(347) Menzel konnte seinen Artikel über Greta auch schreiben…

von Alain Fux

Menzel konnte seinen Artikel über Greta auch schreiben, ohne den krönenden Abschluss selbst erlebt zu haben. Die Details von Gretas Stuhlgang hätte man eh nicht im Detail abdrucken können. Es war das übliche Tierdrama mit Happy End. Menzel selbst war zufrieden, dass er die Telefonnummer der Wärterin hatte. Er schätzte zupackende Frauen. Lang winkte die Story durch, ohne sie gelesen zu haben. „Hauptsache der Elefant lebt noch“, war sein einziger Kommentar.

Das nächste Projekt für Menzel war der seltsame Tod von Marietta Zimmer. Sie lebte mit ihrem Mann Hansjörg an einem Bach. Durch starke Regenfälle war der Bach innerhalb kurzer Zeit zu einem reißenden Wasserlauf geworden, der das Erdgeschoss des Hauses überschwemmte. Hansjörg wollte dem Rat der Feuerwehr folgen und das Haus verlassen, bis zumindest der Höchststand des Pegels erreicht sein würde. Marietta war dagegen. Sie hatte über Jahre hinweg eine große Vielfalt an Zimmerpflanzen gezüchtet, die sie auf keinen Fall im Stich lassen wollte.

Nach einer heftigen Diskussion verließ Hansjörg Zimmer das Haus mit einem Schlauchboot der Feuerwehr. Marietta blieb zurück bei ihren Pflanzen, die sie alle im ersten Stockwerk des Hauses aufgestellt hatte. Sie hatte genügend Lebensmittel für eine ganze Woche. Sie winkte Hansjörg zu, als das Schlauchboot dem Wasserlauf folgend, außer Sicht geriet.

Drei Tage später fand die Feuerwehr ihre Leiche, die im Erdgeschoss des Hauses lag. Eine Untersuchung fand statt. Hansjörg Zimmer geriet unter Verdacht, dass er heimlich zurückgekommen war und seine Frau ermordet hatte.

Noch vor der Pressekonferenz der Polizei konnte Menzel über gute Kontakte den zuständigen Gerichtsmediziner, Nikolaus Egger, interviewen. Egger erklärte ihm, dass es nur ein tragischer Unfall gewesen sei. Marietta Zimmer habe Wasser gebraucht, um ihre Pflanzen zu gießen. Zuerst nutzte sie das in Flaschen abgefüllte Mineralwasser. Die Trinkwasserzufuhr war von Beginn der Überschwemmung unterbrochen worden. Dann merkte sie, dass das Wasser nicht ausreichen würde, da sie ja auch selbst trinken musste.

Sie beschloss, die Pflanzen mit dem Wasser zu gießen, das wegen der Überschwemmung in ihrem Haus stand. Mit der Gießkanne in der Hand stieg sie die Treppe hinunter und beugte sich knapp über der Wasseroberfläche nach vorne, um die Kanne zu füllen. Dabei muss sie ausgerutscht und uns Wasser gefallen sein. Sie stieß mit dem Kopf an einen Zinnkrug, der unter Wasser auf dem untersten Treppenabsatz stand und verlor das Bewusstsein. Sie ertrank in ihrem eigenen Hausflur. Keine Fremdeinwirkung. Ein tragischer Unfall.

Als die Pressekonferenz begann, hatte Menzel seinen Artikel schon fertig.

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