(50) Billy der Hamster machte sich Vorwürfe.

von Alain Fux

Billy der Hamster machte sich Vorwürfe. Er hatte Bibi im Stich gelassen. Jetzt würde alle Grausamkeit der beiden Kinder Bibi alleine treffen. Und sie hatte niemand, der sie trösten konnte. Das waren die ersten Gedanken, als Billy im hohen Gras neben dem Stamm der Pappel lag. Langsam konnte er wieder ruhig atmen und sein Herz schlug nicht mehr so schnell, als ob es aus ihm herausbrechen wollte. Er traute sich nicht, zwischen den Halmen zurückzuschauen. Er war jetzt frei. Frei und voller Schuldgefühle. Er sollte sich besser noch weiter entfernen, denn wenn sie erst nach ihm suchten, wäre seine Flucht erschwert. Hinkend entfernte er sich weiter vom Haus. Alles war für ihn unbekannt. Es war das erste Mal, dass er überhaupt draußen war, wenn man einmal davon absah, dass er ab und zu im Käfig ins Auto und zurück getragen wurde.
Wie er darüber nachdachte, gab es einiges, was ihm nicht einleuchtete. Zum Beispiel hatte er Hunger und Durst. Aber wo würde er Futter finden, denn das gab es nur im Käfig, und den hatte er für immer hinter sich gelassen. Gab es noch weitere Hamster hier draußen? Seit er als Kind verkauft worden war, hatte er außer seiner Schwester Bibi niemanden sonst gesehen. Was wohl mit den anderen geschehen war? Es waren so viele gewesen und er war sich nicht sicher, ob er alle wiedererkennen würde. Vielleicht würde er auf seinen weiteren Reisen die Geschwister wiedersehen. So groß war die Welt doch auch nicht. Schnell kam er nicht voran mit dem Bein. Außerdem war es mühsam. Deshalb lief er auch nicht viel im Rad. Nicht wie Bibi, die davon nicht genug bekommen konnte. Jetzt hatte sie das Rad vollständig für sich alleine. Und die viele Nahrung, auch hier brauchte sie nicht zu teilen. Dafür war Billy frei. Er gähnte, denn es wurde langsam dunkel. Mit der Zeit hatte er sich den Tagesrhythmus der Menschen angewöhnt. Aus der Kindheit wusste er noch, dass er eigentlich nachtaktiv war, aber Billy hatte sich noch nie in Schubladen stecken lassen. Das war eher der Fall bei Bibi. Es war wahrscheinlich ganz gut, dass er jetzt weg war. So richtig hatte er noch nie in diesen Käfig hineingepasst.
Billy trug ein paar Blätter zusammen und legte sich darauf. Der weite dunkle Himmel über ihm machte ihm Angst und er stellte sich vor, dass es nur eine schwarze Wolldecke war, die über dem Käfig hing. Die Augen fielen ihm zu und er schlief ein.
Billy träumte davon, dass er sich in einen Jungen wie Nico verwandelte. Sein Fell wurde dunkel, sein Körper dehnte sich und sein Gesicht und der Körper waren nur noch von rosafarbener Haut bedeckt. Billy schüttelte seinen Arm und stellte freudig fest, dass der Bruch vollständig geheilt war. Vor Freude ballte er die Faust und stieß den Arm in den Himmel, wie er es bei Nico gesehen hatte. Der Nico, der sich jetzt vor Billys Augen in einen kleinen Affen verwandelte. Billy hatte diese Tiere im Fernsehen gesehen und fand, dass sie eigentlich wie stark behaarte Menschen aussahen.

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