(12) Sid wohnte in einem Haus neben seinem Autohandel.

von Alain Fux

Sid wohnte in einem Haus neben seinem Autohandel. Mark hielt direkt vor der Einfahrt, die mit einem Drahtzaun verschlossen war und stieg aus. Er öffnete die Gattertür mit dem Schild „Warnung vor dem Hund“ und ging mit schnellen Schritten auf das Haus zu. Im Erdgeschoss war Licht. Billy, der Schäferhund, kam auf ihn zu. Mark tätschelte ihm kurz den Kopf und riss die Haustür auf. Durch den Flur marschiert und dann stand er im Wohnzimmer. Sid war so erschrocken, dass ihm die Bierflasche aus der Hand fiel. Dennoch war er geistesgegenwärtig genug, sie zu retten, bevor allzu viel herausgeflossen war.

„Wo ist Martha?“ Mark schaute sich um. „Ist sie im Bad? Welche fiese Nummer ziehst du hier ab, Sid Skinner, Gebrauchtwagenhändler?“ Sid hatte seine sprichwörtliche Ruhe wiedergefunden und grinste. „Da ist aber jemand aufgebracht. Und ja, ich bin Gebrauchtwagenhändler, na und? Kann gut sein, dass Martha im Bad ist…“ Mark wollte schon die Treppe hochlaufen. „… aber nicht in meinem, Mr Chippy!“ Mark hielt inne und schaute Sid fragend an. Sid ging zum Kühlschrank, der praktischerweise im Wohnzimmer als TV-Möbel fungierte, nahm ein Bier heraus und öffnete die Flasche für Mark. Er erzählte, dass er vorhin gehen wollte und Martha ihn bat, sie nach Hause zu fahren. Ihr war schlecht und sie konnte nicht mehr auf Mark warten, der verschwunden war. „Das Gute daran war, dass sie mir nicht ins Auto gekotzt hat. Dafür aber auf den Scheinwerfer des Jaguars. Kannst es dir gerne draußen ansehen. Vielleicht hängt sie immer noch bei sich über der Schüssel. Kannst auch gerne hinfahren und ihr die Haare aus dem Gesicht halten. Ich bin auf jeden Fall hierher gefahren. Home Sweet Home. Cheers.“

Sie stießen an, Mark trank und murmelte eine Entschuldigung, die Sid annahm. Sie setzten sich. Sid erzählte, dass er einmal eine Affäre mit Martha gehabt hatte, vor langer Zeit. Wie viele am Ort. „Es lohnt nicht, Mark. Sie hat noch keinen, nicht weil sie nicht will, sondern weil sie eine Nervensäge ist. Ich wollte es dir schon länger sagen, aber ich dachte mir, dass die Jugend ihre eigenen Erfahrungen machen sollte.“ Mark ließ die Warnung so stehen. Er erzählte, dass er es schwer hatte, Frauen kennenzulernen. Auch weil er immer ein wenig nach Frittierfett roch.

„Das kann ich verstehen, Mark. Das bleibt immer an einem kleben. Bei mir ist es der Job. Wenn du erzählst, dass du Gebrauchtwagen verkaufst, denken alle du wärst so einer wie Richard Nixon. Man meidet dich. Die ehrbaren Frauen meiden dich, um es genauer zu sagen. Es bleiben nur die Flittchen ohne Moral. Wenigstens geht es bei denen schneller zur Sache.“

Für einen Moment war es still. Billy kratzte an der Tür und Sid ließ ihn herein. Der Schäferhund legte sich neben den brummenden Kühlschrank „Aber ich bin da auch nicht besser“, fuhr Sid fort. „Letztes Jahr, als ich in London bei der Motor Show war, hatte ich eine Frau kennengelernt. Sah gut aus, intelligent, lustig. Ich dachte schon, da ist was faul an der Sache. Der Abend ging dahin und dann kam es raus: Sie arbeitete als Altenpflegerin. Da war es aus bei mir. Ich konnte dann nur noch daran denken, wie sie alten Knackern den kotverschmierten Hintern abputzt. Total unfair, aber wenn du so ein Bild mal im Schädel hast – da kriegst du keinen mehr hoch.“

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