(172) Peters wusste nicht recht, was er über das vermeintliche Sex-Museum schreiben sollte.

von Alain Fux

Peters wusste nicht recht, was er über das vermeintliche Sex-Museum schreiben sollte. Schröder war wahrscheinlich ein Freak. Auf jeden Fall jemand mit einem übergroßen Interesse an Betten. Nach seiner Rückkehr zur Tecklenburger Souveränen Presse, ging er zu seinem Chef, Rudi Rocholz, der Leiter der Lokalredaktion. Er erzählte ihm von seinem Besuch im „Sex“-Museum. Rocholz hörte aufmerksam zu. „Und er hatte wirklich ein römisches Bettgestell aus Bronze?“, fragte Rocholz nach. „Das ist bemerkenswert. Das werde ich mir bestimmt ansehen. Danke für den Hinweis.“

Peters kratzte sich am Kopf. „Was mache ich mit dem Artikel?“ – „Nichts, das wird kein Artikel. Dieser Schweinekram ist nichts für uns. Tut mir leid, dass du dich dahin bemüht hast, Konrad. Aber, ich werde mich revanchieren und ich habe auch schon eine Idee.“

Rocholz erinnerte Peters daran, dass in einem halben Jahr Bürgermeisterwahlen stattfinden würden. Er wolle das Thema dieses Mal anders angehen. Der amtierende Bürgermeister, Johann Kurt, würde sich der Wiederwahl stellen und Rocholz sah es als Bürgerpflicht, ein weiteres Mandat von Kurt zu verhindern. „Kurt hat der Stadt nicht gutgetan. Alles was er macht, ist im Interesse seiner Freunde zu handeln. Für ihn ist die Stadt ein Selbstbedienungsladen.“ Peters war etwas differenzierter in seiner Einschätzung, aber grundsätzlich der gleichen Meinung wie Rocholz.

Dann machte der Ressortleiter Peters einen Vorschlag. „Ich will, dass du kündigst und dich dann von Kurt als Wahlkampfmanager anheuern lässt.“ – „Das meinst du nicht ernst, Rudi, oder?“ Aber Rudi meinte es sehr ernst. Er wollte, dass Peters nach außen angab, dass sie sich wegen einem Artikel und wegen der Bezahlung gestritten hatten und Peters aus Wut, den Job hingeschmissen habe. „Meinetwegen wegen dem Sexmuseums-Artikel, das klingt glaubwürdig“, fügte Rocholz hinzu. Dann würde Peters Kurt ansprechen und anbieten, die Organisation des Wahlkampfs für Kurt zu übernehmen. „Und was ist, wenn er mich nicht nimmt?“ – „Er wird dich nehmen! Ich weiß, dass er sich gerade das Gehirn zermartert, wer verfügbar ist.“ – „Wenn du so einen guten Zugriff auf ihn hast, warum brauchst du mich dann, Rudi?“ – „Menschenskind Konrad, weil du schreiben kannst. Du bist keine Petze! Du kannst das in Form gießen, es zum Leben erwecken. Du bist eine Edelfeder! Das ist so was wie die Unbestechlichen und du bist Carl Bernstein und Bob Woodward in einer Person.“ – „Die sind aber nicht Undercover gegangen…“ – „Weil sie es nicht konnten! Wir schon. Wir sind besser!“

Am Ende setzte Rudi Rocholz seinen Willen durch. Die Sache war bereits mit dem Chefredakteur und dem Herausgeber besprochen. Peters hatte keine andere Wahl. Wenn er nicht kündigte, würde Rudi ihn rausgeschmissen. Jetzt musste sich Peters auf Rudi verlassen, dass er ihn später wieder einstellen würde. Das hieße aber auch, dass Peters Stories liefern musste, sonst konnte er den Job für immer an den Nagel hängen. Eine schriftliche Rückfahrkarte hatte er nicht. Es wurde zu sehr in der Redaktion getratscht. Die Existenz eines solchen Dokuments wäre von zu vielen Leuten weiter kolportiert worden.

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