(95) ‚Pinhead‘ kommt als zweitletzter Song auf die Setlist.

von Alain Fux

„‚Pinhead‘ kommt als zweitletzter Song auf die Setlist“, Ted biss in den Bleistiftstummel. „Und ‚Swinging by‘ kommt an den Schluss. Der Typ von der Produktionsfirma wollte in der zweiten Hälfte hier auftauchen.“ – „Warum kommt er, das Stück hat er doch schon auf Tape gehört…“ – „Er will halt ein besseres Gefühl für uns bekommen, schätze ich“, antwortete Ted und klopfte seinem Schlagzeuger auf den Stahlhelm. Darauf war mit weißer Farbe ‚Born to Kill‘ aufgepinselt.

Es war verrückt. Nach der Rückkehr aus dem Urlaub hatten sie das neue Stück schnell in ihrem Kellerstudio einstudiert und aufgenommen. Ted schickte immer noch Demotapes an diverse Leute, er hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Drei Monate später bekam er einen Anruf von Ben Endzweig, einem Stoffentwickler von einer Fernsehproduktionsfirma. Er habe ‚Swinging by‘ von einem befreundeten Musikjournalisten erhalten. Momentan sei er auf der Suche nach Musik für eine neue Serie und ‚Swinging by‘ könnte passen. Ob er die Band mal live hören könne.

Nach dem Telefonat hatte Ted einen Jubelschrei ausgestoßen und Peggy fest an sich gedrückt und geküsst. Sie riet zu Zurückhaltung und Vorsicht. Ted hörte nicht zu und rief die Jungs an. Mit einem alten Kumpel, der mehrere Nightspots betrieb, machte er aus, dass sie in zwei Wochen einen Gig in einem seiner Clubs haben würden. Und so kam der Abend, an dem Ted den Besuch des Produzenten erwartete. Endzweig tauchte auch wirklich auf, etwa nach zwei Dritteln der Setlist. Peggy nahm ihn in Empfang und machte Ted zur Bühne hin das verabredete Zeichen. Das Cover von Pinhead heizte das treue Fanpublikum noch weiter an und dann kam ‚Swinging by‘. Ted und die Jungs gaben alles. Die Fans ebenfalls. Viele wussten, dass es an dem Abend um etwas Besonderes ging und waren aufgeregt, dass BTK endlich Erfolg haben könnte.

Nach zwei Zugaben (‚Blitzkrieg Bop‘ und noch einmal ‚Swinging by‘) begrüßte Ted Ben Endzweig selbst.

Ben war begeistert von dem Song und versprach Ted für den nächsten Tag einen Vertragsentwurf. Sie stießen mit Bierflaschen auf das Geschäft an. Den Vertrag erhielten sie wirklich am nächsten Tag, sogar per Kurier. Die Summe, die Ben für den Song bot, war mehr Geld, als die Band in den letzten zehn Jahren bei ihren Gigs eingenommen hatte. Peggy verhandelte mit Endzweig und konnte den Betrag sogar noch erhöhen. An dem Tag, als das Geld auf dem Konto war, gingen Ted und Peggy mit den Jungs groß aus. „Jetzt haben wir es geschafft: ‚Born to Kill‘ wird endlich bekannt.“

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