(171) Sie können mir glauben, dass ich viel Herzblut in dieses Sex-Museum gesteckt habe!

von Alain Fux

„Sie können mir glauben, dass ich viel Herzblut in dieses Sex-Museum gesteckt habe!“ Kilian Schröder erwartete Konrad Peters vor dem Museum, das in zwei Tagen eröffnen sollte. Die Tecklenburger Souveräne Presse, die Zeitung, für die Peters schrieb, sollte vorab etwas über das neue kulturelle Highlight in der Region bringen. Schröder war vor einem Jahr in die Stadt gezogen und hatte sich seitdem nur um dieses Projekt gekümmert. Er hatte alles aus eigener Tasche finanziert, wobei man nicht genau wusste, womit Schröder sein Geld verdiente. Aufgrund des Themas des Museums vermutete man, dass er aus der Rotlichtbranche stammen musste. Schröder hielt sich dazu bedeckt und verkehrte wenig mit anderen Einwohnern der Stadt.

Das Museum war eine ehemalige Fabrikantenvilla in einem weitläufigen Park. Schröder wohnte selbst auch in diesem Haus. Das Logo des Museums war ein kleines rosafarbenes Quadrat mit dem Buchstaben X in der Mitte. Es war in dezenter Ausführung an dem Balkon angebracht, der die Auffahrt des Hauses überdachte.

Peters glaubte nicht, dass seine Zeitung einen Artikel über das Museum veröffentlich würde. Sex mochte zwar verkaufen helfen, allerdings nicht im redaktionellen Teil einer Regionalzeitung. Und da Peters nur für veröffentlichte Zeilen bezahlt wurde, war er wahrscheinlich gerade dabei, Geld zu verlieren.

Sie gingen hinein. „Wir haben in einer ersten Phase nur sieben Räume des Museums fertiggestellt. Wir wollen die Neugier des Publikums wecken und nach und nach weitere Zimmer fertigstellen. Dadurch haben die Besucher immer wieder einen neuen Grund zu kommen. Hier entlang, Herr Peters.“

Kilian Schröder ging voraus. In dem Raum stand eine Liege aus Holz, die mit Riemen bespannt war und auf der ein paar Felle lagen. Schröder wartete auf Peters‘ Reaktion. Als er keine sah, erklärte er: „So trieben es die alten Griechen“. Dabei zog er eine Augenbraue hoch. Peters war ratlos, nickte nur. Sie gingen in den zweiten Raum. Darin war ein Gestell aus Metall, auf dem eine etwas unförmige Matratze lag. „Und so die alten Römer!“ Schröder zeigte mit dem Finger auf das Gestell und fügte hinzu: „Bronze!“ Um dritten Raum stand ein Himmelbett, das Schröder mit den Worten kommentierte, so trieben es die Ritter. Danach ein Paradebett in vergoldetem Holz vor golddurchwirkten Wandbespannungen.

„Aber, Herr Schröder“, warf jetzt Peters entnervt ein, „das hat doch alles wenig mit Sex zu tun.“ Schröder schaute ihn entgeistert an. „Finden Sie nicht? Was haben Sie sich denn vorgestellt?“ – „Ehrlich gesagt, hatte ich mir die Frage nicht gestellt. Aber ich hätte Bilder mit Geschlechtsteilen erwartet, Skulpturen von Menschen, die es miteinander treiben. Sexspielzeug, Reizwäsche… Ich habe keine Ahnung, was in einem Sexmuseum so ausgestellt wird.“ Schröder wurde ganz bleich und setzte sich auf das Paradebett.

„So ein Schmuddelkram“, sagte er, „kommt nicht in mein Museum! Es sollen ja schließlich Familien hier reinkommen können. Wo denken Sie hin?“

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