(122) Josef Buchbinder überquerte die langgezogene Brücke über den Borgarfjörður…

von Alain Fux

Josef Buchbinder überquerte die langgezogene Brücke über den Borgarfjörður und hinter Borgarnes verließ er die Ringstraße in Richtung Snæfellsjökull. Der Vulkan ragte hoch aus der Ebene heraus. Die Straße verlief zuerst seitwärts nach Norden und bog dann Westen ab, um frontal zum Vulkan zu führen. Josef schaute immer wieder von der Straße auf den Vulkan. Die Sonne stand etwas tiefer, aber noch oberhalb des Bergs. Er hatte die Sonnenblende heruntergeklappt und beugte sich leicht nach vorn über das Steuerrad, um neue Eindrücke zu sammeln.

Die Landschaft war so karg, wie er sie sich vorgestellt hatte. Etwa 20 Kilometer vor seinem Ziel musste er noch einmal in eine schmalere Straße abbiegen, die sich links um einen Hügel wandt. Der Snæfellsjökull verschwand aus seinem Blickfeld und als er wieder erschien, gleichzeitig mit der Sonne, war Josef eine Sekunde nur geblendet. Er verpasste die Rechtskurve der Straße und fuhr mit seinem Wagen in den Graben.

Benommen öffnete er die leicht verbogene und daher knarrende Fahrertür und stieg aus. Unter der aufgefalteten Motorhaube drang Wasserdunst heraus und wehte Richtung Vulkan.

Ein Telefon klingelte. Es war sein Mobiltelefon, das er in der Jackentasche trug. „Hallo?“ – „Hallo. Herr Dr. Buchbinder? Wo sind Sie?“ – „Hallo, Frau Dombrowski. Ich bin am…“ Josef merkte, dass er den Namen des Vulkans noch nie ausgesprochen hatte und es auch nicht konnte. „Ich bin unter dem Vulkan. Auf Island.“ – „Aha, ja, machen Sie Urlaub? Ihre Geschwister waren hier und haben Sie vermisst. Wann kommen Sie denn wieder zurück?“ Josef sah zu dem Snæfellsjökull hinüber, der sehr weit entfernt schien und sich mit Wolken verhüllte. Die Sonne war dahinter verschwunden. Ihm war kalt. „Hallo, sind Sie noch da? Wann kommen Sie wieder zurück?“ – „Bald“, sagte er. „Sagen Sie meinen Geschwistern… Sagen Sie ihnen, dass alles in Ordnung ist. Sie sollen sich keine Sorgen machen.“ Er schaute auf den ramponierten Wagen. „Frau Dombrowski, könnten Sie versuchen, ob Sie einen Abschleppwagen in Island bestellen können? Ich habe eine kleine Panne gehabt.“

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