(149) Am Anfang lief alles nach Plan.

von Alain Fux

Am Anfang lief alles nach Plan. Die erste Runde der Tre Sorelle-Korkenweitschuss-Weltmeisterschaft hatte eine hervorragende Medienresonanz und brachte Einsendungen von 353 Kandidaten, die ihren besten Schuss dokumentierten. Der Favorit war Philip Rumker, ein 31-jähriger Informatiker, etwas verschroben, aber liebenswert. Auch die anderen neun Finalisten, die auf die Pfaueninsel eingeladen wurden, lagen ganz genau in der demografischen Zielgruppe von Tre Sorelle Prosecco. Dafür hatte Frau Dumont gesorgt. Herr Wansor zeigte sich zufrieden.

Es hatte ein paar Probleme gegeben, als sich herausstellte, dass die Pfaueninsel ein Vogelschutzgebiet war. Frau Dumont hatte ein Vieraugengespräch mit Bürgermeister Steffens und konnte ihn überzeugen, dass seinen Vögeln nichts passieren würde. Die Karte mit den Nestern der geschützten Kreaturen hatte sie an Tilo weitergegeben.

Dann kam der große Tag der Finalen Entscheidung. Das Regionalfernsehen war präsent, sogar mit ziemlichem technischen Aufwand, wie Frau Dumont zufrieden feststellte. Auf die Schnelle musste Tilo deshalb noch einen größeren Generator auftreiben, denn das Stromnetz auf der Insel war für diese Spitzenbelastung nicht geeignet.

Als die letzte Fähre mit Honoratioren angekommen war und Publikum und Journalisten auf ihren Plätzen saßen, begann die Show. Es hatte sich ausgezahlt, dachte Frau Dumont schon nach wenigen Minuten, einen professionellen Moderator aus dem Fernsehen engagiert zu haben, um den Wettbewerb zu leiten.

Alles lief gut, bis Philip Rumker antrat. Aufgrund seiner vorherigen Bestleistung kam er als letzter Bewerber an den Start. Wie auch schon auf dem Video, setzte er auch jetzt auf Trickserei. Er hatte einen kleinen Sprengsatz entwickelt, den er hinter den Proseccokorken platzierte. Für Zuseher war das nicht erkennbar und der Effekt war so kalkuliert, dass nur der Korken nach vorne geschleudert wurde und die Energie, die bei der Explosion freiwurde, Philip nicht schadete. Durch den aus der Flasche austretenden Schaum wurde auch der Rauch des Sprengsatzes kaschiert.

Philip trat an, zündete auf Kommando des Moderators den Sprengsatz mit einer in der Hand gehaltenen Batterie und der Korken flog mit Karacho aus der Flasche heraus. Allerdings entzündete der Sprengstoff die am Korken angebrachte Papierschlange. Das mit dem Papier war Tilos Idee gewesen, damit der Flug von den Zuschauern besser verfolgt werden konnte. Philips Korken flog in eine Stromleitung und die Papierschlange setzte das geteerte Kabel in Brand. Dann gab es einen Kurzschluss in einer Abzweigdose und auf der rückwärtigen Seite der Insel explodierte der Generator. Ein Feuer brach aus. Leider waren genau neben dem Generator die drei Nester der Lachseeschwalben und die Eier darin verbrannten. Es war nicht klar, ob die Eltern überlebten, auf jeden Fall waren sie seither verschwunden und kehrten auch nicht wieder.

Panik brach unter Publikum und Personal aus und es kam zu unschönen Szenen, als die Fähre gestürmt wurde. Die Fernsehnachrichten berichteten von einem explosiven Abend und gaben den Anschein, dass Prosecco die Explosionen verursacht hatte. Herr Wansor war mit dem Ergebnis der Kampagne extrem unzufrieden.

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