(117) Alfonso Delgado hatte Brill an der Raststätte Waldmohr…

von Alain Fux

Alfonso Delgado hatte Brill an der Raststätte Waldmohr, zwischen Saarbrücken und Kaiserslautern, zum ersten und letzten Mal gesehen. Brill hatte getankt und danach geduscht. Als er mit Badetuch und Kulturbeutel zum Fahrerhaus zurückkam, lehnte Delgado an der Tür. Er war ein drahtiger Bursche, glattrasiert, mit einem dämlichen Grinsen um den Mund, das Brill sofort missfiel. „Cojones de acero“, sagte Delgado langsam, als ob bei ihm gerade der Groschen fiel, wen er vor sich hatte. Brill suchte keine schwierigen Situationen mehr, aber er war kein Drückeberger. Er fragte Delgado, wer er sei und was er wolle. Delgado gab ihm seinen Namen, was Brill wiederum gefiel, denn manche sogenannten harten Jungs waren noch zu feige, um ihren Namen zu nennen. Delgado sagte, er wolle die Stahleier mal testen. Diesen Spruch hatte Brill schon öfters gehört und er war es leid. Aber er ließ sich nichts anmerken.

Brill erklärte Delgado, dass er auf dem schnellsten Weg seine Ladung nach Frankfurt bringen müsse, aber dann wieder zurückkommen würde, um Delgado die Gelegenheit zu geben, die Stahleier zu schmecken. In vier Stunden sei er wieder in Waldmohr und dann könne man sich in den Wald hinter der Raststätte verziehen. Delgado überlegte und nickte zustimmend. Er zeigte auf einen Lastzug, auf dessen roten Planen mit gelben Lettern ‚Trans Spain Poland‘ geschrieben stand. „Da findest du mich, Cojones.“

Brill verzog keine Miene, schwang sich ins Fahrerhaus und fuhr los. Allerdings blieb er auf der anderen Seite der Raststätte stehen und stieg wieder aus. Aus der Werkzeugkiste nahm er den Kreuzschlüssel und wickelte ihn in das noch nasse Badetuch ein. Er ging durch den Wald um das Rasthaus herum und war dann auf gleicher Höhe zu Delgados Fahrerhaus. Der Heißsporn saß auf dem Beifahrersitz, die Tür war offen und er rauchte. Delgado schien zufrieden mit sich zu sein. Brill legte den Kreuzschlüssel auf den Waldboden, setzte sich darauf und wartete.

Nach einer halben Stunde sprang Delgado aus dem Fahrerhaus und drückte die Tür zu. Er kam in Brills Richtung. Im Gehen zog er den Reißverschluss seiner Hose auf und stellte sich vor einen Baum, nur zwei Meter von Brills Versteck entfernt. Als der Urinstrahl den Baumstamm traf und Delgados Rücken sich leicht entspannte, richtete Brill sich lautlos auf, nahm den Kreuzschlüssel und war mit einem Satz hinter Delgado. Er hielt das Metallwerkzeug an einem Ende und ließ ein anderes mit voller Wucht in Delgados Hinterkopf einschlagen. Der Spanier fiel nach vorne, schien mit einem Arm den Baum zu umarmen und rutschte dann nach unten in das nasse Laub. Er rührte sich nicht mehr.

Brill trat an den leblosen Körper und prüfte, ob er am Hals noch einen Herzschlag feststellen konnte. In dem Augenblick hörte er ein heiseres „Hände hoch!“ hinter sich, gefolgt vom Geräusch einer durchgeladenen Pistole. Er blieb in der Hocke und hob die Hände.

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