(25) Nach einiger Zeit öffnete sich die Terrassentür und ein Balinese kam herein.

von Alain Fux

Nach einiger Zeit öffnete sich die Terrassentür und ein Balinese kam herein. Er trug einen Anzug, sah offiziell aus. Er stellte sich vor. Später konnte Diane in den Papieren nachlesen, dass er Anak Mantra geheißen hatte. Ein Polizist. Er sprach Englisch mit ihr, war sehr höflich. Er fragte zuerst nach ihrem Namen und wollte ihren Pass sehen. Dann erkundigte er sich, ob sie mit Daniel Michels verwandt sei. „Befreundet“, sagte sie und auch das klang schon falsch. Mantra erklärte ihr, was sie unterbewusst schon gedacht hatte. Daniel war tot. Der Ermittler wollte es ihr behutsam erklären, aber es gelang ihm nicht so richtig, registrierte sie. Sie fragte nach, wie es geschehen war. Mantra erklärte, dass der Tauchlehrer den Nachttauchgang abgesagt hatte, weil das Tauchboot einen Defekt hatte und an dem Abend nicht mehr repariert werden konnte. Daniel musste dann auf der Rückkehr zu dem Cottage auf einen Angreifer gestoßen sein. Es sei zu einem Handgemenge gekommen. Unklar zwar, wie es abgelaufen war, aber am Ende lag Daniel mit gebrochenem Genick da. Die genauen Umstände des Todes würde man noch ermitteln müssen. Mantra sagte, dass es ihm sehr leidtäte und dass er verstehen konnte, dass es ein großer Schock für Diane war. Dennoch müsse er sie fragen, ob ihr irgendetwas aufgefallen sei, als sie auf der Terrasse saß. Er hatte die kleine Flasche Wein draußen gesehen, und daraus geschlossen, sagte sich Diane, dass sie dort gesessen hatte.

Sie erzählte dem Ermittler den Hergang aus ihrer Sicht. Allzu viel war es ja nicht. Eigentlich nur Geräusche. Mantra nickte. Er fragte, ob sie denn neben den Geräuschen vielleicht noch etwas gesehen hatte, als der Täter weglief.

Diane erzählte ihm von der Amöbe. Seinen richtigen Namen kannte sie nicht. Mantra rief kurz den Empfangsmitarbeiter herein, der aus dem Hotelregister vorlas, dass der Gast, den Diane meinte, wahrscheinlich Jochen Krüger sein müsse.

Mantra ließ Krüger gleich herholen. Als er vor dem Ermittler und vor Diane stand, gab sich der Dicke zwar ahnungslos, wirkte aber schuldbewusst auf sie. Mit einer hohen Fistelstimme und einem grauenvollen Englisch erklärte er, dass er geschlafen habe und gar nicht wisse, worum es gehe. Der Polizist, der ihn herbeigebracht hatte, erklärte, dass Krüger nicht im Bett gewesen war. Mantra fragte, ob Krüger zugebe, in den letzten Tagen Diane hinterher gestiegen zu sein. Er leugnete es zuerst, aber als Diane dann mehrere Beispiele gab, knickte er ein. Ja, er habe gerne geschaut, wie Diane da saß und es für falsch gehalten, dass ihr Freund diese tolle Frau alleine ließ. Auf Nachfragen von Mantra zierte er sich zuerst, gab dann aber auch zu, dass er Diane aus den Gebüschen heraus auf der Terrasse beobachtet hatte. Der Ermittler arbeitete sich schrittweise voran und schließlich erzählte Krüger, dass er eine, wie er sagte „Schubserei“ mit Daniel gehabt hatte und dass Daniel irgendwie gestürzt war. Daraufhin habe er, Krüger, das Gebüsch schnell verlassen. Er habe angenommen, dass Daniel schnell wieder auf den Beinen sein würde, um ihn zu verfolgen. Deshalb sei er weggelaufen und habe sich in seinem Zimmer versteckt. „Das werden wir noch sehen“, meinte Mantra.

Diane musste ihre ganze Aussage am nächsten Tag noch zu Papier bringen und dann war sie frei, zurück in die Heimat zu fliegen. Mantra brachte sie selbst zum Flughafen. „Selamat jelan“, sagte er, als er ihren Koffer vor den Check-in Counter stellte.

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