(80) Zum Abendessen war Balzer bereits voll wie eine Haubitze.

von Alain Fux

Zum Abendessen war Balzer bereits voll wie eine Haubitze. Nur sein langjähriges Training erlaubte es ihm, ohne aufzufallen, am Tisch zu sitzen. Leutnant Stein hatte sich entschuldigen lassen, nachdem Elke Solak mit ihm einen 50%igen Preisnachlass ausgehandelt hatte.

Dietmar Tollkamp saß am Kopfende und schaute die Tafel hinunter in die Gesichter seiner Mitarbeiter. Das Seminar war ein völliger Misserfolg gewesen, aber wenigstens war jetzt nur noch das Abendessen durchzustehen und dann konnte er auf sein Zimmer gehen.

Das Essen verlief ohne besondere Vorkommnisse. Heidi Strömer flirtete so heftig mit Martin Balzer, als ob er der letzte auf Erden verbliebene Mann wäre. Elke dachte nach, ob sie Kris Senft schon am nächsten Tag einfach mal so anrufen sollte. Tollkamp schaufelte das Essen in sich hinein, kippte zum allgemeinen Amüsement noch einen Schnaps, was er sonst nie tat. Dann verabschiedete er sich. Der Rest der Mannschaft verstreute sich. Manche gingen noch am Strand entlang spazieren, einige verzogen sich auch auf ihr Zimmer, der Rest stand an der Bar.

Als der Barkeeper die letzte Runde verkündete, waren nur noch Heidi Strömer und Martin Balzer übrig geblieben. Martin stützte Heidi, die auch zu viel getrunken hatte und weniger Übung hatte. Martin hingegen sah man nicht an, dass sein Promillewert mittlerweile in dem Bereich war, in dem sogar bei Tötungsdelikten eine verminderte Schuldfähigkeit angenommen wurde.

Als die Bar geschlossen hatte, wollte Heidi Martin mit auf ihr Hotelzimmer nehmen. Martin wollte allerdings noch mal schnell in den Swimmingpool hüpfen. „Nackt!“, sagte er und grinste lüstern. Heidi ging mit.

Der Pool lag abseits des Hotels und war abends mit einem beweglichen Gitterzaun gesichert. Martin verschob ein Element und verschaffte sich und Heidi Einlass. Sie schmiegte sich eng an ihn und legte ihren Kopf an seine Brust. Martin aber suchte nach dem Unterwasserlicht, damit es richtig romantisch werden konnte.

Heidi wartete, während er in der Abstelllaube rumorte, um den Lichtschalter zu finden. Nach einiger Zeit kam er heraus und erschreckte Heike ganz kräftig. In der Laube hatte er ein Lobsterkostüm gefunden und es angezogen. „Damit kann man bestimmt besser schwimmen, als ohne, was, Heidi? Die Biester leben ja schließlich unter Wasser.“

Martin sprang vom Beckenrand in den Pool und machte ein paar Schwimmbewegungen. Heidi überlegte sich, was sie machen wollte und weil es auf dem Liegestuhl so bequem war, schlief sei ein.

Als sie wieder aufwachte, war ihr kalt. Der Mond stand jetzt hinter einer Wolke. In der Dunkelheit konnte sie nichts sehen und torkelte schließlich zum Hotel zurück. Sie legte sich alleine in ihr großes gemütliches Bett und schlief gleich wieder ein.

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