(53) Die Aktion der Affenbefreiung war von langer Hand vorbereitet worden.

von Alain Fux

Die Aktion der Affenbefreiung war von langer Hand vorbereitet worden. Ferd Schöttner, Petra Mosinski und Ecki Beier hatten sich ganz konspirativ von den anderen Tierschützern abgesondert. Diese Aktion sollte nicht dadurch schieflaufen, dass ein nur am Rande Beteiligter sich verplapperte.
Ecki hatte sich bei der Testfirma beworben und war wohl deshalb genommen worden, weil er angesichts des niedrigen Stundenlohns nicht mit der Wimper zuckte. Es interessierte keinen, dass er schon mal im Zoo gearbeitet hatte und ein Biologiestudium abgebrochen hatte. So war er zum Affenrasierer geworden. Dass dies der inoffizielle Name seiner Position war, verschwieg er Ferd und Petra, denn es klang nach gar nichts. Aber es war ja nur vorübergehend gewesen. Heute war der Tag.
Ecki schob alleine Nachtwache – ein öder Job, dessen Ziel es eigentlich war, Leute wie ihn vom Gelände fernzuhalten. Um zwei Uhr früh schaltete er die Videoüberwachung aus. Dann ging er zum Cargodock, an dem die Affen angeliefert wurden und entriegelte die Tür. Kurz darauf kamen Ferd und Petra herein. Sie waren dunkel gekleidet und erst als sie im Gebäudeinnern waren, zogen sie die Sturmhauben vom Kopf. Er führte die beiden in den großen Raum mit den Affenkäfigen. „Wow“, sagte Petra, „das ist ja krass.“ Ecki nickte. „Es sind 173 Käfige. Wir haben ein schweres Stück Arbeit vor uns. Wo habt ihr den LKW geparkt?“ Er bekam keine Antwort. Ecki schaute Ferd an. „Weißt du Ecki, wir machen das anders. Wir können die Affen ja gar nicht retten… Petra und ich haben vorhin gesagt, dass wir die Affen einfach nur freilassen wollen. Verstehst du? Maximum Chaos veranstalten…“
Ecki war fassungslos. Die Operation war im Detail geplant gewesen und jetzt hatte dieser Volltrottel im letzten Augenblick seinen Sinn für Improvisationen entdeckt. Ohne Lastwagen hatte es keinen Zweck und die Aktion zu verschieben war auch keine Möglichkeit, denn man hatte Ecki bereits gekündigt.
„Na gut“, sagte er äußerst kühl, „dann versuch doch mal, einen Affen aus seinem Käfig zu befreien.“ Ferd zierte sich, aber Ecki bestand darauf. Ferd öffnete einen der Käfige. Der Affe darin starrte ihn nur an. Ferd klopfte auf den Käfig. Nichts geschah. Dann griff er hinein und wollte den Affen am Arm herausziehen. Aber der Affe biss Ferd nur in den Arm, sodass dieser laut aufschrie. Ecki machte den Käfig wieder zu. „Die Affen wollen da nicht raus. Denen wird dann kalt, du Vollpfosten.“
„Was geht hier vor sich, Herr Beier?“ Dr. Bianca Gebenroth stand mitten im Labor. Ecki wusste nicht, wie lange sie schon da war. Der Plan war eh‘ aufgeschmissen. Wenigstens seine eigene Flucht hatte er selbst organisiert, denn er musste sich auf jeden Fall absetzen.
Dr. Gebenroth kam auf ihn zu. Ihre Haare sahen ungewohnt durcheinander aus, fand Ecki. Sie drohte mit der Polizei und nahm ihr Handy aus der Kitteltasche. Als sie es an ihr Ohr hob, griff Ecki blitzschnell ihr Handgelenk und fixierte sie mit einer der Schlaufen, die von der Decke baumelten. Mit der anderen Hand machte er das Gleiche. Sie spuckte ihm ins Gesicht. Dann nahm er den Affenrasierer und bevor Ferd oder Petra eingreifen konnten, rasierte er Frau Dr. Bianca Gebenroth die lockigen Haare vom Kopf.

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