Achim aus dem Bad. In der Hand hielt er eine Rolle Küchenpapier. „Ich habe noch etwas die Armaturen poliert, damit Ihr euch auch wirklich wohlfühlt.“ Sandra schaute sich die Wohnung an. Von dem kleinen Flur gingen vier Türen ab. Das Wohnzimmer war ein langer Schlauch an dessen Ende ein Schreibtisch stand mit einem riesigen Bildschirm, davor ein Chefsessel auf Rollen. Ein Bücherregal beherbergte hauptsächlich DVDs und Spielhüllen. Ein Sofa gegenüber einem großen Flachbildfernseher. Der Raum war schon lange nicht mehr gelüftet worden. Vorhänge gab es keine und die Fenster blickten auf heruntergelassene Rollläden. Im Schlafzimmer lag ein Berg Wäsche auf dem Bett in Naturkiefer. Vor dem Kleiderschrank ein weiterer Haufen Kleidung, der vor sich hin muffelte. Im Bad roch es nach Schimmel. Im Abfluss der Badewanne lag ein Klumpen Haare und der Duschvorhang, ehemals weiß, hatte gelbliche Verfärbungen. Ein weiteres Schlachtfeld war die Küche. Sie war so klein, dass nur eine Person darin stehen konnte. Im Abfluss stapelte sich das Geschirr und wartete auf eine gnädige Seele. Dann war Sandra wieder im Flur und starrte René mit düsterem Blick an. Ihr Ehemann hatte seinen Mantel ausgezogen und über einen Karton gelegt, in dem früher mal der Flachbildschirmfernseher gewesen war. Achim ging in die Küche und er klapperte in dem schmutzigen Geschirr herum.

„Ich kann hier nicht bleiben“, sagte Sandra. „Wir haben nichts anderes“, antwortete René. „Ich kann trotzdem nicht bleiben, ich kriege hier keine Luft.“ – „Wir werden ein bisschen aufräumen und dann geht das.“ Sandra schüttelte den Kopf. „Wo sollen wir denn schlafen?“ – „Auf dem Sofa. Da hatte ich ja schon mal übernachtet, als es so spät geworden war. Kannst du dich erinnern? Das Sofa ist sehr bequem.“ – „Es geht nicht. Dann such ich mir etwas anderes.“ – „Gehst du zu deinen Eltern?“ – „Vielleicht.“ René überlegte. „Nee, ich bleibe hier.“ Sandra nickte. Sie hatte Tränen in den Augen. „Nicht weinen, Sandra. Das mit dem Haus geht in Ordnung.“ Sandra nahm ihren Koffer und wandte sich zum Gehen. „Dann telefonieren wir morgen?“ Sie nickte wieder und ging zur Tür hinaus. Erst als sie weg war, fiel René ein, dass er ihr den Koffer nach unten hätte tragen können.

„Frauen sind ja unglaublich pingelig“, meinte Achim. „Wenn nicht alles picobello ist, dann motzen sie nur rum.“ Sie bestellten sich eine Pizza. „Bis der Bote damit hier ist, können wir locker einen oder zwei Deathmatches machen. Zum Warm werden. OK?“ – „Gute Idee“, sagte René und nahm seinen Laptop aus der Umhängetasche.

(323) Wenigstens hat er sie noch nicht geschwängert!

„Wenigstens hat er sie noch nicht geschwängert!“ Hansjörg Weber war sehr aufgebracht. Er saß auf seinem Sessel im Wohnzimmer und starrte grimmig auf die Sombreros, die ihm gegenüber an der Wand hingen. Er und Annemarie hatten sie aus dem Urlaub in Spanien mitgebracht. Annemarie saß auf dem Sofa und vor ihr stand immer noch das Telefon, über das sie eben mit ihrer Tochter Sandra gesprochen hatten. „Ja, er ist nicht wirklich der Schlaueste…“, sagte Annemarie. „Er ist ein vollendeter Idiot“, fuhr ihr Hansjörg dazwischen. „Vielleicht trennt sie sich jetzt endlich von dieser Missgeburt und kommt zur Vernunft. Es gibt doch wirklich genug Männer, die ihr etwas bieten können.“ Hansjörg streifte die Pantoffeln ab und legte die Füße auf den Lederschemel, der vor ihm stand.

„Aber, waren wir nicht vielleicht etwas zu hart eben?“ Annemarie stand auf und stellte das Telefon zurück auf die Zierdecke auf den Beistelltisch neben dem Sofa. „Unsinn. Sie muss auch etwas lernen. Unser Haus war ihm ja nie gut genug, diesem René. Die Nase hat er über unseren Fernseher gerümpft und dann schließt er noch so ein Idiotenspiel da dran. Nachher war alles verstellt. Kannst du dich noch erinnern? Am Ende mussten wir den Fernsehtechniker holen, damit er es wieder in Ordnung bringt.“

„Ich glaube ich brauche jetzt etwas Starkes. Willst Du auch etwas?“ – „Gib mir einen Brandy.“ Annemarie öffnete das Barfach des Wandschranks und füllte ein Schnapsglas mit Grand Marnier für sich und einen Schwenker mit Cardenal Mendoza für Hansjörg. Sie reichte ihm sein Glas und beide tranken einen Schluck.

„Was sie jetzt wohl unternimmt? Ich komme mir ganz schlecht vor, sie so abgewiesen zu haben…“ – „Wir haben sie nicht abgewiesen. Wir haben den Trottel abgewiesen. Ein Riesenunterschied. Wenn Sandra gesagt hätte, ‚Unser Haus ist eingestürzt, kann ich bei Euch eine Zeit lang wohnen?‘, dann hätten wir sie natürlich mit offenen Armen empfangen. Aber sie wollte ja diesen Heini mitbringen. Ich habe ihr gesagt, komm doch allein. Aber nein, sie hat ihren Sturkopf und knüpft ihr Schicksal an das von diesem Versager. Das sollte ihr jetzt mal zu denken geben. Wenn sie jetzt gleich noch einmal anruft, und sagt, ob sie denn alleine kommen darf, werden wir ihr natürlich sagen, dass sie uns immer willkommen ist. Zu jeder Tages- und Nachtzeit.“ Sie hingen ihren Gedanken nach und tranken eine Weile schweigend. „Meinst Du Tele Sat Plus wird ihnen den Schaden ersetzen?“, fragte Annemarie. „Wer weiß, ob das überhaupt etwas mit dem Fernsehsender zu tun hat. Vielleicht hat der Trottel das Haus ja selbst in die Luft gejagt. Er mag doch so gerne Kriegsspiele. Das kommt ihm wahrscheinlich recht, einen Kriegsschauplatz direkt zu Hause zu haben. Dem ist alles zuzutrauen, glaub mir.“

(322) „Das Taxi kommt gleich“, sagte René schuldbewusst.

„Das Taxi kommt gleich“, sagte René schuldbewusst. Sandra rumorte noch im Schlafzimmer und packte Sachen ein. Alle anderen waren abgezogen. Die ‚Tilt Space Party‘ hatte einen grauenvollen Ablauf genommen. Die Schaumkanonen der Produktionsgesellschaft hatten das ganze Haus mit Schaum gefüllt und durch die Feuchtigkeit hatten sich an vielen Stellen die Tapeten gelöst und die Wandfarbe sah völlig verdreckt aus. Beim angekündigten Spiel mit dem eingeölten Liliputaner, der sich im Schaum versteckte und aalgleich verschwinden konnte, hatte es einen tragischen Unfall gegeben. Achim Schilling, Renés fetter Gamerfreund, wollte sich auf den Kleinwüchsigen werfen, konnte aber nicht sehen, wohin er sprang. Als er aus dem Gleichgewicht kam, hielt er sich am Treppengeländer fest, dessen Halterungen brachen. Das Geländer stürzte auf halber Länge herunter und ausgerechnet auf den Kleinwüchsigen. Im Schaum sah man es nicht sofort und erst, als ein Kamerateam auf ihn trat, bemerkte man, dass etwas schiefgelaufen war. Der Produzent rief einen Krankenwagen. Um Platz für den Krankenwagen zu schaffen, sollte der Regielastwagen, der vor dem Haus hielt, umgeparkt und gewendet werden. Dabei stieß das riesige Fahrzeug gegen einen Pfosten des Carports, das einstürzte und Renés Wagen unter sich begrub. Unglücklicherweise war der Carport auch fest mit dem Hausdach verbunden und so wurde das Haus weit über die Hälfte abgedeckt. Die ganze Zeit über liefen die Kamerateams herum und filmten, was das Zeug hielt. Wenigstens kam die Feuerwehr recht schnell, als es zu regnen begann und konnte das Dach mit Planen abdecken. Der Produzent sagte, dass der Fernsehsender selbstverständlich für alle Schäden aufkommen würde. Er schien nicht einmal traurig zu sein, dass die Produktion der Party so teuer geworden war.

Nachdem Sandra den Schock etwas verwunden hatte, stellte sich die Frage, wo sie wohnen würden, bis die Renovierung abgeschlossen sein würde. Sandra rief ihre Eltern an, die aber keine Möglichkeit sahen. Dann sagte Achim Schilling, dass er ihnen die Hälfte seine Zweizimmer-Wohnung abtreten würde. „Wenn man ein bisschen aufräumt, kann es sehr gemütlich werden“, meinte er. René war gerührt und bedankte sich. „Wir können ja dann auch etwas Counter Strike spielen“, fügte Achim hinzu.

Sandra fand die Idee grauenhaft, wie sie René sagte, als Achim schon vorausgefahren war, um das Gröbste aufzuräumen. „Wohin denn sonst? Achim ist ein Freund, ein Klasse Typ. Den im Team zu haben, ist nie verkehrt.“ Dann verlor Sandra die Nerven. „Das ist hier kein verdammtes Videospiel“, schrie sie. „Das ist die Wirklichkeit, du Kindskopf!“ René hätte ihr gerne mit dem Gamerscherz geantwortet, dass die Realität zwar eine tolle Grafikauflösung habe, die Story aber sehr zu wünschen übrig ließe. Aber das wäre jetzt nicht gut angekommen. So hielt er den Ball flach und bestellte ein Taxi, während sie das Notwendigste zusammensuchte.

(321) Eigentlich hatte René Schiffner sich vorgestellt, dass die ideale Kulisse für die ‚Tilt Space Party’…

Eigentlich hatte René Schiffner sich vorgestellt, dass die ideale Kulisse für die ‚Tilt Space Party‘ eine Szene aus ‚Counter Strike: Global Offensive‘ sein sollte. Er liebte dieses Videospiel und wusste, dass er damit seine Kumpels wirklich beeindrucken würde. Sandra, seine Frau, hatte Bedenken gehabt, aber es war ja schließlich sein Geburtstag. Er und Sandra hatten oft unterschiedliche Meinungen. Er liebte Videospiele, sie hasste sie. Sie war für die Einrichtung zuständig, er zeigte dafür wenig Dankbarkeit. Er kümmerte sich um das Auto, sie fand, dass er dafür zuviel Geld ausgab. Bei Filmen fanden sie einen Kompromiss bei Ghost Busters oder Herr der Ringe.

Doch dann kam es anders, weil der Fernsehsender meinte, dass die Deko aus Counter Strike in Renés kleinem Haus nicht umsetzbar sei und zudem völlig ungeeignet für eine Party. Stattdessen schlugen sie ihm ein Spiel vor, bei dem es darum ging einen eingeölten Kleinwüchsigen zu fangen und in einen Laufstall zu sperren. „Was ist ein Kleinwüchsiger?“, fragte René und Sandra sagte ihm, dass das ein Liliputaner sei. „Ist das nicht schwul?“, fragte René und Sandra versicherte ihm, dass sie das nicht glaubet. Und deshalb willigte René ein.

Um die Produktion spannender zu machen, brachte die TV-Crew zwei Schaumkanonen mit, die oben auf der Treppe und vor dem offenen Wohnzimmerfenster auf einem Gerüst aufgestellt wurden. „Das ist ja nur Seife“, sagte der Produzent. „Und wenn doch Schäden entstehen sollten, dann machen wir das neu. Natürlich. Sie sollten zur Sicherheit aber alle persönlichen Dinge in den Produktionscontainer stellen, der auf der Straße geparkt ist. Da passiert dann garantiert nichts.“

Für die Dreharbeiten war ein voller Tag reserviert. Aus Planungsgründen kam Renés Geburtstag dafür nicht in Frage, der war ein Monat später. „Aber das wissen die Zuschauer ja nicht“, erklärte der Produzent. Die Vorbereitungen für den Dreh fanden am Vortag statt. In allen Zimmern wurden mehrere steuerbare Kameras mit Mikrofonen angebracht und mit dem Regiewagen auf der Straße vernetzt. Zusätzlich gab es zwei mobile Kamerateams.

Als die Freunde von René und Sandra am Drehtag im Häuschen der beiden ankamen, waren sie von der technischen Ausstattung beeindruckt. René erzählte, dass er lieber eine Deko aus Counter Strike gehabt hätte, aber die Freunde sagten, das sei auch so voll in Ordnung. An seinem Geburtstag könne man ja einfach gemeinsam Counter Strike spielen, das würde alles aufwerten. Auch ein paar Schauspieler kamen dazu, aber nur für den Fall, dass irgendwelche Stunts notwendig sein würden, wie der Produzent versicherte, ohne darauf einzugehen, an welche Stunts er dachte. Als René zwei Schauspielerinnen begaffte, die unglaublich große Oberweiten hatten, knuffte ihn Sandra in die Seite.

Dann mussten sich alle in einer Reihe aufstellen und eine Produktionsmitarbeiterin inspizierte Gastgeber und Gäste. Manche mussten sich umziehen, andere bekamen interessante Requisiten oder Accessoires. Auch das dauerte eine geschlagene Stunde. In der Zeit gab es draußen im Garten in einem Zelt ein Buffet mit leckeren Happen. Als alle bereit und verköstigt waren, hielt der Regisseur, ein völlig humorloser Mann mit Halbglatze, eine Rede, in der er den Ablauf der Dreharbeiten erläuterte. „Also, das wird eine lustige Party, Leute“, sagte er mit monotoner Stimme und dann ging es tatsächlich los.

Zuerst wurden René und Sandra gedreht, wie sie auf die ersten Gäste warteten und so taten, als ob sie die letzten Vorbereitungen erledigten. „Sehr gut“, rief der Regisseur, nachdem sie von allen Seiten dabei gefilmt worden waren. „Jetzt kommt die erste Gästegruppe. Auf drei.“