(175) Peters hatte nicht damit gerechnet, Rocholz bei der Landwirtschaftsmesse zu treffen.

von Alain Fux

Peters hatte nicht damit gerechnet, Rocholz bei der Landwirtschaftsmesse zu treffen. Für die Region war es ein wichtiger Event, und deshalb war auch der Bürgermeister da, aber es war nicht zu erwarten, dass der Leiter der Lokalredaktion selbst davon berichten würde.

Kurt stand gerade am Rednerpult, um die Bedeutung der Landwirtschaft für die Stadt und das Umland herauszustreichen. Peters hielt sich alleine hinter der Bühne auf. Er wollte hören, wie das Publikum reagierte, wenn der Bürgermeister vorschlug, dass jede Schulklasse künftig ein Schwein adoptieren und für ein Jahr im Klassenzimmer großziehen würde. Damit sollte die Verbundenheit der Stadtbevölkerung mit der Landbevölkerung ausgedrückt werden. Eigentlich war Kurts Idee zuerst gewesen, alle Schüler für eine Woche im Jahr zum Ernteeinsatz zu verpflichten, aber Peters hatte ihm diese Idee als wiederwahlschädlich austreiben können. Jetzt wollte er hören, wie seine Alternative ankam.

Plötzlich spürte Peters einen Schlag im Rücken. Bevor er sich umdrehen konnte, noch einen in die Nieren. „Du Verräterschwein“, zischte Rocholz, als Peters ihn ansah. Peters konnte sich gerade noch ducken, als sein Ex-Chef ihm die Faust ins Gesicht schlagen wollte. Peters probierte einen Aufwärtshaken, aber Rocholz blockte den Schlag und rammte Peters das Knie vor die Brust. Peters ging zu Boden. Rocholz wollte ihm gerade in die Rippen treten, als ihm die Arme nach hinten gezogen wurde. Er konnte nicht erkennen, wer ihn hielt und musste mit ansehen, wie Peters sich wieder aufraffte und ihm dann mit dem Fuß volley zwischen die Beine trat.

Rocholz schrie so laut, dass er zuerst sogar die Lautsprecher übertönte, die Kurts Rede wiedergaben. Dann hielt Harms Rocholz den Mund zu. Es war der letzte Arbeitstag des Fahrers und er war wütend, weil Rocholz ihm keine Zusatzprämie gezahlt hatte, nachdem er aufgeflogen war. Peters kickte Rocholz, der in Harms‘ Würgegriff strampelte, noch ein zweites Mal in die Eier. Als Rocholz zu strampeln aufhörte, ließ Harms ihn wieder frei. Allerdings fiel Rocholz zu Boden wie ein nasser Sack. Peters fühlte seinen Puls: Rocholz war tot.

Während Kurts Rede ins letzte Drittel überging und sein Vorschlag mit der Schweineadoption auf große Zustimmung der anwesenden Landbevölkerung stieß, konferierten Harms und Peters, was zu tun sei. Als Unfall würde man den Tod des Journalisten nicht darstellen können. „Das sieht dann nach Totschlag aus“, fand Peters. Harms sagte vage, dass er sich keine Probleme leisten konnte, da er bereits vorbestraft sei. Der Tod musste also vertuscht werden und sie mussten zusammen arbeiten.

Gemeinsam rollten sie Rocholz‘ Leiche in ein Stück Kunstrasen, das von der Bühnendekoration übrig geblieben war. Sie trugen die Rolle zum Wagen des Bürgermeisters, der direkt am Bühneneingang abgestellt war.

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