(179) Seit Xaver der Dackel in sein Leben gekommen war, veränderte sich Herr Kullmann.

von Alain Fux

Seit Xaver der Dackel in sein Leben gekommen war, veränderte sich Herr Kullmann. Er ging mit Xaver spazieren und hatte dadurch auch wieder Kontakt mit anderen Menschen. Um seinem Hund eine entsprechende Führung bieten zu können, meldete er sich in der Hundeschule von Erich Voigt an. Frau Lachmann holte sich auch einen Hund aus dem Tierheim, einen Spitz-Mischling und begleitete Herrn Kullmann in die Hundeschule.

Herr Voigt war eigentlich Bäcker, aber eine späte Mehlallergie hatte den 50-Jährigen um seine Anstellung in der Großbäckerei gebracht. Seit seiner Kindheit mochte Herr Voigt Hunde über alles und seine Freunde sagten ihm, dass er ein Hundeflüsterer sei. „Der Hund ist nie das Problem“, pflegte Herr Voigt zu sagen. „Das Problem ist immer der Halter.“ Als er so viel Zeit hatte, kam ihm der Gedanke, sein Wissen weiter zu geben. Eine Hundeschule zu eröffnen war sehr einfach, er brauchte dafür keine Prüfungen oder Erlaubnisse. Nur einen Gewerbeschein. Von einem Bauer pachtete er eine Wiese, die er umzäunte und dann konnte er seine Hundeschule inserieren. Die Geschäfte liefen jetzt, ein Jahr nach Eröffnung, ganz passabel. Viele Kunden kamen nach Mundpropaganda zu ihm, so auch Herr Kullmann und Frau Lachmann. Mit ihrem Dackel und dem Spitz unterrichtete er sie gemeinsam.

Eines Tages, nach einer Unterrichtsstunde, stand ein Mann am Zaun und winkte Herrn Voigt mit großen Bewegungen zu sich. Neben dem Mann stand ein weißer Bullterrier, der Herrn Voigt aus seinen kleinen Augen anblickte. Der Mann stellte sich vor als Burk Huller. „Das ist Erko“, sagte Huller, der mit unruhigen Augen ständig herumschaute, als ob er Angst vor irgendetwas hatte. Voigt nickte. „Ich bin unzufrieden mit Erko“, fuhr Huller fort. Voigt nickte wieder und sagte: „Das ist keine einfache Rasse. Sehr eigensinnig. Manche Züchter machen da viel Bockmist. Aber da kann man bestimmt etwas dagegen tun. Kein Hund ist schlecht an sich.“ Jetzt nickte Huller nervös. „Erko hat nicht die richtige Schärfe. Ich wollte einen Hund, der mich schützt und jetzt habe ich einen, der Fremde schwanzwedelnd begrüßt.“ – „Warten Sie, Herr Huller. Habe ich das richtig verstanden? Sie wollen, dass Erko aggressiver wird?“ – „Ja klar. Warum will ich sonst einen Bullterrier? Ich will, dass der Hund für mich, wenn es sein muss, auch King Kong zur Strecke bringt!“

Herr Voigt war von Huller angeekelt. „Dafür stehe ich nicht zur Verfügung. Da müssen Sie sich einen anderen Trainer suchen. Hunde sind keine Waffen und ich bin dagegen, sie aggressiv zu trainieren.“ Huller war enttäuscht. Er fragte Voigt nach einem Tipp, wer Erko die nötige Schärfe beibringen könnte, aber der Hundetrainer verweigerte jede Hilfe. Huller musste wieder gehen, aber ein Satz hatte sich bei ihm eingeprägt, „Hunde sind keine Waffen.“ Vielleicht war es auch kein Hund, den Huller brauchte, sondern eine Waffe. Das war wahrscheinlich die Lösung, damit er wieder ruhig schlafen konnte, ohne Angst zu haben, dass die Außerirdischen wiederkehrten.

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