(133) Nachdem Tante Agathe auch den zweiten Anfall überstanden hatte, ging Pfarrer Getschmann von der Hochzeit nach Hause.

von Alain Fux

Nachdem Tante Agathe auch den zweiten Anfall überstanden hatte, ging Pfarrer Getschmann von der Hochzeit nach Hause. Immerhin hatte er der alten Dame die Krankenölung gespendet, es konnte also nichts mehr schiefgehen.

Zu Hause widmete er sich seinem Lieblingsprojekt: ‚Waffen für Jesus‘. In seiner Post fand er einen Brief von Oliver Moller, der in Kürze zu einer Mission nach Afrika aufbrach. In dem Umschlag befand sich das Foto eines Barrett REC7-Sturmgewehrs sowie eine Banknote.

Getschmann war nämlich ein Waffennarr und das seit seinem Wehrdienst. Das Gefühl, eine schwere Waffe aus kaltem Stahl in den Händen zu halten, war für ihn tief bewegend. Seit der Eiserne Vorhang gefallen war, nahm er sich ab und zu Urlaub von seiner Pfarrgemeinde und ging zur Missionierung in den Osten. In Wirklichkeit verbrachte er die Zeit auf privaten, halblegalen Schießständen, die von ehemaligen Offizieren der Roten Armee geführt wurden. Dort konnte er mit allem schießen, was die Waffenkammer hergab. Ein wahres Erweckungserlebnis hatte er, als er in einem Steinbruch hinter dem Ural mit einem schweren Browning M2 Maschinengewehr schießen konnte. Mit den Händen umfasste er die Griffe der auf einem Dreibein montierten Waffe und spürte die ungeheure Feuerkraft der Kaliber .50 Munition. So überwältigt war er, dass er laut „Halleluja!“ schrie, während er den Abzug betätigte. Leider war es ein teures Vergnügen und so konnte er sich diese Freude nur ab und zu gönnen.

Da Getschmann ein schlechtes Gewissen hatte, suchte er nach einem Weg, seine Leidenschaft mit seinem Beruf zu verbinden. Deshalb gründete er ‚Waffen für Jesus‘, eine Vereinigung, deren einziges aktives Mitglied er selbst war. Die Vereinigung arbeitete zusammen mit Söldnerorganisationen und Getschmann segnete per Fernweihe die Waffen der Söldner, die in eine Schlacht zogen. Interessanterweise waren diese harten Männer oft sehr gläubig. Es hing wohl mit ihrer ständigen Nähe zum Tod zusammen. Die Idee war Getschmann gekommen, als er im Internet eine Werbung für ‚Soldier of Fortune‘, eine Söldnerzeitschrift gefunden hatte. Später inserierte er selbst in dieser Zeitschrift und hatte gleich zu Beginn einen ermutigenden Rücklauf. Für die Segnung schickten die Söldner ihm Fotos ihrer Waffen und eine Spende von 50 US-Dollar. Getschmann segnete das Foto, und damit die Waffe, und meldete seinen Auftraggebern per E-Mail Vollzug. Mit den Fotos der Waffen hatte er eine interessante Sammlung angelegt und mit den Spenden konnte er seine Reisen in den Osten finanzieren. Die Söldner, schließlich, waren zufrieden, denn sie fühlten sich nach der Segnung im Einklang mit dem Herrn und unter dessen Schutz. Getschmann war stolz auf das Arrangement. Jeder gewann dabei.

Er stellte das Foto der Barrett REC7 vor sich hin gegen eine Bibel und segnete es mit einem Kreuzzeichen. Dann schickte er Moller eine E-Mail und wünschte ihm viel Erfolg bei seiner Mission in Afrika.

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