(111) Wendelin Papke war wenig begeistert von der Einladung bei den Dambachs…

von Alain Fux

Wendelin Papke war wenig begeistert von der Einladung bei den Dambachs, aber Hanne ließ ihm keine Wahl. Horst Dambach wollte immer besonders cool wirken und machte schlechte Witze ohne Ende. Seine Frau Gerlinde hingegen hatte keinen Sinn für Humor und saß immer nur sauertöpfisch rum. Zu essen gab es immer kalte Platte mit Pommes. Papke ergab sich seinem Schicksal.

Seine Stimmung hob sich allerdings, als er das dritte Ehepaar sah. Heiner Honsel war zwar auch ein Miesepeter, aber seine Frau Patrizia war schon eine Granate. Körbchengröße D und sie zeigte freizügig, was sie hatte. An diesem Abend trug sie ein T-Shirt mit einem tiefen Ausschnitt. Unter dem Stoff konnte Papke einen roten Spitzen-BH ausmachen. Rot, so etwas würde Hanne niemals tragen.

Das Essen war natürlich vorhersehbar. Papke lachte pflichtbewusst bei Horsts Witzen, die er alle schon mal besser woanders gehört hatte. Er lobte Gerlindes kalte Platte. Wofür eigentlich: Es war alles gekauft und nur hingelegt? Hanne unterhielt sich mit Heiner über die Läuseplage bei den Rosen und ob Spritzen oder Florfliegenbesatz besser seien. Heiner war ein absoluter Verfechter von Florfliegen und erklärte ihr, wo sie Fliegeneier kaufen konnte. Patrizia erzählte von ihrer Pilatesgruppe, zu der sie dreimal in der Woche ging. Gerlinde tat interessiert, war es aber nicht.

Nach dem Essen sagte Horst, dass er eine Überraschung habe. Mit Zwinkern in Richtung Honsel und Papke legte er eine Schachtel mit dem Twister-Spiel auf den Tisch. Gerlinde protestierte, weil es nach dem Essen nicht gut sei, aber Horst ließ nicht locker. Er erklärte Patrizia das Spiel. „Also hier gibt es eine Matte mit farbigen Feldern.“ Er breitete das Tuch auf den Boden aus. „Dann gibt es hier eine Tafel mit einem Drehpfeil. Der Schiedsrichter dreht den Pfeil, so zum Beispiel. Und dann kommt dann zum Beispiel „rechte Hand – Rot“ heraus. Der Spieler, der an der Reihe ist, muss dann seine rechte Hand auf ein rotes Feld platzieren. Das geht dann reihum und wer umfällt, der scheidet aus.“ Nach einigen Diskussionen einigte man sich darauf, es eine Runde auszuprobieren. Gerlinde wollte nicht mitspielen und wurde deshalb Schiedsrichterin: Sie sollte den Pfeil drehen. Die erste Runde war einfach. Die zweite Runde ebenfalls, aber man merkte bereits, dass es bei fünf Mitspielern eng werden würde. Bei der dritten Runde fiel Hanne um und schied aus. Horst musste zwischen Patrizias Beinen durchgreifen und Heiner hatte seinen Kopf an Papkes Hinterteil. Dann war Papke dran, „Linke Hand, gelb“. Papke schaute, was seine Optionen waren. Es wurde ihm etwas heiß, als er merkte, dass es einen gelben Kreis gab, den er erreichen konnte und bei dem er direkt an Patrizias rechter Brust vorbeigreifen musste. Er streckte den Arm aus und konzentrierte sich darauf, genau zu erspüren wie es war, als er mit der Länge seines nackten Unterarms an ihrer Brust vorbei glitt.

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