(64) Wider Erwarten fand Miss Sanchez den nackten Thilo Bieber amüsant.

von Alain Fux

Wider Erwarten fand Miss Sanchez den nackten Thilo Bieber amüsant. Er war verantwortlich für die Entwicklung von Sicherheitskonzepten aller Art. Für Konzerne, Museen oder Freizeitparks. Wenn neue Gebäude oder Parks geplant wurden, war er mit an Bord und beriet die Architekten bei Fragen der geordneten Bewegung von Menschen.

„Crowd Management, heißt das auf Englisch. Und wenn ich amerikanische Kunden habe, dann sage ich immer: ‚Nobody is better at Crowd Management than a Kraut.'“

Als er noch jünger war, hatte Thilo einen Schwerpunkt bei Großkonzerten. „Das ist noch etwas ganz anderes. Wenn Du ein Freiluftkonzert hast, wie bei den Stones, dann ist alles immer neu. Du weißt nicht, wie die gewaltigen Menschenmassen reagieren werden. So was wie Altamont 1969 war eine Katastrophe. In meiner Branche ist das immer noch das Negativbeispiel schlechthin. Das hatte auch jemand wie Keith Richards hart getroffen, was man ja nicht glauben würde.“

Thilo erzählte, dass er mit dem Gitarristen der Stones befreundet sei, seit er die Gruppe 1981 bei ihrer USA-Tournee betreute.

„Die Stones sind nicht so mein Fall“, meinte Silke. „Ich stehe mehr auf David Bowie.“

Thilo sagte, dass er David Bowie zum ersten Mal in 1983 in New York getroffen hatte. „Das war bei einer Party, ich weiß nicht mehr wo. Ich kam im Schlepptau von Keith an, der sich aber vor allem um seine Flasche Jack Daniels kümmerte. Tina Turner war auch noch da. Und David Bowie. Keith konnte ihn nicht ausstehen. Er sagte, dass es bei Bowie nicht um Musik ginge, sondern nur um das Posieren. Aber hey, Keith ist schon eine harte Nummer. Ich glaube, er war vor allem neidisch auf Bowie, weil der gerade das Let’s Dance-Album herausgebracht hatte und damit mordsmäßig Erfolg hatte. Bei den Stones war es 1983 ja nicht so toll und Mick und Keith hatten immer mehr Probleme untereinander.“

Silke nickte. Musikerstories interessierten sie immer. Thilo praktizierte zwar schamloses Namedropping, aber in einer Art, dass man seinen Geschichten glauben konnte.

Als er sie fragte, ob er ihr noch einen Drink spendieren konnte, bemerkte sie, dass es für sie höchste Zeit war, sich für ihren Auftritt zurechtzumachen. Thilo sagte, dass er an der Bar auf sie warten würde. „Wir werden sehen“, sagte Silke. Es war auf jeden Fall besser, als zwischen den Auftritten in der engen Garderobenkabine zu sitzen und Kreuzworträtsel zu lösen.

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