(52) „Es sind heute Nacht neue Affen angekommen“, sagte Ecki Beier.

von Alain Fux

„Es sind heute Nacht neue Affen angekommen“, sagte Ecki Beier. Er hatte sich direkt hinter Dr. Bianca Gebenroth positioniert und roch den Duft ihrer frisch gewaschenen Haare. „Ich weiß“, antwortete sie, ohne sich umzudrehen. „Wo ist das Problem?“
Ecki Beier war das Problem. Der Kerl dachte wohl, dass er das Alphamännchen im Labor sei. Wahrscheinlich weil er mehr Körperbehaarung hatte als alle anderen. Inklusive der Affen. Seit er vor zwei Monaten in der Forschungseinrichtung angefangen hatte, stellte er ihr nach und schien außerstande, Ablehnung zu begreifen. Sie würde mit dem Personaler reden, dass er Beier in der Probezeit kündigen sollte. Er nervte einfach nur.
„Gleiche Prozedur wie immer?“, fragte Beier und schaute an Biancas Kittel hinunter auf ihr Hinterteil. „Natürlich antwortete sie, „was sonst?“ – „Gut, Frau Doktor. Dann werde ich mal den Barbier machen.“ Beier trottete davon. Bianca richtete sich auf und entspannte sich. „Affenarsch“, fuhr es ihr durch den Kopf. Dann widmete sie sich wieder dem wirklichen Affen, der vor ihr lag. Unterhalb des Kopfes war das Tier völlig enthaart. Als sie im Labor anfing, hatte sie Bedenken. Dann machte sie sich klar, dass es weitaus schlimmere Labore gab, in denen die Tiere fixiert wurden und Elektroden im Hirn trugen. Im Vergleich dazu war die Teststation für Dermatologie ein Feriencamp. Es war sogar recht warm im Labor, sodass die nackten Affen nicht frieren mussten. Die Versuchskandidaten wurden mit Salben eingerieben und dann stellte sie fest, ob es irgendwelche Nebenwirkungen gab. Sie untersuchte jeden der Affen mindestens einmal in der Woche, bei Auffälligkeiten täglich und trug die Erhebungen in die Formulare ein.
Beier war einer der Hilfsarbeiter, die für sie arbeiteten. Er war für die tierpflegerischen Aktivitäten eines Teils der Affen verantwortlich. Er fütterte sie und hielt ihre Käfige sauber. Und er nahm Neuankömmlinge entgegen und gab ihnen ihre erste Vollrasur. Dazu wurden die Tiere mit Händen und Füssen freistehend an Ketten fixiert, damit der Affenrasierer, Beiers inoffizielle Jobbeschreibung, gut von allen Seiten an sie ran kam.
Lautes Gekreische verriet Bianca, dass Beier sich gerade mit einem der neuen Affen beschäftigte. Das machte einige der anderen Tiere ebenfalls nervös und bald gab es, wie immer, ein lautes Gezeter im ganzen Labor. Eigentlich hatte sie schon seit längerem angeregt, die Affen in einem separaten, schalldichten Raum zu rasieren, aber es gab, sagte man, keinen Platz dafür. Vielleicht hing es auch mit Beier zusammen, der bestimmt kein großes Feingefühl an den Tag legte. Vielleicht sollte man ihn auch rasieren, bevor er aus der Probezeit herausgeschmissen wurde. Es würde seine Resozialisierung draußen bestimmt erheblich verbessern. Über diesen Gedanken musste sie schmunzeln.
Dann widmete sie sich wieder der offenen, nässenden Wunde am Bauch eines Affen. Die neue Rezeptur der Anti-Aging-Cream war immer noch nicht einwandfrei. Es war einfach unsinnig, unter diesen Umständen Massentests durchzuführen.

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