(144) Als die vier Studenten mit dem Picknick fertig waren, wollten sie wieder aufbrechen und zurückrudern…

von Alain Fux

Als die vier Studenten mit dem Picknick fertig waren, wollten sie wieder aufbrechen und zurückrudern, denn der Wind frischte auf. Als sie zur Landestelle zurückkamen, war ihr Boot weg. Es gab keine Schleifspuren, es war so, als ob das Boot einfach davongeflogen wäre. Leider hatten sie auch kein Telefon dabei und auf der anderen Küstenseite war niemand zu sehen. „Lass uns mal schauen, was es sonst auf der Insel gibt“, schlug Elli vor. Da es sonst nichts zu tun gab, stimmten die anderen ihr zu.

Nachdem sie durch die Barriere von Bäumen und Gesträuchern in Richtung Inselinnere durchgestoßen waren, fanden sie nach kurzer Zeit ein Haus aus roten Ziegelsteinen. Sie riefen, aber keiner antwortete. Georg probierte die Tür: Sie war nicht verschlossen und gut geölt. Sehr wohl fühlten sie sich nicht dabei, aber sie gingen hinein. Das Haus schien zwar voll möbliert, aber unbewohnt. Als sie noch einmal riefen, ob jemand im Haus sei, antwortete eine tiefe angenehme Männerstimme hinter ihnen „Aber ja doch.“ Sie zuckten zusammen. Hinter ihnen stand ein alter, aber drahtiger Mann mit silbergrauen Haaren und einen Spitzbart in gleicher Farbe. Trotz der warmen Temperaturen draußen trug er einen schwarzen Rollkragenpullover und eine Stoffhose. „Wer sind Sie?“, fragte Benedikt. Der Alte schaute ihn intensiv an, blickte dann zu den anderen. „Könntet Ihr bitte nach draußen gehen. Ich muss etwas mit Benedikt besprechen.“ – „Sie kennen meinen Namen?“, fragte Benedikt. Der Alte nickte und sagte: „Keine Angst, es ist alles in Ordnung. Ich will nur mit Benedikt alleine sprechen.“ Georg, Celia und Elli berieten sich kurz mit den Augen untereinander und mit Benedikt. Dann gingen sie hinaus.

Der Alte führte Benedikt in ein holzgetäfeltes Wohnzimmer, in dem neben einem großen, aber kalten Kamin eine Ritterrüstung stand. Der Alte schenkte Rotwein aus einer Flasche in zwei Gläser, wovon er eines an Benedikt reichte. Sie setzten sich in tiefe Ledersessel. Sie tranken. Der Wein war stark und brannte Benedikt etwas in der Kehle.

„Mein Name ist Giordano Galero“, sagte der Alte. Er erzählte, dass er das Haus für Benedikt gemietet hatte, das Boot und den Picknick hatte organisieren lassen und auch das Boot hatte verschwinden lassen. „Aber keine Sorge, ich will nichts Böses, im Gegenteil.“ – „Wer sind sie?“, fragte Benedikt. „Ich bin dein Vater!“, sagte Galero.

Benedikt glaubte ihm nicht und so musste Galero weiter ausholen. Er hatte Benedikts Mutter geliebt, konnte sie aber nicht heiraten, denn er war ein Mann der Kirche. „Pfarrer?“, fragte Benedikt erstaunt. „Nun ja, damals schon. Mittlerweile bin ich… was soll’s, Kardinal. Ich bin Kardinal Galero.“ Der Kardinal erklärte, dass er Benedikt gerne früher kennengelernt hätte, aber das sei nicht möglich gewesen. „Was ist jetzt anders?“, fragte Benedikt. „Eine Verschiebung der Prioritäten und: Ich brauche dich. Wenn du ein paar Tage hier auf der Insel mit mir verbringst, werde ich es dir erklären. Dann kannst du immer noch ablehnen. Aber es ist ein gutes Angebot“, sagte Galero und beobachtete die Reaktion seines Sohns. Benedikts Gefühle waren völlig durcheinander. Einerseits hatte er immer seinen Vater kennenlernen wollen, aber seine Mutter hatte nie mit ihm darüber reden wollen. Einerseits wollte er Kardinal Galero glauben, aber irgendetwas in seinem Inneren blieb skeptisch.

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