(129) Mit heiserer Stimme berichtete Titus, der schwarz-weiße Bobtail, dass Luggi sich ein paar Minuten verspäten würde.

von Alain Fux

Mit heiserer Stimme berichtete Titus, der schwarz-weiße Bobtail, dass Luggi sich ein paar Minuten verspäten würde. Rex knurrte leise, als Zeichen, dass er verstanden hatte, und las noch einmal den Artikel über den von Hämorrhoiden geplagten Löwen. Er war glücklich, keine solchen Probleme zu haben. Grauenhaft. Dann bellte er Titus zurück in den Empfangsraum und sagte, dass er Malik hereinschicken sollte. Er musste Malik noch ein paar Verhaltensregeln klar machen, um diplomatische Verstimmungen mit Luggi zu verhindern.

Malik, ein noch junger Belgischer Schäferhund, kam mit demütig gesenktem Kopf herein. Rex ging um ihn herum und beschnüffelte ihn. Er tat es nur der Form halber, ohne großes Interesse. Aber als Mastino Napoletano und Chef von Titus und Malik wurde es von ihm erwartet. Malik schnüffelte auch, war aber gar nicht bei der Sache. Rex biss ihm ins Ohr. Malik jaulte kurz, obwohl es nicht wehgetan hatte. Es ging nur noch um den Schein. Rex seufzte und setzte sich wieder auf seine Decke. Er schaute Malik an und der Schäferhund wusste nicht, wohin er blicken sollte. Dann bellte Rex. Nur einmal, unaufgeregt und präzise wie immer. Schließlich schaute er wieder in die Zeitung. Malik ging wieder mit gesenktem Haupt aus dem Zimmer. Rex sah ihm nach. Hoffentlich würde er sich diesmal benehmen. Die letzte Delegation hatte er zuerst mit seinem Knurren verunsichert und dann hatte er einem filzigen Affenpinscher ins Hinterteil gebissen. Das war teuer geworden. Rex wusste, dass Luggi, eine pompöse Bordeaux Dogge, von seiner Beraterin Isa begleitet wurde. Isa war ein etwas verstörter Labrador und Rex hatte Angst, dass sie und Malik sich nicht verstehen könnten. Man würde sehen.

Als von draußen das fröhliche Gekläff von Titus ertönte, wusste er, dass Luggi und Isa angekommen waren. Rex schüttelte die Ohren in die richtige Position und wartete würdevoll auf Luggi. Mit erhobenem Haupt und zusammengekniffenen Augen kam die Bordeauxdogge an. Hier musste Rex sich anstrengen und er schnüffelte an Luggis Hinterteil, streng nach Etikette. Luggi, Rex bemerkte es aus den Augenwinkeln, war ebenfalls mit Eifer bei der Sache, obwohl er eben noch recht arrogant ausgesehen hatte. Sie waren doch beide von der gleichen Schule, Luggi und er. Vielleicht würden sie sich doch einigen können und den Markt zwischen ihnen aufteilen. Rex musste vorsichtig an die Sache herangehen und keinen Fehler machen. Besser sie wiederholten das Treffen noch einmal bei Luggi, als dass er jetzt übermütig wurde. Es stand zu viel auf dem Spiel.

Gerade als Luggi und er die zweite Runde hinter sich gebracht hatte, bei der es mehr um den korrekten Abschluss des Schnüffelns ging, als um die Informationserkenntnis, fuhr ein jähes Japsen in die ansonsten ruhige Stimmung im Empfangszimmer hinein. Es kam von Isa, die noch in der Tür stand und sich mit Titus bereithielt für die sekundäre Beschnüfflungszeremonie. Alle schauten zu Isa. Hinter ihrem Kopf sah man den von Malik, der sie mit freudig heraushängender Zunge bestiegen hatte. Rex blieb zuerst die Sprache weg. Was für ein Fiasko! Dann knurrte er sehr laut und Malik begriff, welchen Fauxpas er eben gemacht hatte. Er sprang nach hinten von der Labradorhündin herunter, überlegte, ob er noch etwas tun könnte und dann lief er von der Bildfläche weg. Rex beugte den Kopf nach vorne und hoffte, dass Luggi ihm, als Zeichen der akzeptierten Entschuldigung, ins Ohr beißen würde.

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