(346) Bei der internen Untersuchung des Todesfalls von Günther Runge durch das Krankenhaus…

von Alain Fux

Bei der internen Untersuchung des Todesfalls von Günther Runge durch das Krankenhaus, war die Schuld von Nick Menzel aufgedeckt worden. Der Herausgeber der Zeitung war aber gleichzeitig Vorsitzender des Verwaltungsrats des Krankenhauses und deshalb kam die Todesursache nicht im Detail an die Öffentlichkeit.

Menzel musste eine unendlich lange Gardinenpredigt von Fred Lange über sich ergehen lassen. Fürs erste wurde er für „spezielle“ Projekte eingeteilt.

Das erste spezielle Projekt, das Menzel covern musste, war der Fall von Greta. Greta war eine Elefantendame im Städtischen Zoo. Sie litt bereits seit einer Woche unter Verstopfung. Da sie bei den Lesern der Tageszeitung sehr beliebt war, war es eine Ehrensache, über ihre Fortschritte zu berichten. „Aber bring‘ den Elefanten nicht um, Nick“, gab Lange ihm mit auf den Weg.

Menzel traf sich mit der Elefantenwärterin. Friederike Riesfeldt war eine attraktive blonde Frau von Anfang 30. Sie erzählte Nick, dass sie es bereits mit einer weit höher als vorgeschriebenen Dosis an Abführmitteln versucht habe, Greta aber weiterhin verstopft sei. Sie wollte es jetzt mit einem Einlauf versuchen. Wenn Nick wollte, konnte er nicht nur darüber berichten, sondern ihr auch dabei helfen. Normalerweise hätte Menzel abgelehnt, aber Friederike war wirklich sehr attraktiv.

Zuerst bereiteten sie die Flüssigkeit vor: eine Seifenlauge, die sie in einen großen Plastikcontainer füllten. Den Container hievten sie dann mit einem Gabelstapler auf drei Meter Höhe. Am Container war ein Schlauch angebracht, der jetzt herunter baumelte. Friederike streifte einen hellgrünen Plastikhandschuh über, der ihr bis an die Schulter reichte. Nick musste den Handschuh mit einem Gleitmittel bestreichen. „Bis zum Ellbogen reicht“, wies ihn Friederike an, „das verteilt sich.“

Sie stieg auf ein Podest, an den ein anderer Wärter Greta rückwärts heranführte. Beherzt griff Friederike Greta in den After. Sie holte zuerst einzelne Fäkalstücke heraus. Als sie bis zur Schulter im Darm des Tieres steckte, sagte sie: „Hier ist die Verstopfung. Gib mir mal den Schlauch.“ Nick reichte ihr das Schlauchende, das sie der Elefantenkuh einführte. Dann musste Nick das Ventil öffnen und die Einlaufflüssigkeit lief in Greta hinein. Als der Container etwa zur Hälfte leer war, wurde Greta unruhig. Friederike nahm den Schlauch heraus und streifte den Handschuh ab. Sie nahm Nick mit zur Seite. „Jetzt heißt es warten.“

Aber es geschah nichts. Greta stand einfach nur da. „Ich muss zurück in die Redaktion“, sagte Nick. „Ich werde bestimmt noch Fragen haben. Kannst du mir deine Telefonnummer geben?“ Sie schrieb ihre Nummer auf seinen Schreibblock. Nick war bereits auf halbem Weg zur Zeitung, als der Einlauf bei Greta zu Wirken begann.

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