(174) Es war paradox, dass es gerade Rocholz war, der Peters auf die Affäre aufmerksam machte.

von Alain Fux

Es war paradox, dass es gerade Rocholz war, der Peters auf die Affäre aufmerksam machte. In den vier Monaten seit Peters die Wiederwahl von Johann F. Kurt managte, war er dem Bürgermeister sehr nahe gekommen. Aber Peters hatte nie in den Privatangelegenheiten seines Chefs geschnüffelt, obwohl das genau das Ziel von Rocholz gewesen war.

„Warum hast du nicht gemerkt, dass er etwas am Laufen hat?“, fragte Rocholz angefressen. Den Tipp hatte er von einem anderen Informanten bekommen, den er auch vor Peters geheim hielt. „Ich werde mich darum kümmern“, sagte Peters.

In der Tat wäre es nicht schwierig gewesen, herauszufinden, dass Kurt zweimal in der Woche, Montag und Donnerstag, nach seinem Essen bei Marcello, zu einer Frau ging. Peters folgte ihm heimlich zu dem alleinstehenden Haus im Grünen, draußen vor der Stadt. Kurt hatte einen Schlüssel und ließ sich selbst ins Haus. Peters wartete im Auto und recherchierte über seine Kontakte, dass das Haus von einer Norma Becker gemietet wurde. Eigentümer war Kurt selbst. Es war unwahrscheinlich, dass Kurt zu dieser Uhrzeit rückständige Mieten eintreiben wollte. Peters stieg aus und schlug einen Bogen durch den Wald, um die Rückseite des Hauses zu beobachten. Durch die offenen Terrassentüren sah er, wie Kurt auf einem Sofa saß und hinter ihm stand eine Frau, die ihm den Nacken massierte. Sie war nackt und blond. Durch den Sucher seiner Spiegelreflexkamera sah Peters, dass Kurt die Augen geschlossen hatte und die Massage sichtbar genoss. Das war verständlich, denn der Tag war hart gewesen. Ein Foto dieser Szene in der Tecklenburger Souveränen Presse und die Wiederwahl wäre gelaufen. Peters machte aber kein Foto, sondern ging zurück zum Wagen. Auf der Heimfahrt überlegte er, wer Rocholz‘ Informant sein könnte. Es musste jemand aus dem unmittelbaren Umfeld von Kurt sein, denn er hatte gewusst, dass Kurt einen Wahlkampfmanager suchte. Peters fiel nur Reinhold Harms, Kurts Fahrer ein. Er kannte Kurts Aktivitäten ganz genau und bekam viele Telefongespräche seines Chefs unmittelbar mit.

Gleich am nächsten Tag überprüfte Peters Harms‘ Spind in der Fahrerbereitschaft des Rathauses. Unter einer getragenen Unterhose fand er dort Kopien von Observationslisten und eine Mappe mit Kontoauszügen. Der Trick mit den Unterhosen kannte er von Rocholz, der ihm einmal gesagt hatte, dass es kein besseres Versteck gebe, als unter einer ekligen Unterhose. Der letzte Beweis waren die Bankunterlagen. Harms musste ein Konto eröffnet haben für die Belohnungen für seinen Verrat. Regelmäßige monatliche Zahlungen von der Zeitung gingen vier Jahre zurück. Rocholz war verbissen, wenn er ein Ziel verfolgte.

Peters zeigte Kurt die Unterlagen. Er gab vor, dass er Harms im Verdacht hatte, weil der Fahrer zu viel Initiative gezeigt habe. Kurt war erschüttert. Er stellte Harms zur Rede. Der gestand und ließ sich anstandslos in den Vorruhestand befördern. Kurt bedankte sich bei Peters. Der sagte nur: „Dafür nicht.“

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