(21) Daniel hat Sie angerufen.

von Alain Fux

„Daniel hat Sie angerufen.“ Fast ließ Gabriel es wie eine Frage klingen. Der bullige Türsteher nickte und ließ Gabriel und Flip durch die Stahltür durchgehen. Sie waren im Untergeschoss eines ehemaligen Kaufhauses, es roch modrig und vom Ende des langen Ganges, in dem sie standen, drang laute Musik zu ihnen. ‚Touch Me‘ von Samantha Fox, dachte Gabriel und fühlte sich gleich um viele Jahre zurückversetzt. Daniel hatte nicht gesagt, was hier stattfinden würde, nur so viel, dass er dort genau richtig sei. Flip war erwartungsvoll freudig und ging voran.

Sie kamen in einen großen, hell erleuchteten Raum, der mithilfe von Industriespanplatten in der großen offenen Kellerfläche geschaffen worden war. Links vom Eingang stand eine Reihe von Bistrotischen, an denen junge Frauen saßen. Sie sahen adrett aus, manche trugen klassische Kostüme, als ob sie auf dem Weg ins Büro hier eine Pause eingelegt hätten. In der Mitte, vor den Tischen stand ein himmelblaues aufblasbares Planschbecken, das zu einem Drittel mit hellem Schlamm gefüllt war. Darin knieten zwei Frauen, die ähnlich angezogen waren, aber mittlerweile vollständig mit nassem, glitschigem Schlamm umhüllt waren. Sie rangen miteinander und versuchten, sich umzuschubsen. „Mud-wrestling! Fantastic!“, sagte Flip glucksend vor Freude und klopfte Gabriel auf die Schulter. „As if you were a mind-reader!“

Neben dem Schlammbecken stand eine große rothaarige Frau in einem schwarzen Satinoverall und mit schulterlangen Handschuhen. Sie schien das Sagen zu haben. Sie gab den Mädchen im Schlamm Kommandos und unterbrach ihren Kampf, wenn es zu unübersichtlich wurde. Dazu klang immer noch aus den Lautsprecherboxen ‚I wanna feel your body‘.

Rechts vom Eingang, in respektvoller Entfernung möglicher Schlammspritzer, stand das Publikum, etwa zwanzig Männer verschiedener Altersklassen. Sie glotzen andächtig die Mädchen an. Einige von ihnen trugen Augenmasken und Gabriel fragte sich, ob er nicht gerade einen Fehler beging, den er später bereuen würde. Flip konnte seine Augen nicht abwenden. Gabriel ging zu einem Verkaufsstand im Hintergrund und kaufte zwei Flaschen Bier. Er reichte eine davon an Flip, der sich beiläufig bedankte.

Der Kampf schien solange zu dauern, bis die Mädchen komplett mit Schlamm bedeckt waren und man sie nicht mehr von Zitronenbaisers unterscheiden konnte. Dann kamen die Nächsten dran. Das Publikum feuerte sie an. Am lautesten wurde gejohlt, wenn Kleidungsstücke zerrissen wurden, bevor das Mädchen komplett in Schlamm eingehüllt war. Nackte Haut mit Schlammspritzern schien den Männern am meisten zu gefallen. Gabriel war erleichtert, dass er, oder vielmehr sein Bruder, Flips Geschmack getroffen hatten.

„That was awesome, Gabe!“, sagte Flip anerkennend. „It got me right in the mood. I’ve got a boner like a mule. Now we can go to the brothel!“

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