(148) Stefanie Dumont präsentierte Gernot Wansor die Ergebnisse der Marktstudie über seinen Prosecco.

von Alain Fux

Stefanie Dumont präsentierte Gernot Wansor die Ergebnisse der Marktstudie über seinen Prosecco. Ihr blonder Pferdeschwanz wippte über den Schultern ihres Chanel-Kostüms, als sie die Aufsteller vor Wansor aufrichtete. Die Firma Tre Sorelle Prosecco war von Wansors Vater gegründet worden und vermarktete Prosecco, den sie in Italien zusammenkaufte. „Unser Problem, Herr Wansor, ist, dass Kunden unter 40 Jahren Tre Sorelle nicht kennen, weder ungestützt noch gestützt. Da der Konsum in dieser Zielgruppe proportional stärker steigt, resultiert dies in einem fortschreitenden Marktanteilsverlust.“ Wansor presste die Lippen zusammen. Er führte die Firma nicht anders als sein Vater dies getan hatte. Eher hatte er sie verbessert, da er die Abläufe gestrafft hatte und den Bedarf an Umlaufvermögen drastisch reduziert hatte. „Was schlagen Sie vor, Frau Dumont?“ Stefanie Dumont war auf diese Frage vorbereitet gewesen, schließlich war sie Chefin von PR und Marketing bei Tre Sorelle. Sie stellte neue Aufsteller hin und erklärte, dass das Unternehmen auf die jungen Leute zugehen müsse. Am besten eigne sich dafür ein Preisausschreiben mit einer aktiv-dynamischen Komponente vor Ort. Wansor schien skeptisch, daher musste sie noch weiter ausholen. Mit ihrem Freund Tilo Lenz, der zufälligerweise Chef einer Eventagentur war, hatte sie ein vollständiges Konzept ausgearbeitet. Tilo war fünf Jahre jünger als Frau Dumont und verdiente sein Geld mit der Organisation von Endkundeninteraktionen für die Tabakindustrie. Frau Dumont wusste, dass Tilo ständig mit jungen Frauen in Kontakt war, die als Hostessen für ihn durch die Kneipen gingen. Je mehr sie ihn beschäftigen konnte, desto geringer war die Gefahr, dass sie ihn an irgendein vollbusiges Flittchen verlor.

Im Kern sollte Tre Sorelle ein Preisausschreiben ausloben, das junge Leute ansprach. Gewinnen sollte derjenige sein, der den Korken einer Tre Sorelle-Flasche am weitesten schießen konnte. Dadurch Bezug zur Marke und Fun-Element inclusive. Junge Leute mochten so etwas, bekräftigte Frau Dumont.

In einer ersten Runde sollten die Teilnehmer sich mit Fotos und Zeugenaussagen über die erzielte Länge bewerben. Dies würde durch eine Werbekampagne befeuert werden. Aus diesen Bewerbungen würden zehn Teilnehmer zur Endausscheidung eingeladen. Dadurch weiteres Spannungselement und das Umschalten in den dynamischeren Eventmodus, der für journalistisches Coverage sehr affin war.

Als Location für die Endausscheidung hatte Frau Dumont sich eine kleine Insel an der Küste ausgesucht. „Das hat den Vorteil, dass die Journalisten nicht gleich wieder abhauen. Wir bestimmen, wann die Fähre geht.“

„Außerdem!“, Frau Dumont hielt eine Satellitenaufnahme hoch, „Die Pfaueninsel hat in etwa die Umrisse einer Tre Sorelle-Flasche, finden Sie nicht auch? Das ist das perfekte Logo für die Kampagne“ Wansor legte den Kopf etwas nach links und konnte die Umrisse einer Flasche entdecken, wenn auch vage.

Der Firmenchef willigte ein, die Planung der Kampagne weiterzubetreiben. Bei der nächsten Besprechung hatte Frau Dumont Tilo Lenz mitgebracht, den sie als einen ausgewiesenen Experten vorstellte. Nachdem das entscheidungsreife Konzept vorgestellt war, musste Wansor bei der Folie mit dem Kostenvoranschlag schlucken. Doch nachdem Frau Dumont in Aussicht gestellt hatte, dass sie durch extrem hartes Verhandeln die Preise um bis zu 10% senken könnte, willigte Wansor unter dieser Maßgabe ein. Die Tre Sorelle-Korkenweitschuss-Weltmeisterschaft war geboren. Tilo musste sich vollständig auf dieses Projekt konzentrieren und war daher voll unter Frau Dumonts Kontrolle. Sie fand, dass sie einen hervorragenden Job gemacht hatte.

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