(341) Detlev verliebte sich in eine andere Frau.

von Alain Fux

Detlev verliebte sich in eine andere Frau. Damit hatte Astrid nicht gerechnet. Er verkündete es ihr, als er eines Abends vor seinem Bindestock saß und Köder fabrizierte. Detlev wollte sich von Astrid scheiden lassen. Alle weiteren Details musste Astrid ihm aus der Nase ziehen.

Detlev hatte die andere Frau beim Angeln kennengelernt. Sie war wohl eine begnadete Fliegenfischerin. Sie hatte Detlev gelobt, weil er so tolle Fliegen binden konnte. Erst hatte sie gar nicht geglaubt, dass Detlev sie selbst angefertigt hatte. Er hatte ihr einen Antrag gemacht. Sie hatte zugesagt. Sie hieß, dabei zögerte er etwas, Kathrin Junk.

Astrid versuchte, mit ihm zu argumentieren, aber Detlev blieb stur. Wenn er einmal eine Idee im Kopf hatte, war er nicht davon abzubringen. Zum ersten Mal ging Astrid weg und übernachtete in ihrer eigenen Wohnung.

Sie holte Erkundigungen zu Kathrin Junk ein. Sie war in Anglerkreisen sehr bekannt. Astrid fand ein Foto von ihr, auf dem sie bei einem Wettangeln als Siegerin ausgezeichnet wurde. Astrid blieb der Atem stocken. Kathrin Junk musste vor einiger Zeit einen Unfall gehabt haben, bei dem ihre Mundpartie verunstaltet worden war. Auch die Augen standen schief zueinander. Astrid war fassungslos. Eine Scheidung würde bedeuten, dass Detlev die Hälfte ihres Vermögens bekommen würde. Und sie war wütend, dass er sie betrogen hatte, nach dazu mit einer so hässlichen Frau. Sie dachte sich einen Plan aus.

Am nächsten Samstag verließ sie das Haus gleich nach Detlev und folgte ihm mit ihrem Wagen. Sie sah, wie er die Nebenbuhlerin abholte. Als sie an dem Fluss angekommen waren, an dem die beiden angeln wollten, schlich sie ihnen nach.

In der Hand hielt sie die Gewehrtasche mit der Pumpgun, die sie sich besorgt hatte. Sie wartete, bis Detlev und Kathrin ihre Wathosen angezogen hatten und mit ihren Ruten in den Fluss hineingingen. Dann packte sie die Pumpgun aus, stellte sich an das Ufer des Flusses und feuerte eine Ladung auf Detlev, lud nach und dann noch eine Ladung auf Kathrin. Beide wurden von den Schüssen umgerissen. Im Fluss vereinte sich ihr Blut.

Astrid drehte sich um und wollte zum Auto zurück. Dann stand ihr ein anderer Angler im Weg. Sie warf ihm die Pumpgun vor die Füße. Die Polizei kam und nahm sie fest. Sie holte sich den besten Anwalt, den es in der Stadt gab. Er plädierte auf Unzurechnungsfähigkeit. Den Besitz der Pumpgun erklärte er damit, dass Astrid einen Waffenschein machen wollte. Der Richter hatte erhebliche Zweifel an der Geschichte, verhängte eine Strafe von fünf Jahren wegen Totschlags, setzte sie aber zur Bewährung aus.

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