(342) Klara Pfeifer schaltete das Diktafon ein.

von Alain Fux

Klara Pfeifer schaltete das Diktafon ein. „So, Herr Jurisch, für unsere Leser, wie war das, als sie plötzlich Frau Loos am Fluss gegenüberstanden.“ Jurisch erzählte die Geschichte, wie er mit seiner Angelausrüstung vom Wagen zum Fluss ging und dabei zwei sehr laute Knalle rasch nacheinander hörte. Er stellte alles nieder und eilte in die Richtung, aus der die Schüsse kamen. Und dann stand Astrid vor ihm, die noch rauchende Pumpgun in der Hand.

Klara fragte, wie gut er die drei kannte. „Detlev kannte ich sehr gut. Schon seit Jahren. Guter Angler. Toller Fliegenbinder. Kathrin, sehr gute Anglerin. Optisch nicht die Wucht. Sie hatte wohl mal einen Unfall. Hätte ich nie gedacht, dass die mal was zusammen haben würden. Aber, wo die Liebe hinfällt. Astrid Loos hatte ich einmal viel früher gesehen. Aber sie war sich ja zu fein, für uns Anglervolk. Sie kam nie mit. Und dann passiert das.“ – „Wie erklären Sie sich, dass Herr Loos und Frau Junk ein Verhältnis anfingen?“ Plötzlich schaltete Jurisch auf stur. „Sagen Sie, warum stellen Sie diese Fragen? Was soll das werden?“

Klara schaltete das Aufnahmegerät aus. „Ich will eine Story schreiben über diese Tat, weil meine Leser das besser verstehen wollen. Dieser brutale Doppelmord passiert mitten unter ihnen… Natürlich haben sie ein Recht darauf, zu erfahren, was genau passiert ist.“ – „Ich weiß nicht“, antwortete Jurisch. „Nachher kommen dabei Schlagzeilen raus wie ‚die brutalen Fischmörder‘ oder ‚Wenn aus Fischern Jäger werden‘. Das gibt ein falsches Bild. Wir Angler haben das Nachsehen, aber bei Ihnen geht die Auflage durch die Decke.“ Klara stritt diese Anschuldigungen ab, notierte sich aber vorsorglich den Titel ‚Wenn aus Fischern Jäger werden‘.

„Wie haben denn die anderen Angler reagiert?“ – „Es war schrecklich. Unsere Frauen haben uns nicht mehr aus dem Haus gelassen. Sie dachten, na Sie wissen schon.“ Klara wartete mit schief gelegtem Kopf. Jurisch wurde etwas rot im Gesicht. „Na, dass alle Angler sich bei heruntergelassener Hose mit Weibsbildern vergnügen, anstatt mit hochgezogener Wathose im Fluss zu stehen.“ – „Bei Ihnen auch?“ – „Bin nicht verheiratet!“ Jurisch kniff die Augen leicht zusammen. „Gehen Sie eigentlich gerne angeln, Fräulein Pfeifer?“ – „Frau Pfeifer. Und nein, ich gehe nicht Angeln, ich hasse es.“ Jurisch gab nicht auf. „Immerhin haben Sie schon mal eine Meinung dazu. Soll ich es Ihnen mal zeigen, wie das so geht mit einer Rute?“ Klara Pfeifer warf Block, Bleistift und Diktafon in ihre Umhängetasche und stand auf. „Auf Wiedersehen, Herr Jurisch. Ich glaube, dass ich genug gehört habe.“

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