(10) Morgen müssen wir das Fett austauschen, einen Tag geht noch.

von Alain Fux

„Morgen müssen wir das Fett austauschen, einen Tag geht noch“, stellte Ida Dobbins fest, als sie in die große Fritteuse schaute. „Diesmal bist du dran, die Eimer zu füllen“, entgegnete Doreen Stubbs und fuhr fort, den glitschigen Boden in dem Fish & Chips-Imbiss zu schrubben. Die beiden Damen waren jenseits der Sechzig und besserten ihre Rente auf, in dem Sie den „Codfather“ nach Ladenschluss sauber machten. Viele Verdienstmöglichkeiten gab es nicht in Biggleswade und deshalb nahmen sie den schmutzigen Job spät am Abend in Kauf.

„Ich frage mich, wie lange wir den Job noch machen können“, sagte Ida. „Jetzt wo Mr Trubshawe nicht mehr lebt, wird das ganze Unternehmen bestimmt verkauft.“ – „Da mache ich mir keine Sorgen, Ida, egal wer die ganzen Restaurants kauft, er wird jemand in Biggleswade brauchen, um den Laden sauber zu halten.“ – „Ich weiß nicht, Liebes, ich bin da nicht so optimistisch. Veränderungen machen mir Angst.“

Ida nahm sich die Kasse vor und wischte mit einem feuchten Lappen das Fett und den Dreck des Tages weg. Doreen hatte hinter der Theke fertig gewischt und richtete sich auf. Der Rücken tat ihr weh. Jetzt musste sie im Besucherbereich weitermachen. Da war es nicht so dreckig und sie konnte schneller wischen.

„Vielleicht können wir ja mal Mr Hoggs fragen, was jetzt mit uns passiert.“ Mark Hoggs war der Geschäftsführer der Filiale Biggleswade der landesweiten Fish & Chips-Kette mit dem Namen Codfather. Gerade als Doreen den Satz zu Ende gesprochen hatte, trat Hoggs in den Laden. Die Türglocke klingelte aufdringlich und Ida krächzte ein raues „Wir haben geschlossen!“ in die Richtung, ehe sie bemerkte, dass es ihr Chef war, der eben hereingekommen war. „Guten Abend, Mr Hoggs. Ich hatte Sie nicht gesehen.“ Hoggs winkte ab. „Habe meine Autoschlüssel vergessen. War noch im Pub. Alles in Ordnung, meine Damen?“ Leider fielen ihm die Namen der zwei Putzfrauen nicht ein. „Alles in Ordnung, Mr Hoggs“, antwortete Ida. Doreen kam näher, in der Hand immer noch den Schrubber. „Es tut uns leid wegen Mr Trubshawe“, sagte sie. Hoggs nickte. „Ja, schlimme Sache. Im Urlaub ausgerutscht und einfach so tot.“ Er schüttelte den Kopf. „Wissen Sie denn, was jetzt mit den Restaurants passiert?“, fragte Ida. Hoggs dachte nach. Er hatte gehört, dass ein Verkauf anstehen sollte und dass man einige Filialen schließen würde, darunter auch die in Biggleswade. Er hatte schon begonnen, nach einem neuen Job zu suchen. Aber Panik in der Belegschaft wäre schlecht. „Ich denke, dass Fish & Chips immer gegessen werden und dass das Leben weitergeht.“ Doreen strahlte. „Das haben Sie sehr schön gesagt, Mr Hoggs. Und das ist ja eine sehr gute Nachricht. Nicht wahr, Ida?“ Ida sah etwas skeptisch aus, aber hob dann doch die Mundwinkel zu einem halbherzigen Lächeln.

Hoggs schaute von einer Frau zur anderen. „Jetzt muss ich aber.“ Er holte seine Schlüssel aus dem Hinterzimmer, verabschiedete sich von den Putzfrauen und hetzte aus dem Restaurant.

Advertisements