(8) Bazarov legte die Lupe weg, mit der er das Foto von dem aufgebahrten Maximilian betrachtet hatte.

von Alain Fux

Bazarov legte die Lupe weg, mit der er das Foto von dem aufgebahrten Maximilian betrachtet hatte. Er verglich es mit einem Bild des noch lebendigen Habsburgers. Obwohl Maximilian den Mitgliedern des Erschießungskommandos Gold gegeben und sie gebeten hatte, ihm nicht ins Gesicht zu schießen, hatte ein Schuss ihn direkt ins Auge getroffen. Man hatte dann ein Glasauge aus einer Marienstatue genommen und in die leere Augenhöhle gestopft. Das veränderte einen Menschen natürlich. Das und natürlich der Tod… Es war schwer zu sagen, ob es das gleiche Gesicht war. Bazarov hatte seine Leute schon beauftragt, DNA-Proben von diesem Justo Armas zu beschaffen. Vielleicht musste die Geschichte umgeschrieben werden.

Es klopfte und Peter Parkinson, sein Privatsekretär, kam herein. Parkinson war Mitte Dreißig und ein guter Organisator. Er war in Eton und Cambridge gewesen, hatte aber nicht genug Schneid, um selbst etwas im Leben zu erreichen. Einen Mann wie Peter als Privatsekretär zu beschäftigen empfand Bazarov als ein großes Privileg.

„Peter, besorgen Sie mir einen dieser Typen bei der Polizei, die sich mit der Identifizierung von Leichen beschäftigen. Rekonstruktion von Gesichtern, so was. Ich will, dass ein Experte die Fotos vergleicht und mir sagt, ob das Maximilian war oder nicht.“ – „Ja, das erledige ich, Mr Bazarov. Darf ich sie erinnern, dass in einer halben Stunde der Staatssekretär aus dem Rohstoffministerium hier sein wird.“ – „Ich weiß, Peter. Die Goldhenne. Was haben Sie vorbereitet?“

Parkinson zückte sein Notizbuch und schlug es mit dem Lesebändchen auf. „Es gibt ein französisches Drei-Gänge-Menü auf dem Goldservice. Dazu Mouton Rothschild 1994.“ – „In Ordnung. Was haben wir für Geschenke für unseren Freund?“ – „Das Etikett des Weines ist von Karel Appel entworfen. Ich habe entsprechend ein Werk auf Papier von Karel Appel besorgen lassen.“ – „Sehr einfallsreich. Gute Arbeit, Peter. Unsere Goldhenne ist musisch interessiert, das wird ihm gefallen. Gleichzeitig braucht er auch die körperliche Stimulation. Welche Frauen haben wir?“ Peter blickte wieder in sein Notizbuch. „Odilia, blond, jung aber erfahren. Maja, brünett, etwas drall und voller Enthusiasmus. Beide sind schon da und werden gerade eingekleidet. Ist das nicht in Ordnung?“ Peter merkte gleich, wenn sein Chef unzufrieden war. „Wo ist Elvira?“ Peter räusperte sich. „Sie war nicht verfügbar.“ Bazarov runzelte die Stirn. „Sie war doch erst vor ein paar Tagen hier. Beim Dinner mit diesem Spinner, diesem Schotten. Der wusste ja nachher gar nicht mehr, wo ihm der Kopf stand, so sehr hatte sie ihn eingewickelt.“ Peter wechselte von einem Bein auf das andere. „Das war Hugh Trubshawe. Nun, Elvira… so wie es aussieht, ist sie mit Trubshawe in die Karibik geflogen…“

Bazarov überdachte die Nachricht einen Augenblick und sagte dann nur „Oh, ja dann. Wie unprofessionell. Und, Peter, bitte sorgen Sie dafür, dass der Schotte seinen Kaviarvertrag nicht bekommt. Ich hatte es ihm zwar versprochen, aber das war, bevor er mir wertvolle Angestellte stahl.“

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