(212) Du machst dir falsche Vorstellungen vom Leben eines Cowboys.

von Alain Fux

„Du machst dir falsche Vorstellungen vom Leben eines Cowboys“, sagte Jörg. „Lange Zeit dachte ich auch, dass ich alles um mich herum so verändern kann, so dass es für mich passt. Dass alles nur von meinen Anstrengungen abhängt.

Vor zwei Jahren aber hatte ich plötzlich Schmerzen in der Hüfte. Beim Gehen war es mir so, als ob das Gelenk in Sand steckte und bei jedem Schritt die Knochen aneinander schmirgelten.

Ich war bei vielen Experten für solche Probleme. Viele Male wurde ich in den Scanner geschoben. Es war aber nichts zu finden. Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass ich ein neues Gelenk brauchte. Aber es wollte kein Arzt den Eingriff vornehmen, weil kein Grund dafür zu erkennen war. Bis mir ein Arzt die Diagnose stellte, dass es sich bei mir um chronische psychosomatische Schmerzen handelte. Ich habe mich weiter darüber informiert und ich glaube jetzt, dass der Grund dafür in meinem Cowboy-Verständnis lag, alles beeinflussen zu können. Es hat ein so hoher Druck auf mir gelastet, dass der Körper irgendwann nicht mehr wollte und mir das über die Hüftschmerzen mitteilte.“ – „Aber du gehst doch regelmäßig joggen und mir ist nichts aufgefallen“, wandte Philip ein.

„Nun, zum einen nehme ich Schmerzmittel. Zum anderen ist es meine Art, mit dem Problem umzugehen. Ich will meinen Körper zwingen. Er muss akzeptieren, dass ich bestimme, wo es lang geht. Ich weiß, das ist nicht der beste Weg, aber wenn ich es nicht täte, würde es mich verrückt machen. Glaub‘ mir, es ist nicht einfach, John Wayne zu sein.“ – „John Wayne sagte: ‚Mut ist, wenn man Todesangst hat, sich aber trotzdem in den Sattel schwingt'“, zitierte Philip. „Ich glaube, das hat er in einem Film gesagt, nicht im wirklichen Leben“, entgegnete Jörg. „Wie geht es jetzt weiter?“, fragte Philip. „Ich werde mich ändern müssen, dafür bin ich in Therapie.“ – „Das ist es ja genau, was ich sage, ihr Cowboys habt das im Griff, während wir Supermänner irgendwann unser Cape an den Garderobehaken hängen und die Unterhose unter den Jeans tragen.“

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