(24) Noch zwei Tage. Diane hatte noch keinen Urlaub erlebt, den sie so rasch beenden wollte.

von Alain Fux

Noch zwei Tage. Diane hatte noch keinen Urlaub erlebt, den sie so rasch beenden wollte. Zwischen ihr und Daniel lief überhaupt nichts richtig. Er hatte sich auf die Couch im Wohnzimmer zurückgezogen, denn es gab keine anderen freien Cottages mehr. Dass er diese Nacht noch einen Tauchgang in Adi Assri geplant hatte, war ihr nur recht. Eddy, der nette Tauchlehrer kam vorbei, um Daniel abzuholen, und hatte ein wenig mit ihr geredet. Er hatte noch einmal versucht, sie zu überzeugen, doch wenigstens einen Tauchgang zu versuchen. Aber es war zwecklos. Er und Daniel fuhren dann weg und sie hatte wieder ihre Ruhe.

Später ging sie zum Abendessen. Sie beschloss, den letzten ruhigen Abend auf Bali zu genießen, und bestellte sich eine Flasche teuren Rotwein. Sie war sich bewusst, dass die Amöbe sie wieder anstarrte, aber es bedeutete ihr nichts. Wie erstaunlich es doch war, dass man sich an alles gewöhnen konnte.

Nach dem Essen ging sie noch einmal an die Bucht. Sie stellte sich ans Ende des Bootsanlegestegs und spürte den frischen Wind auf ihren Schultern. Dann kehrte sie zum Cottage zurück. Sie nahm sich noch eine kleine Flasche Wein aus der Minibar und setzte sich damit auf die Terrasse.

Es war an der Zeit, dass sich ihr Leben änderte. Dieser sinnlose Urlaub würde eine gute Zäsur sein. Diese vergeudeten Abende, die sie damit verbrachte, etwas zu finden, was es gar nicht gab – damit musste es ein Ende haben. Jahrelang hatte sie versucht, Abenteuer in ihr Leben zu bringen. Dann kam dieser Urlaub, den sie aufsaugte wie ein trockener Schwamm. Aber es brachte kein Abenteuer, sondern nur Frust und Enttäuschung. Sie war nicht geschaffen für ein Leben in Abenteuer. Es war an der Zeit, sich das einzugestehen. Und entsprechend zu handeln.

Sie war in Gedanken versunken, als es plötzlich unterhalb der Terrasse zu einem Geschrei kam. Sie konnte Daniels Stimme erkennen, der schrie: „Was machen Sie hier? Sie perverser Spanner, schämen Sie sich!“ Dann knackte und rauschte es im Gebüsch, als ob ein Kampf stattfand. „Ich werde das Hotel informieren. Die Polizei holen!“ Dann wieder Knacken, ein leiser Schrei und ein dumpfes Aufschlagen. Diane konnte sich nicht bewegen. Dann rauschte es wieder im Gebüsch. Im Gegenlicht eines anderen Cottage konnte sie eine massige Gestalt ausmachen. Die Amöbe, dachte sie. Es war still. Aus der Ferne hörte sie das Meeresrauschen. Sie saß nur da. Eine unbestimmte Zeit später merkte sie, wie ihr kalt wurde. Sie ging in das Cottage hinein und rief den Empfang an. Sie setzte sich aufs Bett und tat nichts. Draußen sah sie das Licht von Taschenlampen umherschwenken und sie hörte Männerstimmen, die auf Indonesisch unterhalb der Terrasse diskutierten.

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