(57) „Letztes Jahr hatte ich eine Produktion…

von Alain Fux

„Letztes Jahr hatte ich eine Produktion an der Côte d’Azur“, erzählte Meinholt. „Ich spielte einen Sonnyboy, einen Mann, dem das Glück immer hold ist. So eine Art Gustav Gans. In einer Szene war es vorgesehen, dass ich mit einem Sportwagen an einer Küstenstraße entlang fahre. Da sehe ich an der Strandpromenade die Frau meiner Träume. Sie stellt alles dar, was mir noch zum absoluten Glück fehlt. Ich bin dermaßen gepackt von diesem Anblick, dass ich nicht auf die Straße achte und mit dem Wagen gegen die Brüstung an der Strandpromenade donnere.“ Monika war wie gebannt. „Das klingt gefährlich“, meinte sie. „Alles nur Film“, antwortete Meinholt lachend. „Ich wollte selbst fahren, aber die Versicherung war dagegen. Deshalb mussten wir einen Stuntman engagieren. Auf jeden Fall: Es ist Abend, die Sonne steht perfekt, alles ist in goldenes Licht getaucht. Die Einstellungen von mir im Wagen, ein 911er Porsche, hatten wir bereits am Vortag gedreht. Die Kollegin war in Position auf der Strandpromenade. Tolles Kleid, unheimlich sexy. Zu sexy, wie sich leider herausstellte. Die Security hatte die Straße noch nicht abgesperrt, die Franzosen sind ja bei so etwas unglaublich nachlässig. Auf jeden Fall kommt ein Typ mit seinem Peugeot 107 die Straße entlang gebrettert, sieht die Schauspielerin und ist komplett verwirrt. Genau wie im Drehbuch, er brettert gegen die Brüstung. Alle laufen hin, glauben, der Typ ist tot. Aber nein, wie im Film, er steigt aus dem Auto, zwar benommen, aber sonst ganz ok.“

„Unglaublich, lief die Kamera?“ – „Leider nicht, der Typ hätte sich eine tolle Gage verdienen können. Es war spektakulärer als der Stunt am nächsten Tag. Aber natürlich brauchten wir den Crash auch mit dem Porsche. Der Peugeot hätte nicht gereicht. Der Typ hatte auf jeden Fall fast so viel Glück wie ich in dem Film.“

Meinholt schaute auf die Uhr. „Ich muss jetzt meinen Agenten anrufen. Sehen wir uns später noch?“

Advertisements