(104) Im TafelnSchluckenPoppen war Mika um diese Uhrzeit einer der wenigen Gäste.

von Alain Fux

Im TafelnSchluckenPoppen war Mika um diese Uhrzeit einer der wenigen Gäste. Sie bestellte das große amerikanische Frühstück und freute sich, als der Kaffee kam. Nach der ersten Tasse fühlte sie sich wieder klarer im Kopf. Was für eine Nacht, dachte sie. Klang wie ein schlechter Witz: Gehen eine Transe und ein Drag King zusammen ins Bett…

„Hey Mika“, hörte sie eine Stimme. Es war Alex Pesel und er sah mager und bleich aus. Sie kannte ihn, weil er von Aushilfejobs lebte und bei kleineren Konzerten oft die Bühnentechnik aufbaute. „Hey Alex“, antwortete sie, „du siehst ja Scheiße aus.“ Alex war außerdem Punk und man konnte Klartext mit ihm reden. Er schwang seine staksigen Beine über die Stuhllehne und setzte sich neben sie. Sie spendierte ihm einen Kaffee und gab ihm auch von Speck und Eiern ab.

Alex erzählte, dass er zur Zeit auch als Medikamententester arbeitete. „Ich bin das Meerschweinchen. Wird gut bezahlt und man macht sich den Rücken nicht kaputt.“ – „Nebenwirkungen?“ – „Naja, meistens keine. Aber diesmal war heftig. Und dabei war es nicht mal ein Medikament, sondern es ging um so einen kosmetischen Apparillo.“ Mika war interessiert, mehr von ihm zu hören, wollte sich aber das Frühstück nicht mit auslaufenden Körperflüssigkeiten verderben lassen. „Eklig?“ – „Nee.“ – „Dann erzähl.“

Bei der Studie ging es um ein medizinisches Gerät mit dem Strom durch die Haut geleitet wurde, um eine Straffung der Haut zu erzielen. „So eine Art elektrisches Lifting“, erklärte Alex. „Ausgerechnet bei mir. Ab das war wohl diese Stufe in den Tests, wo sie sich Herausforderungen stellen wollten. War gut bezahlt und ich dachte, wenn ich danach besser aussehe, warum nicht. Punk hin oder her.“

Für die erste Stufe der Behandlung wurde Alex an eine Liege festgeschnallt. Eine Krankenschwester nahm einem metallenen Stab, der an einem Ende über ein Kabel mit einer Maschine verbunden war und am anderen eine Kugel von einem Zentimeter Durchmesser trug. „Ein Typ in weißem Kittel stand mit einem Klemmbrett neben der Maschine und schaltete sie ein. Es brummte so elektrisch. Genau konnte ich das nicht sehen, weil mein Kopf und das Kinn ja festgeschnallt waren. Die Krankenschwester setzte dann die Kugel auf mein Gesicht auf. An verschiedenen Stellen, jeweils immer nur für ein paar Sekunden. Damit mussten sie etwas messen, denn die Frau sagte immer Zahlen an den Typ weiter und der notierte alles.“

„Und das war schlimm?“ – Gar nicht, es war angenehm kühl. Außerdem sah die Krankenschwester verdammt scharf aus.“ Mika nickte gnädig. „Aber das war jetzt nicht das Problem, oder? Das klingt doch eher nach einem Softporno.“ – „Das war nur die erste Phase.“ – „Und was war die zweite Phase?“ – „Die zweite Phase war das Problem.“

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