(100) Es war dunkel geworden…

von Alain Fux

Es war dunkel geworden und die Autos fuhren mit eingeschalteten Scheinwerfern die breite Straße entlang. Gotthilf Mertins mochte diese Stimmung, auch wenn es bald Zeit sein würde, nach Hause zu gehen. Neben ihm auf der Bank saß sein langjähriger Freund Hubert Holtz. Die beiden Rentner trafen sich an jedem Tag an dieser Stelle und das sogar zweimal am Tag: einmal vor dem Mittagessen und einmal am Abend. Viel zu reden gab es nicht, sie saßen beide nur da und hingen ihren Gedanken nach.

Gotthilf dachte an Daniela, seine Schwiegertochter, bald Ex-Schwiegertochter. Das war schade. Er hatte sie immer gemocht. Er hatte sie sogar mehr gemocht als schicklich für einen Schwiegervater. Aber er war immer sauber geblieben, hatte sich nichts anmerken lassen. Auch jetzt, nach ihrer Trennung von Hugo, hatte Gotthilf nichts unternommen. Es hätte alles sehr viel komplizierter gemacht. Hugo war ein Dummkopf, Daniela wegen dieser hirnlosen Unterwäscheverkäuferin Karin zu verlassen. Diese Karin hatte Gotthilf von oben herab beghandelt, nicht so warmherzig wie Daniela war.

Hugos schwanzgesteuertes Benehmen war einfach nur peinlich. Das hatte er nicht von Gotthilf. In der Ehe mit Hugos Mutter war Gotthilf immer absolut treu gewesen und auch später, gab es kaum etwas, für das er sich schämen musste. Hugo hatte erzählt, dass Daniela sogar eine Schönheitsoperation hatte machen lassen. Als ob sie das nötig gehabt hätte. Sie sah schon immer richtig scharf aus. Hugo hatte die Operation nicht gefallen, aber nicht ausgeführt warum. Wahrscheinlich hatte er gemerkt, dass er einen Fehler gemacht hatte. Vielleicht sollte Gotthilf sich mal mit Daniela treffen… Zumindest könnte er sich ein Urteil bilden. Hoffentlich würde sie dann nicht glauben, dass Hugo ihn geschickt hatte. Wäre aber auch unwahrscheinlich, denn Hugo nahm für kein Geld der Welt den Rat oder die Hilfe seines Vaters an. Dabei hatte Gotthilf sehr viele Opfer gebracht, damit Hugo vernünftig aufwachsen und studieren konnte. Und jetzt sah er ihn nur sporadisch.

Hubert saß wie immer mit zusammengepressten Lippen am anderen Ende der Bank. Er hatte eine Tochter, mit der auch er nur wenig Kontakt hatte. Huberts Frau musste eine Megäre sein, zumindest nach den wenigen Worten, die Hubert jemals über sie verloren hatte. Und warum saß er sonst jeden Tag mit Gotthilf auf dieser Bank, wenn er eine angenehme Zeit mit seiner Frau verbringen könnte? Gotthilf würde auf jeden Fall lieber mit einer Frau zu Hause sitzen als auf der Bank. Daniela. Was sie wohl an sich hatte machen lassen? Vielleicht ein größerer Busen, um Hugo herumzukriegen. War Hugo ein Busenmann? Gotthilf wusste auch das nicht über seinen Sohn. Er selbst hatte nichts gegen einen festen Busen einzuwenden, die Größe war zweitrangig. Er stellte sich vor, wie er Daniela die Hände auf ihre nackten, festen Brüste legte und wie er ihre harten Nippel unter seinen Fingerkuppen spürte. Zufrieden stellte er fest, dass sein Schwanz bei den Gedanken härter wurde. Er beschloss, Daniela morgen anzurufen. Und wenn es Chaos deswegen geben sollte, dann sei es drum. Er war ein alter Mann und man konnte nicht mehr von ihm erwarten, dass er immer nur vernünftig blieb.

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