(112) Nachdem er die Rosen inspiziert hatte, legte sich Heiner Honsel nachdenklich in die Hängematte.

von Alain Fux

Nachdem er die Rosen inspiziert hatte, legte sich Heiner Honsel nachdenklich in die Hängematte. Schon wieder Läuse an den Rosen. Kein Wunder, die Florfliegen waren abgehauen. Er würde neue Eier besorgen müssen. Immer dieselben Handlungen, um an denselben Problemen zu scheitern. Es hörte nicht auf. Hamsterrad. Teufelskreis. Anstatt sich in die Hängematte zu legen, könnte er noch schnell zum Gärtner fahren und Florfliegeneier besorgen. Vielleicht sollte er auch noch einmal den Rasen mähen. Es war gerade so bequem in der Hängematte, aber er wusste, dass das nie eine Ausrede sein durfte.

Das hatte ihm sein Vater eingebrockt. Niemals untätig rumsitzen. Wenn etwas getan werden konnte, dann musste es getan werden. Müßiggang ist aller Laster Anfang. Immer wieder hatte Reinhard Honsel dieses Sprichwort benutzt. Manchmal hatte Heiner sich darüber lustig gemacht. Stuhlgang ist aller Lasten Abgang, hatte er geantwortet. Aber am Ende hatte sein Vater ihn doch so geprägt, dass es kein Entfliehen gab. Hätte Heiner Kinder, er würde ihnen bestimmt auch immer sagen, dass Müßiggang aller Laster Anfang war. Aber Patrizia wollte ja keine Kinder. Dabei sahen ihre Möpse immer aus, als ob sie stillen würde. Alle glotzten immer auf Patrizias Möpse. Kein Wunder, sie zeigte auch alles, was sie hatte. Oder beinahe. Sogar diesem widerlichen Papke. Und dann wundert sie sich, dass er bei diesem idiotischen Twister-Spiel ihr an die Möpse langte. Ja klar. Impuls halt. Was gibt es Intuitiveres, als nach einer hingehaltenen Brust zu greifen?. Ein Wunder, dass Papke sich nicht daran festgesaugt hatte.

Zurück zu den Florfliegen. Fahren oder nicht fahren? Mähen oder nicht mähen? Oder beides? Er schüttelte das Handgelenk, um seine Armbanduhr in Blickrichtung zu drehen. In einer guten Stunde sollte er Patrizia beim Friseur abholen. Mit den Florfliegen klappte es bestimmt nicht mehr, denn um diese Uhrzeit waren nur Idioten auf der Straße. Auch etwas, das er von seinem Vater hatte. Immer war er zu früh dran, hatte Angst sich zu verspäten. Natürlich würde er am Ende eine Viertelstunde vor dem Termin auf Patrizia warten und sie würde eine Viertelstunde später aufkreuzen. Aber so war es halt.

Natürlich müsste es möglich sein, vorher noch die Florfliegen zu holen. Allerdings wollte Patrizia nach dem Friseur oft noch irgendwohin fahren. Um sich zu zeigen, die eitle Pute. Würde den Eiern bestimmt nichts anhaben, aber er wollte nicht, dass die Larven im Wagen schlüpften. Alle Florfliegen im Auto und die Läuse feierten weiter Party. Theoretisch war es zumindest denkbar. Er schaute noch einmal auf die Uhr. Den Rasen mähen, das wäre auf jeden Fall noch möglich. Müßiggang ist aller Anfang. Ha. Ein voller Erfolg diese Hängematte, ein Geburtstagsgeschenk von Patrizia. Damit er mal etwas runterkommen würde. Langsamer machen. Nicht in diesem Leben. Nicht solange er die Stimme seines Vaters im Ohr hatte.

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