(15) Der Abschuss war Heiko Taugerbeck am folgenden Tag geglückt.

von Alain Fux

Der Abschuss war Heiko Taugerbeck am folgenden Tag geglückt. Danach hatte er keine Ruhe mehr gehabt und war frühzeitig wieder nach Hause geflogen. Um Präparation und Versand der Trophäe des Sikahirschs kümmerte sich der Veranstalter. Ein weiteres Teil, das er nur in der Jagdhütte sehen würde, denn Henriette duldete keine toten Tiere im Haus.

Als Taugerbeck zu Hause aus dem Taxi stieg, wunderte er sich über die fremden Autos, die davor standen. Henriette war noch auf ihrer Kreuzfahrt und Michael, ihr gemeinsamer Sohn, müsste eigentlich an der Uni sein. Als Taugerbeck den Schlüssel ins Schloss schob hörte er laute Musik mit verzerrten elektronischen Tönen. Er ging hinein und stellte seine Kleidertasche und den Gewehrkoffer ab. Er ging ins Wohnzimmer.

Dort sah es auf wie nach einer Explosion. Die Möbel waren alle gegeneinander verschoben. Die Sitzgarnitur war umgekippt und oben drauf lagen Kissen wie Burgzinnen. Auf der anderen Seite lag der Couchtisch, auch umgekippt. Dahinter waren auf beiden Seiten zwei langhaarige Freaks und in den Händen hielten sie, Heiko spürte wie sich sein Hals zuschnürte, seine Waffen! Er sah die F3 Game, den Drilling 37 von Heym und das Smith & Wesson Modell 59. Und vor allem seine geliebte AYA No. 53! „Schluss!“, schrie er. Vier Augenpaare schauten ihn entgeistert an. Die Freaks legten die Waffen auf die Möbel und hoben absurderweise die Hände. „Macht diesen Krach aus!“. Taugerbeck zitterte vor Wut. Einer der Freaks drückte einen Knopf auf einem großen Kasten, aus dem die Musik herauskam. Es war plötzlich still. „Und nehmt die Hände runter. Alle Waffen auf den Boden legen. Aber vorsichtig, ich warne euch!“ Sorgfältig legten sie die Schusswaffen nieder.

„Herr Taugerbeck, es tut uns leid…“ Der junge Typ mit der lockigen Mähne und dem lächerlichen Schnauzbart schien der Anführer zu sein. Zumindest war er der Einzige, der redete. Die anderen standen nur blöde glotzend hinter ihren Kissenforts. Taugerbeck hatte nicht übel Lust, sie alle abzuknallen. „Wer seid Ihr Arschlöcher?“ – „Wir sind Kommilitonen von Michael. Wir wollten nichts Böses. Nur ein bisschen feiern…“ – „Wo ist Michael?“ – „Oben, er schläft. Ihm war nicht gut.“ Taugerbeck schaute von einem zum anderen, als wollte er sich ihre Gesichtszüge genau einprägen. „Macht dass Ihr verschwindet. Jetzt!“ Sie stolperten an ihm vorbei. Er stand dazwischen wie ein Fels in der Strömung. Innerhalb von ein paar Sekunden waren sie draußen. Die Haustür klappte zu, man hörte die Autos starten. Dann war es still.

Taugerbeck sammelte die Waffen ein und überprüfte sie. Sie waren nicht geladen und er sah keine Beschädigungen an ihnen. Er nahm sie mit in sein Arbeitszimmer. Der Waffentresor stand offen. Michael kannte die Kombination. Taugerbeck würde sie ändern müssen. Wenigstens war das Innenfach mit der Munition immer noch verschlossen. Nicht auszudenken. Er stellte die Waffen zurück und schloss den Tresor. Dann ging er nach oben.

Michael lag angezogen im Bett. Taugerbeck berührte ihn, erst leicht, dann fester. Er fühlte nach dem Puls und fand ihn. Er schüttelte Michael, aber er wachte nicht auf. Taugerbeck dachte nach und griff dann zu seinem Mobiltelefon, um den Notarzt zu rufen.

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