(7) Ursprünglich hatte Igor Grigorewitsch Bazarov Geschichte studiert.

von Alain Fux

Ursprünglich hatte Igor Grigorewitsch Bazarov Geschichte studiert. Sein Spezialgebiet war die mexikanische Geschichte von Cortés bis Cárdenas. Dann zerfiel die Sowjetunion und über einen Onkel, der für die Regierung arbeitete, war Bazarov über Nacht der Eigentümer einer Industriegruppe mit Erzminen und Verarbeitungsindustrien geworden. Deswegen musste er seine Doktorarbeit, eine Untersuchung der Erschießung von Maximilian I., Kaiser von Mexiko, abbrechen.

Erstaunlicherweise bekam er den Konzern sehr schnell unter Kontrolle. Er analysierte die Zahlen, traf die notwendigen Entscheidungen und überwachte deren Ausführung. Die weiterverarbeitenden Fabriken waren fast alle unprofitabel und er ließ sie schließen. Die Minen hingegen warfen viel Geld ab und er ließ sie ausbauen. Sein Onkel brachte ihm bei, wie man mit Geschäftsfreunden und Offiziellen umging. Bazarov lernte, dass man nur eine klare Reihenfolge befolgen musste, um das zu bekommen, was man wollte: zuerst erklären, dann zahlen und erst am Ende einschüchtern.

Eigentlich war es einfach. Jetzt lief der Konzern reibungslos, die Kontakte zu allen wichtigen Stellen waren abgedeckt. Der Onkel saß mit seiner Familie in einer Art Schloss auf Zypern. Bazarov hielt sich aus der Politik heraus, war aber immer bereit, ein gutes Wort für die Herrschenden einzulegen und sich für die Beibehaltung des politischen Systems einzusetzen. Seine geschäftlichen Aktivitäten konnte er zurückfahren auf das Minimum, das notwendig war, um den Status quo beizubehalten. Da er kein Interesse an den Aktivitäten seiner Oligarchen-Kollegen hatte, spielte er mit dem Gedanken, seine Doktorarbeit wieder aufzunehmen und in Geschichte zu promovieren.

Durch die Geldmittel, die ihm nun zur Verfügung standen, war er in der Lage, die Erschießung von Maximilian I. durch die Truppen von Juárez viel genauer zu untersuchen, als er es sonst gekonnt hätte. Maximilian, ein Habsburger, war von Napoleon III. von Frankreich 1864 als Kaiser nach Mexiko geschickt worden. Er sollte dort die Interessen Frankreichs vertreten. Napoleon hatte ihm vorgeschwindelt, den Mexikanern wäre nichts lieber, als von einem Habsburger regiert zu werden. Allerdings zogen die Franzosen zwei Jahre später ihre Truppen ab und 1867 wurde Maximilian von Präsident Juárez gefangen genommen, vor ein Kriegsgericht gestellt und zum Tode verurteilt. Das berühmte Gemälde von Manet, ‚Die Erschießung Kaiser Maximilians‘, hält das Ende des Kaisers fest.

Privatdetektive, die Bazarov nach Mexiko geschickt hatte, fanden Anzeichen, dass die Exekution nur zum Schein erfolgt war. Maximilian hätte keine Schwierigkeiten gemacht und Juárez (übrigens waren beide Freimaurer) hätte ihn daher nach El Salvador bringen lassen. Dort habe der Ex-Kaiser bis 1936 unter dem Namen Justo Armas weitergelebt.

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