(154) Die zwei Tage psychische Betreuung waren ein Hohn gewesen.

von Alain Fux

Die zwei Tage psychische Betreuung waren ein Hohn gewesen. Carola Rhode war von der Tat kaum schockierter als von der vorgeschlagenen Therapie. Die Tat selbst war wirr. Sie hatte in netter Runde einen süßen Witz erzählt von einem Tausendfüßler, der nie zum Skifahren kam, weil die Saison zu Ende ging, bevor er alle Schuhe gebunden hatte. Danach wollte sie ihren Lippenstift auffrischen. Jemand folgte ihr und ohrfeigte sie direkt vor der Damentoilette. Der Psychologe wollte diese Geschichte unendliche Male hören und wollte die Szene dann sogar noch einmal durchspielen. Der Ausdruck „realistisch durchspielen“ klang für Carola wie eine Drohung. Sie reiste ab.

Als sie zu Hause ankam, beschloss sie, den Rest des Urlaubs für eine zweite Reise zu nutzen, allerdings diesmal in die Südsee. Einen Tag später lag sie in der Sonne an einem schneeweißen Strand und hatte die Episode mit der Ohrfeige schon nach kurzer Zeit fast vergessen. Sonnenbaden war die beste Therapie, dachte sie.

Morgens, wenn am Strand wenig los war, ging sie bis ans Ende der langen Hafenmole und schwamm parallel an der Küste entlang. Im Hotel hatte man ihr gesagt, dass sie keine Angst haben sollte, falls sie eine Rückenflosse im Wasser sähe, das sei Sami, der Delfin. Eigentlich zahm, obwohl er völlig in Freiheit lebte. Er komme gerne an diese Stelle und freundete sich immer wieder mit Urlaubern an.

Und tatsächlich, kaum war sie im Wasser, sah sie die Rückenflosse und dann hob sich die lange Schnauze des Säugers aus dem Wasser. Am ersten Tag schwamm er nur ein paar Runden um sie herum. Sie lockte ihn, aber er ließ sich nicht berühren. Am zweiten Tag konnte sie ihn leicht auf der Stirn berühren und er stupste sie an der Schulter an. Freudig erzählte sie davon an der Rezeption. Man warnte sie, dass Sami unter Umständen aufdringlich werden könne und sie ihn dann einfach mit einem Klaps auf die Nase verscheuchen sollte. Carola winkte ab, sie würde den süßen Delfin ganz bestimmt nicht schlagen.

Am nächsten Tag kam Sami wieder. Er schien jetzt jede Scheu verloren zu haben und tauchte ganz dicht an ihr vorbei. Er legte sich dabei etwas zur Seite und streifte sie an Beinen und Rücken. Er wollte mit ihr spielen. Sie wollte nach ihm greifen, aber er tauchte dann immer schnell weg und kam wieder von hinten zu ihr zurück. Das Spiel ging ziemlich lange, bis Carola begriff, dass die rosafarbene Ausbuchtung am Bauch des Delfins sein Penis war und dass Sami diesen Penis ständig an ihr rieb. Zuerst war sie so schockiert, dass sie vergaß, Schwimmbewegungen zu machen. Ihr Kopf tauchte unter und sie musste strampeln, um wieder hoch zu kommen. Dann schob sie ihn weg, glaubte aber, dass sie sein fleischiges Glied berührte. Richtig angeekelt war sie, als Sami zum Ende kam und einen milchigen Schwall ins Wasser um Carola herum abdrückte. Dann schwamm Sami weg und Carola beeilte sich, dass sie aus dem Wasser kam. Sie fühlte sich von dem Delfin beschmutzt.

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