(344) Das ist doch unerträglich langweilig!

von Alain Fux

„Das ist doch unerträglich langweilig!“, flüsterte Nick Menzel seiner Kollegin Daniela Hengst zu. Ihr Chef, Fred Lange, hielt jedes Jahr bei der Weihnachtsfeier der Redaktion eine Rede. Von Jahr zu Jahr wurden seine Reden langatmiger und sentimentaler. Daniela zeigte ihm, dass sie eine Flasche Wodka hinter ihrem Rücken versteckt hielt und zeigte mit ihrem Kopf zum Flur hin. Sie stahlen sich aus dem Großraumbüro heraus, während die anderen Kollegen mehr oder weniger andächtig Fred Lange zuhörten, der bei seinem Jahresrückblick mittlerweile bei Mai angekommen war.

Daniela führte Nick in den großen Kopierraum und schloss die Tür hinter ihm. „Jedes Jahr das Gleiche. Warum bin ich überhaupt gekommen?“, schimpfte Nick. Er nahm einen Schluck aus der Wodkaflasche, die Daniela ihm hinhielt. Sie trank auch. Beide waren schon etwas beschwipst, denn die inoffizielle Weihnachtsfeier hatte schon am Nachmittag begonnen.

Daniela drückte auf den Start-Knopf des großen Kopierers. Der Lichtstreifen sprintete über die Wand. Sie schaute erst Nick an, dann klappte sie den Deckel des Kopierers hoch. Sie zog ihren Pullover bis zu den Schultern hoch und platzierte ihre Brüste auf das Vorlagenglas. Nick drückte auf Start. Ein Lichtblitz zuckte durch den Raum. Daniela bedeckte ihre Brüste wieder und nahm die Kopie aus der Ausgabe. Sie schien zufrieden mit dem Ergebnis. Sie hielt Nick das Blatt hin und sagte: „Jetzt bist du dran.“ Menzel öffnete seinen Gürtel und ließ die Hose fallen. „Wir Journalisten sind der Wahrheit verpflichtet. Wenn es die Information gibt, dann raus damit!“

„Völlig richtig“, sagte Fred Lange, der unbemerkt eingetreten war. Er schaute sich die Kopie von Danielas Busen an. „Ganz nett“, sagte er, „ich melde mich, wenn ich mal Saure-Gurken-Zeit habe.“ – „Immer gerne zu Diensten, Herr Lange. Gemeinsam werden wir das Sommerloch bestimmt füllen“, konterte Daniela. Menzel stand feixend da und zog die Hose wieder hoch. Er schloss den Gürtel.

„Du musst schnell nüchtern werden, Nick“, sagte Lange. „Wir haben einen Scoop. Du musst sofort ins Städtische Krankenhaus. Günther Runge liegt im Sterben und möchte ein paar Dinge geraderücken. Seine Frau hat mich gerade angerufen. Multiorganversagen, Intensivstation. Jede Minute zählt. Weihnachten läuft nicht weg.“ Menzel wollte sich an Lange vorbeischleichen. „Nick?“ – Menzel blieb stehen. „Deine Hose steht offen. Macht einen schlechten Eindruck im Krankenhaus.“

Advertisements