(146) Ich musste damals sogar meinen Hockeyschläger abgeben.

von Alain Fux

„Ich musste damals sogar meinen Hockeyschläger abgeben“, lachte Theo. Seine Mutter blickte ihn vorwurfsvoll an. Versöhnlicher fuhr er fort: „Aber es ist ja jetzt wieder in Ordnung. Er kam ja nicht her, um euch zu meucheln, sondern… vielleicht… weil er Heimweh hatte.“ – „Ich hoffe, sie erwischen ihn und er muss hinter Gitter. Was er seinen Eltern angetan hat…“ Else zitterte immer noch. Der Anblick von Erwin hatte die Bilder der schrecklichen Bluttat wieder vor ihrem inneren Auge erstehen lassen. Die Polizei war zwar kurz nach Erwins Verschwinden gekommen, hatte ihn aber nicht mehr erwischt. Sie hatten in einer großen Fahndung den Wald abgeriegelt und auch jetzt streiften noch zwei Hundertschaften mit Spurenhunden durch den Wald.

„Ich will, dass unser Haus bewacht wird“, hatte Else ihrem Mann gesagt. Karlheinz hatte es an die Polizei weitergegeben. Der ermittelnde Kommissar hatte ihm gesagt, dass man auf jeden Fall eine verdeckte Streife in der Nähe postieren wollte, für den Fall, dass Erwin noch einmal zurückkäme. Das Nachbarhaus würde man ebenso im Auge behalten.

Karlheinz überbrachte Else die Nachricht. Sie war nicht zufrieden und so musste Karlheinz noch einmal nachfragen, wo die verdeckte Streife denn stehen würde. Ein drittes Mal verweigerte Karlheinz seine Dienste und Else redete deswegen für zwei Stunden nicht mit ihm.

Als Theo nach der Arbeit bei ihnen vorbeischaute, musste er zwischen seinen Eltern schlichten, darin hatte er mittlerweile Erfahrung. Er hatte den Mord damals nicht direkt mitbekommen. Obwohl niemand aus seiner Familie auch nur im Geringsten daran beteiligt war, lag die Tat aber wie ein Schatten auf seiner ganzen Jugend. Als er geheiratet hatte und mit seiner Frau in einem anderen Viertel wohnte, wurde ihm erst klar, dass die Familie nach dem Mord hätte wegziehen müssen. Als er seinen Eltern diesen Vorschlag machte, lachten sie ihn aus. Das alles läge doch schon Jahre zurück, wie er denn auf diese Idee käme. Jetzt wollte er den Gedanken nicht noch einmal ansprechen. Er hoffte, dass die Aufregung sich wieder legen würde. Am besten, man würde Erwin erwischen, dann würde wieder Ruhe einkehren.

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