(77) Meinetwegen nehmen wir diesen Motivationstrainer der Bundeswehr.

von Alain Fux

„Meinetwegen nehmen wir diesen Motivationstrainer der Bundeswehr.“ Dietmar Tollkamp schob das Papier mit den verschiedenen Alternativen zurück an Elke Solak, die Office Managerin von Tollkamp Senft & Partner. Sie hatte schon seit Monaten immer wieder ihren Chef bearbeitet, ein Motivationsseminar für das Team durchzuführen. Endlich hatte er zugestimmt.

Es war nicht so, dass Dietmar Tollkamp nicht merkte, dass es in der Online-Agentur nicht rund lief. Seit Kris Senft, der zweite Gründungspartner, die Agentur verlassen hatte, war auch die gute Laune weg. Die Mitarbeiter erledigten zwar weiterhin ihren Job und es gab auch keine Klagen von den Kunden. Aber es war alles viel verkrampfter und die Energie im Unternehmen floss nicht mehr so frei, wie das mit der Frohnatur Senft gewesen war. Tollkamp selbst war eher introvertiert und überließ die Probleme eher sich selbst, als dass er sie mit Schwung angegangen wäre. Am liebsten war es ihm, wenn seine Mitarbeiter die Dinge unter sich klärten. Die unterschiedlichen Auffassungen waren auch der Grund, warum Senft ausgeschieden war. Kurz darauf hatte er eine neue Firma gegründet und gleich auch noch ein paar Kunden mitgenommen. Aber das konnte man ja nicht verhindern. Dafür waren die verbliebenen Kunden umso loyaler.

„Gut“, fasste Elke Solak zusammen. „Ich buche also diesen Leutnant Hanno Stein und seinen Kurs ‚Team or bust‘. Die Zimmer in Fischers Fritz sind gebucht. Vor dem Abendessen könnten wir noch eine gemeinsame Tour mit den Tretbooten des Hotels unternehmen. Das geht den Fluss hoch und soll sehr gesellig sein. Was meinst Du?“

Tollkamp starrte auf seinen Bildschirm. Er war mit den Gedanken schon woanders und Elke wiederholte ihre Frage. „Ich weiß nicht. Passt das denn in das Programm von diesem Leutnant? Vielleicht solltest du dich mit ihm abstimmen. Ich bin auf jeden Fall einverstanden.“

Elke hatte begriffen. Er gab ihr freie Hand bei der Organisation, wollte selbst aber nicht damit behelligt werden. Damit konnte sie leben.

„Gut, ich kümmere mich um das Weitere und schicke dann einen Plan an alle raus. Oder willst du das übernehmen?“ – „Nein, mach nur. Ich habe diese Tage auf jeden Fall bei mir geblockt.“

Das wäre ja noch schöner, dachte Elke und ging aus dem Büro, um diesen Ex-Leutnant der Spezialeinheiten anzurufen. Sie hatte von ihm in einer Fachzeitschrift für Psychologie gelesen. Er war wohl in der Lage, auch die schwierigsten Teams zusammen zu schweißen. Genau das, was Tollkamp Senft & Partner gerade brauchte. Und wenn das nicht helfen würde, konnte sie sich immer noch bei Kris Senft bewerben. Wie sie gehört hatte, stellte er ständig weitere Leute ein.

Advertisements