(79) In der Kaffeepause nahm Dietmar Elke beiseite.

von Alain Fux

In der Kaffeepause nahm Dietmar Elke beiseite. „Was hast du dir dabei gedacht? Das soll ein Motivationskurs sein?“ Elke entschuldigte sich. Sie hatte zwar keine konkreten Vorstellungen gehabt, wie Leutnant Stein bei seinem Vortrag vorgehen würde, aber so etwas hatte sie keinesfalls erwartet. Sie schlug Dietmar eine Programmänderung vor. „Einverstanden. Alles ist besser als dieses Geschwafel.“

Elke zog Stein in ein Nebenzimmer und schloss die Tür. „Danke für die Ausführungen, Leutnant Stein. Ich denke, die Gruppe hat die wesentlichen Grundzüge verstanden. Wir würden gerne das Programm etwas abändern.“

Stein schaute sie mit versteinerter Miene an. Sie wiederholte ihre Bemerkung und fügte hinzu: „Könnten wir etwas machen, das etwas… wie soll ich sagen… praktischer, konkreter ist?“

„Hören Sie, gute Frau. Sie haben bei mir einen Kurs gebucht und den führe ich auch durch. Das ist hier kein Wunschkonzert. So nach dem Motto, wasch mich, aber mach mich nicht nass. Diesen Vortrag sauge ich mir ja nicht aus den Fingern. Den habe ich schon in Brüssel bei der NATO gehalten. Da war ein General dabei und der fand meine Ausführungen so gut, dass er mich bat, ihm mein Skript zu schicken.“

„Nun ja, Leutnant Stein. Wir sind aber hier nicht bei der NATO, sondern bei der Agentur Tollkamp Senft & Partner. Und Herr Tollkamp ist nicht ganz zufrieden mit dem Ablauf. Er zahlt die ganze Veranstaltung und deshalb kann er auch sagen, wenn er etwas ändern möchte, oder?“

Leutnant Stein starrte an Elke vorbei auf die Tür. Es war, als ob er sich überlegte, jetzt durch diese Tür zu treten und Tollkamp im Nahkampf zur Strecke zu bringen.

„Gut“, sagte er schließlich, denn er hatte noch nicht einmal eine Anzahlung erhalten. „Was schwebt Ihnen vor?“

Elke dachte nach. „Ich weiß nicht… Vielleicht… Wir haben für nachher eine Bootsfahrt geplant. Die könnte man vielleicht vorziehen und dabei militärische… taktische Elemente mit einbringen…“

So kam es, dass die Urlauber, die sich auf der Sonnenterrasse des Fischers Fritz hingelegt hatten, die Patrouille eines Geschwaders von Tretbooten in Schwanengestalt zu sehen bekamen. Leutnant Stein war zwar eigentlich vom Heer, aber das spielte hier keine Rolle. Er ordnete die Zivilisten und ihre Tretboote in eine V-Formation mit ihm an der Spitze. So fuhren sie um die Landzunge herum in den Flusslauf und dann weiter flussaufwärts.

Ein musikbeflissener Urlaubsgast rief von der Sonnenterrasse hinunter zum Fluss: “ Am Kettlein, das ich um ihn wand, ersah ich wohl, wer jener Schwan: Es ist der Erbe von Brabant!“

Es war ein erhebender Anblick. Das fand auch Martin Balzer, der sich geweigert hatte auch nur einen Fuß ins Pedalo zu setzen. Er hatte sich an die Bar verzogen und genehmigte sich den ersten Jim Beam des Tages. Durch das Fenster prostete er der Schwanenarmada zu.

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