(337) Kunert und Rauch stießen mit den Bierflaschen an.

von Alain Fux

Kunert und Rauch stießen mit den Bierflaschen an. „Frauen“, murmelte Rauch. Als er sich mit der Hand über den Mund gewischt hatte, sagte er: „Wenn man nur eine Frau am Laufen hat, funktioniert das bei einem Mann nicht mehr so richtig im Kopf. Vor meiner Zeit mit Irma, als ich noch jung war, da war kein Mädel vor mir sicher. Und auch ich konnte nicht Nein sagen. Da war ich jedes Wochenende mit meinem Bauernporsche unterwegs. Im Umkreis von 30 Kilometern habe ich Frauen klargemacht. Es hätte immer so weitergehen können.“ – „Was geschah?“ – „Tja, ich habe Irma kennengelernt. Wir waren einfach füreinander bestimmt. Und seitdem ist Schluss mit anderen Frauen.“ Er trank einen Schluck. „Manchmal fehlt es mir.“ Er trank aus und schaute zur Sicherheit noch einmal auf die leere Flasche. „Aber nur für die Länge eines Biers.“

Er holte sich eine neue Flasche aus dem Kühlschrank. Kunert geriet ins Hintertreffen, musste aber auch noch Autofahren. „Wie haben Sie Irma eigentlich kennengelernt?“ Rauch setzte sich wieder hin. „Haben Sie schon mal was von Apfeltauchen gehört?“ – „Das ist dieses Spiel auf Kindergeburtstagen…“ – „… bei dem man mit dem Mund Äpfel aus einem Bottich fischen muss. Genau das.“

Henning Rauch hatte eine Nichte und war auf der Party zu ihrem 13. Geburtstag eingeladen. Er war ihr Lieblingsonkel und deshalb ging er hin. Er hatte ihr eine Puppe mitgebracht, erfuhr aber erst später, dass die Kleine schon ganz aus dem Alter heraus war. „Ich immer noch nicht“, sagte Rauch grinsend. Irma war zufällig da, weil ihre Eltern nebenan wohnten und sie zu der Party mitnahmen. Auf jeden Fall traten die beiden auf Veranlassung von Rauchs Schwester gegeneinander im Apfeltauchen an.

„Immerhin war es nicht Würstchenschnappen. Wir waren sehr engagiert und deswegen am Ende beide pitschenass. Und als sie mich anlächelte, ihr Gesicht umrandet von ihren dunklen, nassen Haaren, da war es um mich geschehen.“ – „Und dann?“ – „Dann sind wir zusammen ins Bad gegangen, um uns abzutrocknen. Und dort habe ich sie flachgelegt.“ – „Im Bad?“ – „Klar. Sie wissen doch… Wo die Liebe hinfällt. Wir konnten beide nicht warten. Und seitdem sind wir zusammen.“ – „Und wie haben Sie das mit dem Ring aufgenommen?“ – „Etwas unschön. Ich komme bei der Geschichte rüber wie der letzte Geizkragen. Aber was soll’s. Verdient hätte sie den Ring natürlich schon. Aber das ist nicht so mein Ding. Ich bin eher der Macker.“ Sie stießen wieder mit den Bierflaschen an. „Die Irma kommt wieder und wir machen weiter, wo wir aufgehört haben. Füreinander bestimmt. So ist das.“

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