(180) Das Motorboot hatte gerade das Ende der Mole erreicht…

von Alain Fux

Das Motorboot hatte gerade das Ende der Mole erreicht und steuerte auf das offene Meer zu. Hiltraud Herold lehnte sich zurück, schloss die Augen und genoss die frische Brise. Günthers Mobiltelefon klingelte. Noch bevor sie ihr Missfallen kundtun konnte, hatte Günther den Gashebel zurückgenommen und das Telefon aufgeklappt.

Zuerst hörte er zu, sagte dann: „Am helllichten Tag! Sind Sie sicher?“ und „Das ist gut so. Hören Sie, ich möchte, dass Sie selbst auch dahin gehen und nachschauen. Die Polizei ist dafür nicht ausreichend. Schauen Sie sich um, Sie haben meine volle Unterstützung. Ich wünsche, dass Sie mich über alle Entwicklungen sofort auf dem Laufenden halten. Ja, ich bin erreichbar.“ Günther legte das Telefon hin und kurbelte am Steuerrad, um das Boot zu wenden.

„Es tut mir leid, Hilli, aber wir können noch nicht aus dem Hafen ‘raus. Ich muss erreichbar bleiben. Es ist jemand bei uns Zuhause eingebrochen.“ Hiltraud befragte ihn nach weiteren Einzelheiten. Er konnte ihr aber nur sagen, was sein Werkschutzleiter ihm gerade mitgeteilt hatte. Es war ein Alarmsignal eingegangen und der Werksschutz hatte bereits die Polizei verständigt, so wie es vorgesehen war. Eine Streife war unterwegs. „Das ist dieses Viertel. Wir hätten nicht dahin ziehen sollen, es ist noch nicht soweit.“ – „Unsinn“, antwortete er, „das Viertel ist in Ordnung, das ist doch nicht die Dritte Welt. Außerdem ist das Haus gesichert, und unsere Wohnung erst recht.“ – „Und warum wurde eingebrochen?“ – „Es könnte etwas mit Leuten zu tun haben, die ein Problem mit Geflügelzucht haben. Wer würde sonst am helllichten Tag bei uns einbrechen? Das ist kein normaler Einbrecher. Und deshalb habe ich auch den Werksschutz dorthin geschickt. Vielleicht ist es ja auch nur ein falscher Alarm. Wir werden es bald wissen, Schilling ruft mich sofort an, wenn er etwas weiß. Bis dahin bleiben wir erst einmal im Hafen.“

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