Tilt Shift Panoptikum

Fiktion. Eine Vielzahl von Geschichten, die miteinander verknüpft sind. Alain Fux.

Monat: Juni, 2017

(138) Ein alter Leichenwagen fuhr am Hotel vorbei.

Ein alter Leichenwagen fuhr am Hotel vorbei. Nachdenklich beobachtete Albrecht Holzhäuser den amerikanischen Schlitten von seinem Balkon aus. Er saß mit aufgestützten Armen am Tisch und trank einen Schluck von dem Cuba Libre, den er sich vorhin selbst gemixt hatte. Etwas Alkohol war beim Schreiben ganz anregend für die Inspiration. Außerdem war jetzt Sonnenuntergang und damit war es offiziell erlaubt, härteren Alkohol zu trinken.

Holzhäuser hatte sich eine Auszeit von seinen sonstigen Aktivitäten genommen und war zum Schreiben nach Funchal in Reid’s Palace gekommen. 14 Tage Halbpension, Zimmer mit Balkon, auf dem er jetzt mit Schreibblock, Bleistift und Cuba Libre saß. Alles war bereit, nur die Inspiration fehlte noch. Aber so schnell ließ sich Holzhäuser nicht entmutigen. Er war Richter am Amtsgericht, zuständig für Mietsachen, unter anderem. Er hatte Geduld ohne Ende und war überzeugt, dass er seine kreativen Kräfte in die gewünschte Richtung steuern konnte. Geschrieben hatte er immer wieder einmal, aber es hatte nie genug Zeit gegeben, etwas Bedeutenderes anzupacken. An seinem 50. Geburtstag hatte er sich entschlossen, mehr Gewicht auf das Schreiben zu legen und im Beruf künftig auch so faul zu sein, wie viele seiner Kollegen. Das würde ihm ausreichend Zeit verschaffen.

Um seiner kreativen Karriere den notwendigen Anschub zu geben, hatte er sich für das Refugium auf Madeira entschieden. Hier hatte schon Churchill genug Muße gefunden, um seine Malerei weiter zu entwickeln. Wenn es gut laufen würde, könnte er seinen Aufenthalt verlängern. Theoretisch auch über die angepeilten drei Monate hinaus, denn es war unwahrscheinlich, dass ein Amtsarzt nach Madeira vorbeikommen würde, um die Rechtmäßigkeit der Krankmeldung zu überprüfen. Aber so weit war er noch nicht. Bisher hatte er nur Ideenfetzen notiert und es war nichts dabei, was es wert schien, weiter ausgearbeitet zu werden.

Der Leichenwagen hatte interessant ausgesehen, dachte Holzhäuser und schmeckte dem Cuba Libre nach. Expats, die in der Ferne starben und dann im verplombten Sarg nach Hause geschickt werden. Kurz streifte seine Fantasie die Implikationen bei Mietverträgen, wenn Mieter vor Vertragsende starben… Er verdrängte den Gedanken erfolgreich mit einem Schluck aus dem hohen Cocktailglas. Allerdings musste Holzhäuser sich gestehen, dass er keine Expats kannte und auch gar nicht wusste, was sie so bewegte. Vielleicht eher etwas Gewöhnliches, das ihm bekannt war und aus dem sich etwas Außergewöhnliches entwickelte. Vor einigen Jahren war Holzhäuser für ein paar Monate einem Männerchor beigetreten. Das war vielleicht ein Aufhänger. Den Chor hatte er wieder verlassen, weil es wirklich sehr gewöhnlich zuging. Vielleicht könnte man aber auch alles miteinanderverbinden. Ein Expat, der zu einem Chor von Einheimischen stößt… Was könnte da passieren? Ein möglicherweise interessanter Ansatz, befand Holzhäuser und goss sich Rum und Cola nach. So ähnlich musste sich Hemingway gefühlt haben, dachte er. Die Sonne verschwand ganz unter der Horizontlinie.

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(137) António Pessanha liebte seinen 1964er Cadillac Superior Crown Royale über alles.

António Pessanha liebte seinen 1964er Cadillac Superior Crown Royale über alles. Alleine um mit diesem schicken Leichenwagen durch die Straßen von Funchal zu fahren, war es wert, Bestatter zu sein. Pessanha war vierzig, schuldenfrei und Eigentümer der Agência Funerária São Martinho. An diesem Nachmittag hatte er die Beisetzung eines deutschen Touristen, Elmar Stadler, durchgeführt. Es kam selten vor, dass Ausländer auf der Insel beerdigt wurden. Pessanha hoffte, dass dies keine Mode werden würde, denn Überführungen waren wesentlich lukrativer. Bei der Beerdigung von Stadler war nur seine Witwe dabei. Pessanha fand, dass Ulrike Stadler, umwerfend aussah. Sie hatte sich lokale Trauerkleidung besorgt und ihre langen blonden Haare unter dem schwarzen Schleier fand Pessanha elektrisierend. Frau Stadler war ganz knapp über 50 und Pessanha hatte sich schon immer zu reiferen Frauen hingezogen gefühlt.

Nach der kurzen Zeremonie fragte er Frau Stadler, ob er sie in die Stadt fahren dürfe. Sie nahm an und jetzt saß sie neben ihm auf dem Beifahrersitz des Cadillac. Pessanha fragte, ob sie länger auf der Insel bliebe und sie sagte, dass sie schon am nächsten Tag abreiste. Pessanha nickte ernst. Das gab ihm zwischen Bestattung und Abreise zu wenig Zeit, um pietätvoll mit Frau Stadler eine Affäre zu haben. Wenigstens konnte er beim Fahren durch den zähen Feierabendverkehr ab zu einen Blick auf ihre makellosen Knie werfen, die er durch ihre dünne schwarze Strumpfhose erkennen konnte.

„Sie haben einen sehr schönen Leichenwagen“, sagte Frau Stadler unvermittelt. Pessanhas Herz machte einen Hopser. „Ich hoffe, man darf das auch über Leichenwagen sagen“, fügte Frau Stadler hinzu. „Aber natürlich“, beeilte sich Pessanha. „Gerade in meinem Gewerbe ist es wichtig, die Dinge, die man selbst beeinflussen kann, so schön wie möglich zu gestalten.“ Frau Stadler nickte. „Der Wagen erinnert mich an das Auto von Batman“, sagte sie und lächelte etwas verlegen zu ihm herüber. Das hatte bisher noch niemand Pessanha gesagt, aber er mochte den Vergleich. „Und, finden Sie, dass ich wie Batman wirke?“, fragte er keck. „Keine Ahnung, die Ähnlichkeit fiel mir nur beim Wagen auf.“ – „Auf jeden Fall, gibt es in meinem Leben keine Batwoman.“ Pessanha sah vorsichtig zu Frau Stadler, um zu ergründen, wie die Bemerkung bei ihr ankam. „Ah ja“, sagte Frau Stadler. Pessanha bildete sich ein, dass durchaus etwas Interesse in ihrer Stimme mitschwang.

Der Verkehrsfluss war jetzt vollständig zum Erlahmen gekommen und Pessanha bemerkte einen Fliegenschiss auf dem Armaturenbrett. Aus dem Staufach unter der Armlehne zog er ein feuchtes Wischtuch heraus und entfernte den schwarzen Punkt. Das Wischtuch faltete er sorgfältig und legte es in eine Plastiktüte, die er unter dem Fahrersitz verwahrte. Er bemerkte, dass Frau Stadler ihn beobachtete. „Berufskrankheit“, sagte er entschuldigend. „In meinem Beruf muss man peinlich genau auf Sauberkeit achten.“ Die Wagenkolonne setzte sich wieder in Bewegung.

„Da ist das Reid’sPalace. Ein weltbekanntes Hotel.“ Pessanha deutete aus dem Fenster. „Waren Sie schon mal da? Ich würde Sie gerne heute Abend dort zum Essen einladen.“ Frau Stadler antwortete nicht. Als es der Verkehr erlaubte, schaute er zu ihr hinüber und sah, dass ihre Gesichtszüge verzerrt waren und Tränen ihr über die Wangen liefen.

(136) Ulrike war erleichtert, dass Elmar den Urlaub zu genießen schien.

Ulrike war erleichtert, dass Elmar den Urlaub zu genießen schien. Am zweiten Tag gab es einen Hausball im Hotel und er hatte sich sogar bereit erklärt, mit ihr zu tanzen. Vielleicht lag es auch daran, dass das Haus äußerst sauber war und Elmar keine Beanstandungen fand. Ulrike hatte ein Allergiker-Zimmer gebucht, das ganz besonders reingehalten wurde.

Elmar hatte sich von Ulrike überzeugen lassen, zum Wanderurlaub nach Madeira zu fliegen. Immerhin gehörte die Insel zu Portugal und damit zur EU. Die üblichen Gesundheitsstandards waren eingehalten und Elmar hatte schließlich eingewilligt.

Sie waren im Oktober geflogen und fanden, dass sie Glück gehabt hatten, denn der September war völlig verregnet gewesen. Als sie ankamen war die Insel warm und schien förmlich zu dampfen. Ihr Urlaub war schön gewesen, auch wenn es Ulrike nicht sehr exotisch vorkam, wenn man von der unkrautartigen Verbreitung der Strelitzien absah.

Dann zeigte Elmar die Anzeichen einer Erkältung: Fieber und Gliederschmerzen. Er blieb im Hotel und drängte Ulrike darauf, trotzdem wandern zu gehen, was sie auch tat. Elmar bekam ein eigenes Bett und das Zimmermädchen war so aufmerksam, dass es Elmars Bettwäsche jeden Tag wechselte. Nach ein paar Tagen ging die Erkältung zurück, ein gutes Zeichen dachte Ulrike, denn der Urlaub dauerte noch ein paar Tage, die sie mit Elmar nutzen wollte. Doch dann bekam Elmar Herzrasen und Schweißausbrüche. Mit rotem Gesicht kam er aus dem Bad und sagte, dass er eben Blut erbrochen hatte. Dann brach er zusammen. Der Arzt kam und fand, dass Elmars Blutdruck viel zu niedrig war. Er veranlasste die Aufnahme ins Krankenhaus von Funchal. Ulrike begleitete ihren Mann und saß die ganze Nacht hindurch an seinem Krankenbett. Elmar hatte Angst zu sterben und sie versuchte ihn auf andere Gedanken zu bringen.

Am frühen Morgen kam das Ergebnis der Blutanalysen: Elmar hatte das Dengue-Virus erwischt und die Krankheit war in der schlimmsten Form ausgebrochen. Der Arzt erklärte, dass Elmar von einer Stechmücke infiziert sein musste. Ulrike erinnerte sich, dass sie bei einer Wanderung beide mehrere Stiche abbekommen hatten. Sie selbst habe wohl Glück gehabt, meinte der Arzt. Elmar bekam einen heiseren Lachanfall, der in Schluchzen überging. Ulrike entschuldigte sich bei ihm, dass sie ihn nach Madeira geschleppt hatte.

Am nächsten Tag starb Elmar. Die Blutanalyse von Ulrike zeigte, dass sie definitiv nicht infiziert war. Die Überführung der Leiche nach Deutschland war wegen der Krankheit nicht ganz einfach und erforderte eine ganze Reihe von Verwaltungsschritten. Nachdem Ulrike eine Nacht darüber geschlafen hatte, beschloss sie, Elmar auf Madeira beerdigen zu lassen. Er hätte es bestimmt nicht gut gefunden, wenn seine virusverseuchte Leiche in einem Passagierflugzug transportiert würde. Eine Bestattung an Ort und Stelle war daher das einzig Richtige. Mit der Unterstützung des Hotels gelang es ihr, die Zeremonie kurzfristig zu organisieren und so würde sie mit dem ursprünglich gebuchten Flug wieder in die Heimat fliegen. Elmars Flugticket war leider nicht mehr zu stornieren gewesen.

(135) Du wirst dir schon kein Ebola holen.

„Du wirst dir schon kein Ebola holen.“ Das hatte Ulrike Stadler ihrem Mann Elmar immer zugerufen, wenn er mal wieder ganz genau hinschauen musste, wenn ihm ein Glas, eine Gabel oder sonst etwas suspekt vorkamen. Deshalb wollte er sie auch nie in exotische Länder begleiten. Indien, Pakistan, Südamerika… all das war ihm zu gefährlich. Ulrike fand, dass sie wegen Elmar darauf verzichten musste, den Großteil der Welt für sich zu entdecken. „Wenn alle Menschen wären wie du, wäre wahrscheinlich noch 90 Prozent des Planeten unerforscht“, hatte sie ihm gesagt. „Was genau wäre daran so verkehrt?“, antwortete Elmar dann.

Es war wirklich nicht einfach für sie. Zuhause schon war Elmar sehr penibel. Auf Reisen wurde er schlichtweg paranoid. Immer führte er eine Packung mit Sagrotan-Feuchttüchern mit sich herum. Zu Hause schaute er immer nach, ob das Klo richtig geputzt war, vermutete Keime im Kühlschrank und hatte vor allem eine Heidenangst vor den Gefahren im Küchenabfluss. Sie vermutete, dass Elmar jedes Mal, wenn er die Toilette aufsuchte, die Brille mit einem Sagrotan-Tuch abwischte. Sie wusste, dass es ihn sehr störte, wenn Besucher bei ihnen die Toilette benutzten. Sie spürte dann, dass er innerlich verkrampfte.

Sie sagte ihm, dass er sich aufführte wie Howard Hughes, ohne aber dessen Vermögen einzubringen. Er sagte, dass Howard Hughes gestorben sei, weil er nicht vorsichtig genug war. Sie forschte nach und fand heraus, dass Hughes an Nierenversagen gestorben war. Aber auch diese Erkenntnis konnte Elmar nicht umstimmen.

Immer wieder belehrte er sie, dass ein Kühlschrank ständig sauber sein musste und dass die Kälte nichts gegen Bakterien und schon gar nichts gegen Viren ausrichten konnte. Wenn Flüssigkeiten im Kühlschrank aus ihren Behältern geschwappt waren und Elmar es sah, nahm er ein Sagrotan-Tuch und säuberte die Stelle. Das wiederum fand Ulrike eklig und sie putzte dann den ganzen Kühlschrank. Manchmal regte sie sich auf, aber sie wusste, dass Elmar sich hier nicht ändern würde.

Beim Küchenabfluss entwickelte Elmar eine wahre Hysterie. Wenn er darüber dozierte hatte man den Eindruck, dass ganze Armeen von Feinden in der Dunkelheit des Abflussstutzens lauerten, durch die Bullaugen des Siebs nach oben schauten und nur auf die Gelegenheit warteten, heraus zu springen und sich an Nahrungsmittel oder sonstige Gegenstände zu haften, die der Mensch sich in den Mund führte. Wenn Ulrike Lebensmittel in den Ausguss stellte und Elmar bemerkte es, warf er die Lebensmittel weg. Sie durfte einen Sieb, der mit frisch gewaschenen Erdbeeren gefüllt war, nicht im Becken stehen lassen, wenn Elmar hereinkommen konnte. Wenn Ulrike in der Küche war, schaute Elmar öfters herein, um zu überprüfen, dass alles in Ordnung war. Seltsamerweise hatte er kein Problem damit, wenn der Ausguss mit dem Kunststoffstopfen zugelegt war. Ulrike verstand es nicht, hütete sich aber davor, ihn zu fragen. Eine Verschärfung seiner Hygienegesetze wollte sie nicht riskieren. Nachdem sie gelesen hatte, dass Elmar möglicherweise unter einer psychischen Störung litt, hatte sie ihm eine Therapie vorgeschlagen. Aber er hatte dies abgelehnt.

Jetzt war Elmar tot und sie fühlte sich schuldig.

(134) Prof. Ottmar Waldenbrück war wieder in Kinshasa.

Prof. Ottmar Waldenbrück war wieder in Kinshasa. Seine Feldforschungen der vergangenen drei Wochen waren sehr anstrengend gewesen. Erst jetzt, als er wieder im Venus Hotel eingecheckt hatte und frisch geduscht war, fühlte er so etwas wie Zuversicht in sich. Waldenbrück war Käferexperte und sein Spezialgebiet waren die Eudicella gralli, eine grünbraune Käferart, die in Zentralafrika sehr verbreitet war. Normalerweise waren die Tiere nur maximal 4 Zentimeter groß.

Sein Erstaunen war maßlos gewesen, als ihm ein Einheimischer ein Exemplar gezeigt hatte mit einer Größe von 122 Millimetern. Waldenbrück konnte zuerst nicht sprechen, als er den Käfer in Händen gehalten hatte. Als er wieder reden konnte, fragte er, wo das Tier herkam. Der Mann zeigte ihm auf der Karte einen Ort im Osten von Zaire, etwa 200 Kilometer nördlich von Goma.

Noch am gleichen Tag fing Waldenbrück mit den Reisevorbereitungen an, er wollte unbedingt der Erste sein, der über 10 Zentimeter große Eudicella gralli in freier Natur fand. Leider gab es zu dieser Zeit eine Art Bürgerkrieg in dem Teil von Zaire. Das fand Prof. Waldenbrück ärgerlich. Es schien unmöglich zu sein, bis dorthin zu gelangen, zumindest nicht, solange die Kämpfe tobten. Waldenbrück war deprimiert.

Dann traf er im Hotel einen Amerikaner namens Oliver Moller, der ihm erzählte, dass er mit einer ganzen Gruppe auf dem Weg nach Goma sei. Waldenbrück erzählte ihm, von seiner misslichen Lage und es stellte sich heraus, dass sie beide fast auf den Kilometer genau das gleiche Ziel hatten. Waldenbrück fragte, ob er die Gruppe begleiten könnte. Als Moller zögerte, bot Waldenbrück ihm Geld an. Moller nahm an und bereits am nächsten Tag war Waldenbrück mit dem Söldnertrupp in einem Transporthubschrauber unterwegs nach Goma. Die Söldner fragten ihn nicht, was er genau dort machen wollte und Waldenbrück stellte auch keine Fragen. Vom Flughafen in Goma ging es weiter mit Jeeps. Waldenbrück musste jetzt einen Kampfanzug in Flecktarn anziehen, worauf Moller bestanden hatte.

Nach einiger Zeit kamen sie in ein Dorf und trafen sich mit einem älteren Mann, der die Gemeinschaft vertrat. Er erzählte ihnen von großem Unglück. Es gab ein Rodungsprojekt in der Nähe, bei dem alle Männer des Dorfes arbeiteten. Er zeigte den Punkt auf der Karte und Waldenbrücks Herz setzte fast aus, als er erkannte, dass genau dies der Ort war, an dem sich die Eudicella gralli Waldenbrueckensi, so hatte er sie bereits benannt, befanden. Die Käfer würden Geschichte sein, bevor Waldenbrück sie entdeckte. Doch dann fuhr der Mann mit seiner Erzählung fort. Er sagte, dass die Rodung gestoppt sei, weil es einen Ausbruch von Ebola gab und über die Hälfte der Männer bereits gestorben sei. Die restlichen waren voraussichtlich infiziert. Das Wort ‚Ebola‘ machte unter den Söldnern die Runde und so mancher kam dabei ins Schwitzen. Sie waren auf den Krieg geeicht, aber mit einem tödlichen Virus wollten sie den Kampf nicht aufnehmen. Da sie nur im Einsatzfall bezahlt wurden, war der Ebola-Ausbruch keine gute Nachricht für sie. Waldenbrück hingegen frohlockte, denn Ebola hatte keinen Einfluss auf die Eudicella gralli. Seine Käfer waren sicher.

Er fuhr mit den Söldnern wieder zurück nach Kinshasa und beschloss, das Ende der Epidemie abzuwarten. Die Söldner hatten das Gleiche vor und zusammen konnten sie im Venus Hotel einen Sonderpreis für ihre Gruppe aushandeln.

(133) Nachdem Tante Agathe auch den zweiten Anfall überstanden hatte, ging Pfarrer Getschmann von der Hochzeit nach Hause.

Nachdem Tante Agathe auch den zweiten Anfall überstanden hatte, ging Pfarrer Getschmann von der Hochzeit nach Hause. Immerhin hatte er der alten Dame die Krankenölung gespendet, es konnte also nichts mehr schiefgehen.

Zu Hause widmete er sich seinem Lieblingsprojekt: ‚Waffen für Jesus‘. In seiner Post fand er einen Brief von Oliver Moller, der in Kürze zu einer Mission nach Afrika aufbrach. In dem Umschlag befand sich das Foto eines Barrett REC7-Sturmgewehrs sowie eine Banknote.

Getschmann war nämlich ein Waffennarr und das seit seinem Wehrdienst. Das Gefühl, eine schwere Waffe aus kaltem Stahl in den Händen zu halten, war für ihn tief bewegend. Seit der Eiserne Vorhang gefallen war, nahm er sich ab und zu Urlaub von seiner Pfarrgemeinde und ging zur Missionierung in den Osten. In Wirklichkeit verbrachte er die Zeit auf privaten, halblegalen Schießständen, die von ehemaligen Offizieren der Roten Armee geführt wurden. Dort konnte er mit allem schießen, was die Waffenkammer hergab. Ein wahres Erweckungserlebnis hatte er, als er in einem Steinbruch hinter dem Ural mit einem schweren Browning M2 Maschinengewehr schießen konnte. Mit den Händen umfasste er die Griffe der auf einem Dreibein montierten Waffe und spürte die ungeheure Feuerkraft der Kaliber .50 Munition. So überwältigt war er, dass er laut „Halleluja!“ schrie, während er den Abzug betätigte. Leider war es ein teures Vergnügen und so konnte er sich diese Freude nur ab und zu gönnen.

Da Getschmann ein schlechtes Gewissen hatte, suchte er nach einem Weg, seine Leidenschaft mit seinem Beruf zu verbinden. Deshalb gründete er ‚Waffen für Jesus‘, eine Vereinigung, deren einziges aktives Mitglied er selbst war. Die Vereinigung arbeitete zusammen mit Söldnerorganisationen und Getschmann segnete per Fernweihe die Waffen der Söldner, die in eine Schlacht zogen. Interessanterweise waren diese harten Männer oft sehr gläubig. Es hing wohl mit ihrer ständigen Nähe zum Tod zusammen. Die Idee war Getschmann gekommen, als er im Internet eine Werbung für ‚Soldier of Fortune‘, eine Söldnerzeitschrift gefunden hatte. Später inserierte er selbst in dieser Zeitschrift und hatte gleich zu Beginn einen ermutigenden Rücklauf. Für die Segnung schickten die Söldner ihm Fotos ihrer Waffen und eine Spende von 50 US-Dollar. Getschmann segnete das Foto, und damit die Waffe, und meldete seinen Auftraggebern per E-Mail Vollzug. Mit den Fotos der Waffen hatte er eine interessante Sammlung angelegt und mit den Spenden konnte er seine Reisen in den Osten finanzieren. Die Söldner, schließlich, waren zufrieden, denn sie fühlten sich nach der Segnung im Einklang mit dem Herrn und unter dessen Schutz. Getschmann war stolz auf das Arrangement. Jeder gewann dabei.

Er stellte das Foto der Barrett REC7 vor sich hin gegen eine Bibel und segnete es mit einem Kreuzzeichen. Dann schickte er Moller eine E-Mail und wünschte ihm viel Erfolg bei seiner Mission in Afrika.

(132) Holger Ditzel hatte Enrico versprochen, sich zu benehmen.

Holger Ditzel hatte Enrico versprochen, sich zu benehmen. Nun war das Hochzeitsessen vorbei und der Kuchen sollte kommen. Jetzt war es doch wohl gestattet, die Krawatte etwas zu lockern, oder?

Holger hielt Ausschau nach Vanessa. In ihrem engen roten Kleid sah sie rattenscharf aus. Außerdem sollte sie sich nicht so anstellen. Sie hatte ja auch schon was mit Enrico gehabt und im Vergleich zu Enrico sah Holger viel besser aus. Wenn alle Stricke reißen würden, konnte er immer noch sagen, dass Vanessa mit Enrico rumgevögelt hatte. Egal wann es war, es würde die Stimmung anheizen. Aber das wollte er natürlich nicht. Nur etwas Spaß mit Vanessa. Dann sah er sie, aber sie ging neben der Hochzeitstorte, die hereingetragen wurde. Holger grinste, dafür hatte er sich noch einen Spaß einfallen lassen. Auf der Torte war das Brautpaar als kleine Skulptur aufgesteckt. Braut und Bräutigam Hand in Hand. Holger hatte eine Spaßfassung davon gekauft, bei dem die Braut den Bräutigam mit nackten Beinen umklammerte, ihn quasi im Stehen bestieg. Wenn man es aus der richtigen Perspektive betrachtete, sah man, dass er ihr sein Ding reinsteckte. Sehr lustig. Nachdem die Torte angeschnitten war und das Blitzlichtgewitter abgeklungen, gab es eine Pause, weil irgendwelche Freunde von Charlotte einen Sketch vorführten. Ratzfatz hatte Holger das Brautpaar auf der Torte ausgetauscht. Dann sah er Vanessa und ging schnell zu ihr rüber, bevor sie wieder entwischen konnte.

Agathe Hollmann, Enricos Erbtante, war etwas schwerhörig, verstand den Sketch nicht und liebte Süßes. Sie pirschte sich an den Kuchen heran und wollte sich einen Nachschlag holen. Dann erblickte sie das Brautpaar auf dem Kuchen und was sie dort taten. Es war zu viel für die herzkranke Dame, die auch mit achtzig Jahren immer noch viel Wert auf ihre Jungfräulichkeit legte. Sie stieß einen spitzen Schrei aus und griff an ihr Herz. Sofort war Enrico zur Stelle und hielt sie. „Meine Herztropfen“, röchelte sie. Allerdings waren die Tropfen nicht in der guten Handtasche, die sie hielt, sondern in der Reisehandtasche, die auf dem Hotelzimmer lag. Enrico griff nach dem Zimmerschlüssel und schoss hinaus.

Aus beruflicher Neugier war auch der Pfarrer, Ernst Getschmann, zu der alten Dame gekommen. Sie hatte seine Predigt während der Hochzeitsmesse als modernes Geschwafel abgetan, aber jetzt verlangte sie nach ihm. Sie winkte ihn näher zu sich und flüsterte in sein Ohr. Sie wollte die Letzte Ölung, denn sie glaubte, dass es um sie geschehen war. Der Pfarrer bat um ein paar frische Tischdecken, die die Hochzeitsgäste um Pfarrer und Agathe spannten, um ihnen etwas Ruhe zu geben. Getschmann hatte bei Hochzeiten nie Krankenöl dabei. Er ließ sich deshalb ein Kännchen Olivenöl (erste Pressung) geben und wollte gerade mit der Zeremonie beginnen, als Enrico mit den Tropfen ankam. Er träufelte seiner Erbtante ein paar Tropfen auf die Zunge und sogleich erhellte sich ihr Gesicht. Nach ein paar Minuten, war sie in der Lage aufzusitzen und verlangte nach einem Stück Kuchen. Dann stand sie auf. Gerade wollte sie sich an ihren Platz setzen, als sie Holger sah, der diese ordinäre Frau im roten Kleid küsste und drückte, während sie ihre Hand in seine Hose zu stecken schien. Agathe, immer noch schwächlich, wurde wieder schwarz vor den Augen und sie fiel Pfarrer Getschmann bewusstlos vor die Füße.

(131) Hoffentlich würde sich Charlotte am Vortag ihrer Hochzeit nicht verspäten…

Hoffentlich würde sich Charlotte am Vortag ihrer Hochzeit nicht verspäten, dachte Vanessa Olberz, die designierte Brautjungfer. Sie wartete vor dem Hotel, in dem Charlotte zusammen mit ihr noch die Dekoration der Hochzeitstafel besprechen wollte. Wenigstens war es warm draußen und Vanessa genoss es, vor dem Eingang im Schatten zu stehen. Sie hielt Ausschau nach dem Mini ihrer Freundin und bemerkte den Hoteldiener, der einen Hund ausführte, erst, als dieser sie fast anrempelte. Er entschuldigte sich und ging weiter. ‚So eine Rasse habe ich ja noch nie gesehen‘, dachte Vanessa. ‚Ganz ohne Fell, eklig. Wenigstens war das Vieh an der Leine. Was die Hundezüchter sich alles einfallen lassen…‘.

Vanessa war innerlich sehr aufgewühlt. Sie hatte sich Charlotte für diese Besprechung fast aufgedrängt, denn sie hatte etwas auf dem Herzen. Bisher hatte sie sich nicht getraut, es zu sagen. Und es wurde immer schwerer. Sie kannte den Bräutigam, Enrico Schwenk, besser als Charlotte ahnte. Allerdings war es sehr harmlos. Einerseits. Sie hatte Enrico kennengelernt, bevor Charlotte dies tat. Sie waren für ein paar Wochen ein Paar gewesen und dann hatte Vanessa keine Lust mehr gehabt. Enrico und sein bester Freund, Holger Ditzel, den sie auch kennengelernt hatte, waren in Vanessas Augen von schlichtem Gemüt. Außerdem war Enrico, trotz des feurigen Namens, eine Lusche im Bett. Holger wahrscheinlich auch, aber diesen Versuch hatte sie nicht unternommen. Die Beziehung war also aus und dann kam Charlotte mit Enrico um die Ecke, wie ein Knochen, den sie im Hinterhof ausgegraben hatte. Das wäre natürlich der richtige Zeitpunkt gewesen, es ihr zu erzählen. Das wusste auch Vanessa. Aber sie hatte keine Lust gehabt und ehrlich gesagt, war es nicht zu erwarten, dass sie den Rohrkrepierer auch noch heiraten würde. Völlig absurd war das.

Vanessa sah Charlotte schon Weitem. Sie war groß, schlank und hätte, in Vanessas Meinung, jeden Typen haben können. Vanessa winkte, Charlotte winkte zurück.

Die ganze Zeit über hatte Vanessa nichts gesagt. Enrico auch nicht, vielleicht aus ähnlichen Gründen. Mittlerweile wäre es oberfaul, Charlotte davon zu erzählen. Sowohl für Vanessa, als auch für Enrico. Sie hoffte, dass auch Holger die Klappe halten würde. Wenn sie daran dachte, dass es nach der Hochzeit vielleicht noch sehr lange so weitergehen könnte, wurde ihr ganz flau im Magen. Was würde passieren, wenn sie jetzt Charlotte auf einen Kaffee einlud und ihr die Geschichte beichten würde? Ihr würde Charlotte vielleicht verzeihen, denn die Situation war nachvollziehbar. Aber würde sie Enrico verzeihen? Die Situation war Dynamit und konnte die Hochzeit noch zum Platzen bringen.

Vanessa lächelte Charlotte an, die etwas echauffiert vor ihr stand und sich für die Verspätung entschuldigte. „Macht nichts“, sagte Vanessa, „es läuft nichts weg.“

(130) An einem Tag im Mai setzte bei Rudger Ney der Verstand aus und er hielt sich für einen Hund.

An einem Tag im Mai setzte bei Rudger Ney der Verstand aus und er hielt sich für einen Hund. Dummerweise geschah es in einem Hotel und er war weder angeleint noch wurde er von einer Aufsichtsperson begleitet. Es geschah im dritten Stock, vor Zimmer 317. Dort stand eine große Vase mit einem Fliederbusch. Im Vorübergehen erhaschte Ney eine Nase voller Blütenduft und dann war es um ihn geschehen. Er riss sich die Kleider vom Leib und drapierte sie in den Fliederstrauß hinein. Dann hockte er sich auf alle viere vor die Vase, schnüffelte an der kühlen Keramikoberfläche, hob das rechte Bein und urinierte dagegen. Er schnüffelte noch einmal und sah dann erstaunt erfreut zu Frau Reimer hoch, die gerade die Tür von Zimmer 317 öffnete, weil sie ihren Mann aus der Fangotherapie abholen wollte. Sie sah den nackten Ney, gab einen spitzen Schrei von sich und schlug die Tür wieder zu. Das Türenschlagen hämmerte in Neys Hirn hin und her und er sagte sich, dass es besser war, jetzt zu gehen. Während Frau Reimer mit zittrigen Händen die Nummer der Rezeption wählte, ging Ney würdevoll auf allen vieren in Richtung Treppe. Weil es ihn amüsierte, setzte er sich mit dem Rücken nach unten auf die Treppe und stieß sich kontrolliert, Absatz für Absatz, die Treppe hinunter, das Hinterteil nach unten, die Beine hinter sich herziehend. So gelangte er zur zweiten Etage, wo ein Paar mittleren Alters ihm mit geöffnetem Mund zuschaute. Er sagte freundlich „Wuff“, sie verharrten aber nur in ihrer Pose, als ob sie aus Gips seien. Erst als Ney auch am Hosenbein des Mannes sein Revier markieren wollte, schlug dieser ihm mit dem Regenschirm in den Rücken. Ney heulte auf, wollte es aber nicht darauf ankommen lassen und bewältigte die nächste Treppe in das erste Stockwerk auf allen Vieren. Dort kam ihm aus der Lobby der Hausdiener entgegen. Der Empfangschef hatte ihn geschickt, um die Beobachtungen von Frau Reimer zu überprüfen. Man war ja an seltsame Gäste gewohnt und so waren zunächst sowohl der nackte Mannshund als auch die geisterhundesehende Frau mögliche Ausprägungen der Wirklichkeit. Der Hausdiener hatte für die Hundevariante eine Leine mit Halsband mitgebracht und für die andere ein Fläschchen Riechsalz, denn das brachte alle Frauen wieder zur Besinnung.

Ney knurrte den Hausdiener an und verkroch sich rückwärts in eine Nische im Treppenhaus. Das war taktisch ganz falsch, denn damit hatte der Hausdiener Ney unter Kontrolle. Er überlegte, was er machen konnte und da ihm nichts Besseres einfiel und er sich unter den Blicken der mittlerweile angesammelten Hausgäste spürte, legte er Ney kurz entschlossen das Halsband um den Hals und klinkte die Leine ein. Ney wollte sich zuerst nicht bewegen und es kostete den Hausdiener ein paar kräftige Züge an der Leine, bis er seine Autorität bewiesen hatte. Ney folgte ihm schließlich. Sie stiegen die Treppe hinunter in die Lobby. Da zumindest an dieser Stelle dem Leinenzwang für Hunde aller Größen im Hotel Folge geleistet war, verlor die Szene für die anderen Hotelgäste nunmehr an Interesse. Der Hausdiener führte Ney durch die Lobby zum Ausgang und dann nach rechts in den kleinen Hotelpark, in den er normalerweise immer Hunde von Hotelgästen ausführte. An dem großen Kastanienbaum ließ er Ney den Hinterlassenschaften anderer Hunde nachschnüffeln, bevor dieser schließlich selbst das Bein hob und seine Marke hinterließ.

(129) Mit heiserer Stimme berichtete Titus, der schwarz-weiße Bobtail, dass Luggi sich ein paar Minuten verspäten würde.

Mit heiserer Stimme berichtete Titus, der schwarz-weiße Bobtail, dass Luggi sich ein paar Minuten verspäten würde. Rex knurrte leise, als Zeichen, dass er verstanden hatte, und las noch einmal den Artikel über den von Hämorrhoiden geplagten Löwen. Er war glücklich, keine solchen Probleme zu haben. Grauenhaft. Dann bellte er Titus zurück in den Empfangsraum und sagte, dass er Malik hereinschicken sollte. Er musste Malik noch ein paar Verhaltensregeln klar machen, um diplomatische Verstimmungen mit Luggi zu verhindern.

Malik, ein noch junger Belgischer Schäferhund, kam mit demütig gesenktem Kopf herein. Rex ging um ihn herum und beschnüffelte ihn. Er tat es nur der Form halber, ohne großes Interesse. Aber als Mastino Napoletano und Chef von Titus und Malik wurde es von ihm erwartet. Malik schnüffelte auch, war aber gar nicht bei der Sache. Rex biss ihm ins Ohr. Malik jaulte kurz, obwohl es nicht wehgetan hatte. Es ging nur noch um den Schein. Rex seufzte und setzte sich wieder auf seine Decke. Er schaute Malik an und der Schäferhund wusste nicht, wohin er blicken sollte. Dann bellte Rex. Nur einmal, unaufgeregt und präzise wie immer. Schließlich schaute er wieder in die Zeitung. Malik ging wieder mit gesenktem Haupt aus dem Zimmer. Rex sah ihm nach. Hoffentlich würde er sich diesmal benehmen. Die letzte Delegation hatte er zuerst mit seinem Knurren verunsichert und dann hatte er einem filzigen Affenpinscher ins Hinterteil gebissen. Das war teuer geworden. Rex wusste, dass Luggi, eine pompöse Bordeaux Dogge, von seiner Beraterin Isa begleitet wurde. Isa war ein etwas verstörter Labrador und Rex hatte Angst, dass sie und Malik sich nicht verstehen könnten. Man würde sehen.

Als von draußen das fröhliche Gekläff von Titus ertönte, wusste er, dass Luggi und Isa angekommen waren. Rex schüttelte die Ohren in die richtige Position und wartete würdevoll auf Luggi. Mit erhobenem Haupt und zusammengekniffenen Augen kam die Bordeauxdogge an. Hier musste Rex sich anstrengen und er schnüffelte an Luggis Hinterteil, streng nach Etikette. Luggi, Rex bemerkte es aus den Augenwinkeln, war ebenfalls mit Eifer bei der Sache, obwohl er eben noch recht arrogant ausgesehen hatte. Sie waren doch beide von der gleichen Schule, Luggi und er. Vielleicht würden sie sich doch einigen können und den Markt zwischen ihnen aufteilen. Rex musste vorsichtig an die Sache herangehen und keinen Fehler machen. Besser sie wiederholten das Treffen noch einmal bei Luggi, als dass er jetzt übermütig wurde. Es stand zu viel auf dem Spiel.

Gerade als Luggi und er die zweite Runde hinter sich gebracht hatte, bei der es mehr um den korrekten Abschluss des Schnüffelns ging, als um die Informationserkenntnis, fuhr ein jähes Japsen in die ansonsten ruhige Stimmung im Empfangszimmer hinein. Es kam von Isa, die noch in der Tür stand und sich mit Titus bereithielt für die sekundäre Beschnüfflungszeremonie. Alle schauten zu Isa. Hinter ihrem Kopf sah man den von Malik, der sie mit freudig heraushängender Zunge bestiegen hatte. Rex blieb zuerst die Sprache weg. Was für ein Fiasko! Dann knurrte er sehr laut und Malik begriff, welchen Fauxpas er eben gemacht hatte. Er sprang nach hinten von der Labradorhündin herunter, überlegte, ob er noch etwas tun könnte und dann lief er von der Bildfläche weg. Rex beugte den Kopf nach vorne und hoffte, dass Luggi ihm, als Zeichen der akzeptierten Entschuldigung, ins Ohr beißen würde.