(35) Es war bestimmt schon das zwölfte Mal, dass Dietmar Pitz Papua-Neuguinea bereiste.

von Alain Fux

Es war bestimmt schon das zwölfte Mal, dass Dietmar Pitz Papua-Neuguinea bereiste. Meistens war er auf Papua unterwegs gewesen, je einmal auch in Bougainville und in New Britain. Diesmal war er auf der anderen Seite der Bismarcksee, nämlich in Neu-Irland. Der Weiterflug nach Kavieng war problemlos verlaufen und das Tree House Hotel hatte ihn vom Flughafen abholen lassen. All das schien ihm ein Vorzeichen, dass er bei seiner Suche Erfolg haben würde.
Als er seinen Koffer in dem Strandbungalow des Hotels abgestellt hatte, rief er Guy Morton an. Morton sollte sich hier am besten mit den lokalen Masken auskennen, hatte ihm sein Kontakt in Port Moresby gesagt. Morton war Brite, lebte aber schon sehr lange in Kavieng. Dabei war er wohl in alle möglichen Aktivitäten involviert. Ein gewiefter Geschäftsmann, hatte man Pitz gesagt. Indigene Masken sollten sein Hobby sein.
Unter Mortons Nummer ging niemand ran. Pitz ging zur Rezeption im größten der Hotelgebäude und fragte den jungen Mann, der die Geschäfte führte, ob er Morton kenne. Der junge Mann bejahte dies, schaute auf die Uhr und meinte, dass Morton üblicherweise in exakt einer halben Stunde ins Hotel kommen würde, um einen Drink einzunehmen.
Pitz setzte sich selbst an die Bar und wartete.
Nach genau einer halben Stunde sah Pitz wie ein Mann, augenscheinlich ein Europäer, in die Hotellobby trat. Der junge Mann vom Empfang begrüßte ihn und wies in Pitz‘ Richtung. Der Mann nickte und kam zur Bar. Er war Ende Fünfzig, hatte einige Kilo zu viel auf den Rippen und trug eine dicke schmierig aussehende Hornbrille. Auf der Schulter seiner Lederjacke wippte ein grüner Papagei. Instinktiv schaute Pitz nach dem Holzbein, aber Morton schien noch alle Gliedmaßen zu besitzen. „Sie sind also dieser verrückte Maskensammler“, begrüßte er Pitz mit ausgestreckter Hand. Pitz lachte und hielt sich zurück, etwas Ähnliches zu entgegnen, denn er war sich nicht sicher, ob Morton einen Scherz gemacht hatte oder nicht. Der Engländer brauchte zunächst einen ordentlichen Gin Tonic. Er trank sein Glas recht schnell und mit großer Konzentration leer. Bevor Pitz das Anliegen seiner Reise erklären konnte, brauchte Morton bereits Nachschub. Erst dann schien er sich zu entspannen und stellte Pitz ein paar Fragen. „Ich habe keine Ahnung von dem Zeug. Ab und zu gibt es diese Malaga-Veranstaltungen, aber ich glaube, das ist nur ein Vorwand zum Saufen.“ Dann erklärte Morton, dass er eine junge Mitarbeiterin habe, die sich besser auskannte und er sie Pitz schicken würde, um ihn zu unterstützen. Pitz bedankte sich und wollte Morton zum Essen einladen. Morton entschuldigte sich, er wolle nur noch ein Glas trinken und dann müsse er weiter.
Als Pitz später aus dem Restaurant kam, saß Morton immer noch an der Bar. Pitz schlich sich nach draußen und hoffte, dass Morton sein Anliegen nicht vergessen hatte.

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