(355) Chris Cooper hatte keine schöne Kindheit gehabt.

von Alain Fux

Chris Cooper hatte keine schöne Kindheit gehabt. Seine Eltern trennten sich, als er fünf Jahre alt war. Danach hatte er seinen Vater nie wieder gesehen. Seine Mutter verfiel immer mehr dem Alkohol und kümmerte sich auch nicht mehr um ihn. Mit sieben Jahren kam er zuerst in ein Kinderheim, wurde aber schnell in eine Pflegefamilie platziert.

Die Familie war äußerst religiös und streng. Für den kleinen Chris gab es weder Liebe nach Vergnügen. Das Leben bestand aus einer Reihe von Aufgaben und Prüfungen, bei denen er sich würdig zeigen musste, um als Geschöpf Gottes zu leben. Lob erhielt er nie, Tadel meistens und Schläge oft. Chris Cooper wurde ein trauriges Kind, aus dem ein trauriger Jugendlicher wurde.

Linda Fox hatte er es zu verdanken, dass diese Entwicklung unterbrochen wurde. Sie war seine Biologielehrerin und irgendwie mochte sie den Jungen mit den traurigen Augen. Sie unterstützte ihn bei den Hausaufgaben, ermunterte ihn und vor allem gab sie ihm etwas Liebe und Wärme. Natürlich gab es auch Konflikte mit Chris‘ Pflegefamilie, die Linda aber immer mit ihrer großen Sprechbegabung löste. Außerdem musste sie versprechen, niemals Darwin und seine Werke zu erwähnen. Sie zeigte Chris, dass es auch noch etwas anderes gab, außerhalb von Aufgaben und Prüfungen. Sie tat es ganz unentgeltlich, nur aus dem Gefühl heraus, Chris etwas geben zu können.

Neben ihrem Job als Biologielehrerin forschte Linda und züchtete Pflanzenreihen. Chris half ihr oft dabei, Pflanzen miteinander zu kreuzen, indem er die Pollen der einen Sorte auf die Narben der anderen Sorte übertrug. Es waren die glücklichsten Momente in seinem Leben, wenn Linda sich bei ihm bedankte für einen perfekt ausgeführten Job.

Sie erzählte ihm nichts von Darwin und seinen Entdeckungen, dafür erklärte sie ihm Genetik. Obwohl er das Meiste davon nicht verstand, fand er ihre Ausführungen faszinierend. Er hätte gerne Wissenschaftler werden wollen, wie sie. Er erkannte aber auch, dass es ihm an Eignung dafür fehlte. Als er nach der Schule zur Polizeiakademie gehen wollte, bestärkte sie ihn in seiner Entscheidung. Anders als seine Pflegefamilie, die ihn am Liebsten als Pfarrer gesehen hätte.

Als er bei der Polizei angenommen wurde, feierte Linda mit ihm. Als er sein erstes Akademiejahr begann, erhielt sie ein Jobangebot aus Deutschland und nahm es an. Sie sollte sich dort um die Züchtung von bestimmten Kartoffelsorten kümmern. Chris blieb noch längere Zeit mit ihr in Briefkontakt und sie schrieb, dass sie sehr erfolgreich sei. Eine Kartoffelsorte sei sogar nach ihr benannt worden. Nach und nach wurden die Briefe spärlicher und blieben schließlich aus.

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