(75) Milko brachte Aldo zu seiner Höhle, einem niedrigen Ausbruch in einer Felswand direkt am Fluss.

von Alain Fux

Milko brachte Aldo zu seiner Höhle, einem niedrigen Ausbruch in einer Felswand direkt am Fluss. Gemütlich lagen sie in der Dunkelheit zusammengerollt hinter einem Felsbrocken. Im Hintergrund gurgelte der Fluss beruhigend. So hatte Aldo sich die Freiheit vorgestellt. Er hatte zwar etwas Hunger, aber man konnte am ersten Abend nicht alles erwarten. Es war schade, dass Macho nicht dabei war.

Milko erzählte von einer Episode in seinem Leben, als er in einem Fischrestaurant lebte.

„Es war Zufall, dass ich dort unterkam“, erzählte Milko. „Ich kannte mich am Hafen nicht so gut aus, weil dort vorher Gunnar lebte, ein fieser Dobermann, den ich unbedingt meiden musste. Aber das ist eine Geschichte, die ich dir ein anderes Mal erzählen werde. Als ich hörte, dass Gunnar von einem Lastwagen überfahren wurde, machte ich mich auf, um das Gebiet zu erkunden. An der Anlegestelle gab es ein Fischrestaurant, dessen Fassade komplett rot gestrichen war. ‚Fischers Fritz‘ hieß es. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, Aldo, aber ich bin kein wirklicher Fischliebhaber. Schon allein wegen der Gräten. Aber der Geruch von den Mülltonnen neben dem Restaurant war schon sehr anziehend, wie du dir vorstellen kannst. Als ich in die Nebenstraße einbog, stand ich einer Gang von fünf oder sechs Katzen gegenüber. Keine fluffigen Muschikätzchen, sondern brutale Streetfighter mit zerkratzten Gesichtern und rasiermesserscharfen Krallen. Diese Viecher hatten nichts zu verlieren. Sie fingen auch gleich an zu fauchen und zu buckeln. Das ganze Programm halt. Aber Milko lässt sich so etwas nicht gefallen. Ich auf sie drauf, ohne langes Nachdenken. Wie wild biss ich um mich und konnte gleich im ersten Ansturm drei von ihnen vertreiben. Von den Übrigen war einer der Anführer. Ein schwarz-weiß gefleckter Kater, der alle schmutzigen Tricks drauf hatte. Es war am Ende ein Kampf er gegen mich.“ Milko machte eine Kunstpause, bis Aldo fragte, wie es weiterging. „Nun, um es kurzzufassen, ich habe ihn besiegt. Ich blutete zwar an der Schnauze, aber ich hatte gewonnen. Das gefiel dem Restaurantbesitzer, der ein Problem mit der Gang hatte. Er stellte mich ein und gab mir zu fressen. Mit großem Vergnügen stellte ich fest, dass das Restaurant auch Steaks servierte. Das gefiel mir. Es war ein schönes Leben. Was mir nicht so gefiel, war der Ablauf im Restaurant selbst. Der Besitzer hatte sich eine Attraktion ausgedacht, die aber sehr peinlich war. An einem Moment am Abend mussten sich die Kellnerinnen als Hummer verkleiden und den Gästen einen Tanz vorführen. Den Hummertanz.“ – „Nein, wie unangenehm“, sagte Aldo. „In der Tat. Jeden Abend dasselbe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es den Gästen gefiel. Zumindest war es laut und ich nutzte immer diesen Augenblick, um bei den Mülltonnen nach dem Rechten zu suchen und die Katzengang aufzumischen.“

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