(29) „Ein Kollege“, erzählte jetzt Fisher…

von Alain Fux

„Ein Kollege“, erzählte jetzt Fisher, „hat mir diese Woche von einem Fall berichtet. Dabei ging es um einen Unternehmer, der bei ihm in Behandlung war. Der Manager war sehr erfolgreich und glaubte, sich über gesellschaftliche Normen hinweg setzen zu können. Er bildete sich ein, dass er bei wichtigen Verhandlungen stets eine hübsche Frau neben sich setzen musste. Dies löse bei ihm ein Imponiergehabe aus und das mache ihn in den Verhandlungen härter, aber auch wendiger. Da es niemand in der Firma gab, der ihm das auszureden wagte und das Konzept auch zu funktionieren schien, gehörte es bald zu seinem festen Repertoire.

Mit der Zeit ging er aber weiter und führte wichtige Telefongespräche nur noch, wenn seine Sekretärin ihm auf dem Schoß saß. Auch das schien zu funktionieren, das Unternehmen florierte. Zum Eklat kam es allerdings, als er ausprobieren wollte, ob eine nackte Sekretärin noch besser wirken würde.“ – „Dazu hätte es einer Doppelblind-Studie gebraucht“, scherzte Rosenblatt. „Genau, gute Idee. Sollten wir vorschlagen, aber das war nicht mehr relevant. Bei seinem, nennen wir es Feldversuch, trat seine Frau in das Arbeitszimmer und erwischte beide in flagranti beim Telefonieren.“ – „Autsch.“ – „Noch schlimmer: Der Frau gehörte das Unternehmen, er war nur Angestellter. Sie warf ihn raus. Seitdem kommt er auch nicht mehr zur Behandlung, denn die kann er sich nicht mehr leisten.“

„Hartes Schicksal“, meinte Rosenblatt und nippte an seinem Bier, „das war bestimmt ein einträglicher Patient. Ich hoffe, der Kollege hatte im richtigen Moment liquidiert.“

Die Sonne berührte jetzt fast den Horizont.

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