(118) Wir waren ja eigentlich hinter dem Hosenschisserräuber her…

von Alain Fux

„Wir waren ja eigentlich hinter dem Hosenschisserräuber her“, erklärte Freimut Schmitt dem Kollegen Wilfried Keller vom Kommissariat 13 der Zentralen Kriminalinspektion Kaiserslautern. Schmitt und sein Kollege Arndt Jakob waren von Kommissariat 11 (Kapitaldelikte). Zu dritt gingen sie nach der Arbeit einen trinken, wann immer es gerade passte. Freimut Schmitt erklärte gerade, wie sie einen Mord oder Totschlag aus reinem Zufall selbst miterlebt hatten. Eigentlich ermittelten sie im Fall eines Bankräubers, der am Tag vorher in Waldmohr in der Weiherstraße die Filiale der Kreissparkasse überfallen hatte. Am helllichten Tag, gerade nach der Mittagspause. Der Täter hatte etwa 20.000 Euro erbeutet und war dann spurlos verschwunden.

Schmitt und Jakob fanden es vorstellbar, dass der Räuber sich durch die Felder und den Wald zur Raststätte Waldmohr durchgeschlagen hatte, weil dort sein Fluchtauto stand. Sie waren zur Raststätte gekommen, um nach etwaigen Zeugen oder Besonderheiten zu schauen. Die Videobänder der Raststätte waren bereits in Kaiserslautern zur Analyse.

Als sie an der Raststätte ankamen, schauten sie sich um und betrachteten die Karte, um festzustellen, aus welcher Richtung der Bankräuber von der Kreissparkasse gekommen sein musste. Deshalb gingen sie auf dem Parkplatz weiter nach hinten, wo der Wald direkt angrenzte. Gerade als sie die Stelle gefunden hatten, wo ein schmaler Pfad aus dem Wald führte, sprang ein Fernfahrer aus seiner Kabine und ging zu einem Baum. Jakob bemerkte es, schaute dann aber wieder auf den Plan, den Schmitt vor sich hielt. Als er wieder zu dem Fernfahrer blickte, bemerkte er wie ein anderer Mann aus den Büschen sprang und dem Fernfahrer mit einem Kreuzschlüssel auf den Kopf schlug.

Instinktiv zog Jakob die Pistole und lief hinüber. Bevor der Täter sich wieder aufgerichtet hatte, stand er hinter ihm und sprach ihn an. Schmitt kam hinzu.

„Und glaubt ihr, dass das geplant war?“, fragte Keller. Jakob zuckte die Achseln. „Schwer zu sagen. Wenn es geplant war, dann hätte er uns doch entdecken müssen. Du planst das ja nicht und dann läufst du einfach raus, egal, ob dich wer sieht oder nicht. Andererseits, wenn du einem Typen mit einem Kreuzschlüssel im Gebüsch beim Pinkeln auflauerst, dann sehe ich da keine Affekthandlung. Das ist ein schwieriger Fall. Das wird das Gericht klären müssen.“

Keller nickte. „Irgendwann werdet Ihr Euch überlegen müssen, Euer Kommissariat umzubenennen.“ Er trank einen Schluck Bier, um die Spannung zu steigern. Er wusste die Blicke von Schmitt und Jakob auf sich und genoss den Moment. „Jetzt kommt’s“, sagte Schmitt trocken. „Warum?“, fragte Jakob, damit es endlich weiter ging. „In Anbetracht der beiden letzten Fälle solltet Ihr Euch in ‚Kommissariat für Fäkaldelikte‘ umbenennen.“ Jakob stöhnte und Schmitt versteckte sein Gesicht hinter seiner Hand. Keller grinste.

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